Nokogiriyama (Top Gear)

Die Aqau-Line wurde in vielen Cyper-Punk-Animes der frühen 1990er vorweggenommen (z.B. Bubblegum Crisis). Eine Fahrt steht daher seit 2014 auf meiner ToDo-Liste. Die Idee für Nikogiriyama stammt aus Top Gear. Das Rennen in der Folge führt quer durch Japan und Tokyo hinauf zum großen Buddha von Nokogiriyama. Jeffa fährt mit einem Auto über die besagte Aqua-Linie. Captain Slow und der Hamster nehmen die Fähre, die ich für die Rückfahrt einplane.

Einzig das Wetter macht mir Sorgen. Es ist ein schwerer Sturm angekündigt. Das Ganze könnte mir einen Strich durch den Tagesplan machen. (Spoiler: Ich soll Recht behalten.)

Die Reise beginnt mit dem Shinkansen nach Kawasaki. Dort suche ich den Aqua-Line-Bus. Ich habe keine Ahnung, ob ich richtig stehe, und ob ich die Fahrkarte im Bus kaufen kann. Optimismus siegt. Nach einer Fahrt durch das Industriegebiet kommt der Tunnel. Es geht minutenlang bergab, dann minutenlang bergauf; 9,5km Tunnel (3x der Elbtunnel). Das ist echt lang. Dann Licht am Ende des Tunnels und die küstliche Insel.

Wetter zum Ersten: Auf der Insel ist es sehr windig: 8 (die Anzeige zeigt 72 km/h), in Böen sicher bis 10. An den Einsatz des Zoomobjektives ist nicht zu denken. Die Fernsicht ist schlecht. Die Küstenlinie von Tokyo (und Yokohama) ist kaum auszumachen. Aber alles ist da: Landmark Tower, Gate Bridge, Sky Tree.

Mit dem Bus geht es dann über die 4,4 km lange Brücke auf die andere Seite der Tokyobucht. Der Zug bringt mich und meine zuvor gekaufte Bentobox nach Humma-Kavula … ich meine Hama-Kanaya. An der Hauptstraßem auf dem Weg zur Seilbahn, steht ein sehr kleiner japanischer Micro-Transporter. Hier gibt es frisch gemahlenen, handaufgebrühten Kaffee. Man kann sogar die Bohnen und die Röstung wählen. Vom Barista erfahre ich …

Wetter zum Zweiten: Wegen des Windes fährt die Seilbahn zum Tempel nicht. Die 330 Höhenmeter zum Nihon-ji müssen in Form von japanischen Stufen überwunden werden. Lustig ist was anderes. Oben angekommen begrüßt mich das Steinrelief der Hyaku Shaku Kannon. Was für ein Anblick.

Danach geht es durch die Anlage. Es gibt eine Wegstrecke mit hunderten kleinen Statuen. Der Ausichtspunkt bietet einen Blick auf das Dorf, wo ich gestartet bin und die See (Tokyo Bucht).

Beim Versuch einen noch höheren Standort zu erreichen rutsche ich weg. Ich kann zwar mich und meine Kamera retten, aber der lange rettende Schritt zerlegt einen Teil meiner Hose. Da werden auch Nadel und Faden nich helfen. Beim Pförtner bekomme ich etwas Klebeband für Battle Damage Repair. Aber ab morgen kommt die Backup-Hose zum Einsatz.

Letzter Stop ist die Buddhastatue. Ebenfalls in den Stein gehauen und mit 31m Höhe sehr beeindruckend. Für den Rückweg nehme ich einen anderen Weg … mehrere Gründe. Und so geht es bergab, an ein paar Tempelgebäuden vorbei, an Wiesen und Feldern, ein paar Häusern, bis ich am Bahnhof Hota ankomme.

Wetter zum Dritten: Aufgrund des Sturms ist der Fährbetrieb eingestellt. Zum Glück sagt mir der Taxifahrer das, bevor er mich zum Hafen fährt. Mein Rückweg fällt aus. Was für ein Dämpfer. All die Planung und jetzt muss ich den langen Weg mit dem Zug nehmen. Proviant habe ich auch nicht. Das wird langweilig. Und dann hat der Zug auch noch wetterbedingt Verspätung. Zum Glück ist es der Ltd. Express. Aber es ist ein langer Weg um die Ganze Tokyo Bucht herum.

