Heute ist wieder ein Tag, der dem Drehplan von 2004 folgt, mit minimalen Änderungen. Startpunkt ist der große Tempel Higashi-Honganji (東本願時). Eine der beiden Hallen wird immer noch renoviert. Das Gerüst erinnert mehr an einen Hangar für Flugzeuge. Ich besichtige das Innere. Das sind eine Menge Tatami.

Der Shoseien (渉成園), mein nächster Stop, wird in vielen Reiseführern übersehen oder nur kurz erwähnt. Ich hatte ihn 2004 auf der Liste und er zählt für mich zum Pflichtprogramm. Leider kann man hier sehr viel Zeit verbringen, was etwas mit dem Plan für den Tag kollidiert.

 Hinaus aus der Idylle zurück auf die Straßen Kyotos. Was mir dabei auffällt. Kyoto ist flacher als Tokyo. Zumindest kommt es mir so vor. Am Sanjusangendo (三十三間堂) warten mehrere Touristenbusse. Das wird voll. Oder auch nicht. Die Halle ist sehr lang. Im innere stehen hunderte, tausende Kannon-Statuen. Fotografierien ist lieder verboten. (Ich scanne irgendwann mal den Flyer ein.) Die schiere Anzahl ist imposant.

Am Yogenin vorbei zum Chisan (智積院会館). Möche sind bei der Gartenarbeit. Keiner ist älter als 30. Wow. Ich bin eigentlich nur hier, wegen der großen Stoffbahnen, die den Korridor rund um die Haupthalle zieren. Ein wirklich gutes Foto gelingt mir jedoch nicht. Wird Zeit, dass ich die Dias von 2004 scanne. Hinter dem Tempel befindet sich der Yamaguchiinari-Schrein (山口稲荷神社). Für einen kleinen Abstecher ist immer Zeit. Außer dem Eingangstor ist ist nichts spezielles auszumachen.

Ich folge der Straße und unterquere die Autobahn, oder Schnellstraße, oder was auch immer es ist. Dahinter geht es bergauf zum Kiyomizudera (清水寺). Ein wiedersehen nach nur 2 Jahren. Die Baustelle hat sich etwas verschoben. Da ich ja so gesehen gerade erst hier war und der Rundgang schnell erledigt. Ebenso der Besuch im Jishu-Schrein.

Ich gehe die Treppen hinab zur berühmten Straße von Higashiyama (東山). Ich atme durch. Diese Ecke von Kyoto hat alles, was Tokyo nicht hat: Den Charm des alten Japans. Straßen wie diese unterscheiden Tokyo und Kyoto.

Ich verlasse die historische Straße und steuere den Kodaiji (高台寺) an. In der Hektik vergesse ich einen Besuch des Steingartens. Weiter zum Entokuin. Die Drachenmalerei an der Decke ist imposant.

Quer durch den Maruyamapark geht es zum Yasaka Schrein. Der Park ist gut für eine Pause, zieht aber keinen Hering vom Teller. Der Yasakaschrein ist, das fällt mir erst jetzt auf, der Schrein, den man von der Shijodori sieht. Gion überspringe ich. Aber nur, weil ich vor zwei Jahren hier war.

Der nächste Stop ist Kenninji. Hier gibt es nur einen kurzen Stop. Ich bin schon weit hinter meinem Zeitplan. Chionin (知音院) ist  braucht etwas Zeit. Ein Großteil des Tempel wird gerade renoviert. Schade.

Der Heian-Schrein ist beeindruckend. Die riesige Front in orangerot. Der Schrein ist seit 2004 in meiner Erinnerung. Der Garnten hinter dem Schrein hat sich in meinen Gedächtnis verewigt. Die überdachte Brücke über den See. Ich gönne mir eine kurze Pause, bin mir aber bewusst, dass mein Zeitplan mal wieder zu eng gesteckt war und ich jetzt hinterher hinke.

Vom Heian geht es ohne Umwege zum Pilosopher Path (哲学の道). Es geht durch Nebenstraßen. Es ist weiter als gedacht. Dann endlich bin ich am Pfad. Jetzt wird es wirklich knapp. Wie 2004 werde ich den silbernen Pavillion erst kurz vor Schließung erreichen. Und dann verlaufe ich mich auch noch. Kyoto ist hier irgendwie zu Ende. Aber wo ist der Tempel? Zurück. Links. Rechts. Ich muss nachfragen, um wieder auf kurs zu kommen.

Am silberner Pavillion (銀閣寺) bleiben mir 30 Minuten. Schnelldurchlauf. Sicherlich dme Ort, seiner Schönheit und seiner Bedeutung nicht angemessen. Es fängt an zu dämmern. Die Belichtungszeit geht rauf. Den Sandkegel gibt es immer noch.

Als einer der letzten Gäste verlasse ich den Ginkaku. Es ist fast dunkel. Der Rückweg führt mich zunächst zurück zum Heian Schrein. Von hier folge ich dem Fluss Shirakawa (白川). Eigentlich eine idyllische Straße beidseitig des Flusses. Schade, dass ich kein Resto finde. Hunger hätte ich.

Ich folge weiter dem Fluss. Die Straße im zweiten Teil ist nicht mehr so schön, aber endet nahe der Pontocho (). Plan B für ein Abendessen. Ich wähle ein beliebiges Izakaya. Ein Ort eher am unteren Ende der „sieht ganz gut aus“-Skala. Aber so sind Izakayas. Keine Optik aber alkoholische Getränke und (für japanische Verhältnisse) deftiges Essen. Mal sehen, was mich hier erwartet.

Jetzt bin ich in der Stimmung, das Seven & Seven zu suchen. Ob es das noch gibt? Ob es den alten Barkeeper/Besitzer noch gibt?

Jaaa. Nach etlichen Kurven und Haken finde ich es. Ich hatte vergessen, dass es noch hinter der nächsten großen Querstraße liegt. Zum Glück habe ich den Ausdruck von google maps mitgenommen.

Ich betrete den Laden. Genauso, wie ich ihn in Erinnerung habe. Der Barkeeper ist auch noch da. 10 Jahre älter. Er muss jetzt Ende 60 sein. Mindestens. Irritierte Blicke in meine Richtung. Dies ist sicherlich kein Ort, an den es Touristen verschlägt. Ich setze mich an den Tresen und bestelle einen Whisky.

Es gibt neue Bierdeckel. Ich erwähne, dass ich vor 10 Jahren hier war. Ungläubige Blicke. Als ich dann den alten Bierdeckel beschreibe (rün, die beiden Siebenen von 7and7  formen ein Martiniglas), werden die Blicke noch ungläubiger.  Jetzt aber, weil es stimmt, ich das alte Design kenne bzw. mich daran erinnere. Die Grundlage für Gespräche ist gelegt. Allerdings bin ich der einzige, der das alte Design dem Neuen bevorzuge.

Die drohende Sperrstunde beendet den Abend. Ich muss zurück ins Ryokan. Im Laufschritt. Ich will nichts riskieren.


Kanji-Liste der heutigen Sehenswürdigkeiten:
  • 東本願時 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 渉成園 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 三十三間堂 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 智積院会館 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 山口稲荷神社 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 清水寺 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 高台寺 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 東山 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 知音院 = abc … wikipedia … japan-guide
  • 哲学の道 = Der Weg des Philosophen … wikipedia … japan-guide
  • 銀閣寺 = Tempel des silbernen Pavillion … wikipedia … japan-guide
  • 白川 = weißer Fluss … wikipedia … japan-guide
  • 先斗町 = phonetisch aus dem Portugisischen: Brücken-Straße