Der Plan für den Abend wird korrgiert, da ich nicht von Süden nach Tokyo komme sondern über die Chuo-Achse über Chiba, Funabashi und Ichikawa. Ich fahre gleich weiter nach Shinjuku (ich finde endlich das Auge) für einen trip down memory lane (Omoide Yokocho). Leider ist die Straße wie von zwei Jahren durch ausländische Touristen überrant. Fasst jedes Izakaya hat daher Regeln an der Tür angenagelt.

Das nervt. Ja, es gibt eine Cover Charge. Ja, wer sich hinsetzt muss was zu essen bestellen. Ich kürze das ab, indem ich einen Highball auf Japanisch bestelle; mein neues Rezept, um mich vom unwissendendes Touristenmob zu unterscheiden. Es klappt. Die  Belehrung endet, ich bekomme einen Sitz Abendessen und meinen Highball.

Um 20 Uhr verlege ich in die Science Bar ICUBATOR und schnappe  mir gleich einen Laborkittel. Ich werde wiedererkannt, als ich meinen DNA bestelle. Weitere Drinks folgen. Was für ein gemütlicher Ausklang dieses Tages. Ach ja, es gibt zwei neue Monitore: Home Science Experimente und akutell laufende Cyberangriffe. Cool.

Ende ist dieses Jahr rechtzeitig, bevor der letzte Zug weg ist. Ich fahre auch über Akebonobashi anstatt Yotsuyasanchome. Das wirft mich südlich von Akihabara raus. Alternativ zum Anschlusszug entscheide ich mich für einen nächtlichen Spaziergang.

Fazit: Nokogiriyama ist eine Reise wert, ob nun via Aqualine, bei Boot oder bei Zug.

Kichijoji und 7 Glückgötter

Die 7 Glücksgötter von Nihonbashi sind bei weitem nicht die einzige Pilgerstrecke dieser Art in Tokyo. Eine weitere existiert im Nordosten zwischen den Flüssen Arakawa und Sumidagawa. Von Yushima (C-13) aus geht es nach Norden, nach Kita-Senju (C-18). So weit nach Norden bin ich mit der Chiyoda noch nie gefahren.

Eine Unterführung mit getrennter Fahrradspur bringt mich an den Einfang einer kleinen, typisch japanisches Einkaufsstraße. Die Straße endet am Rand von Yanigahara, einem altem Wohngebiet mit sehr schmalen Straßen und kleinen Häusern. Es gibt sogar ein altes Sento. Kaum zu glauben, dass das hier Zentraltokyo ist, nur ein paar Stationen entfernt vom Skytree und Akihabara.

Minuten später stehe ich am Arakawa und überlege wie ich von hier nach Sumda komme. Entweder  ist die Bundestraße im Weg, oder die Skytree-Line, oder die Keisei-Main-Line. Ich kann den Startpunkt der Pilgerstrecke, den Bahnhof Horikiri schon sehen. Aber ich muss einige Haken schlagen und Umwege laufen, bevor ich endlich am Bahnhof stehe. Dabei finde ich das wohl schmalste Haus in Japan (siehe Foto).

Die Pilgerstrecke, die dann folgt, ist lang und wenig spannend. Gut, ohne wirklich gute Karte ist es auch ein wenig Schnitzeljagd, aber irgendetwas fehlt. Es ist schwer in Worte zu fassen. Nihonbashi hat die kleinen Schreine als Ziel. Yanigahara vorhin hatte diese kleinen Straßen und Gassen. Hier? Nichts. Graues Wohngebiet ohne Charakter. Sorry. Skip it.

Das Ende der Strecke wartet der Kofuku-ji. Ja, das ist endlich wieder ein Fotomotiv. Von hier nach Asakusa ist es auch nicht mehr weit (relativ gesehen).

Es folgt ein Zwischenstop in Akihabara mit zwei wichtigen Zielen. Das erste ist der Inari-Shrein, der zwischen die Hochhäusern steht. Die Straße dorthin ist eher ein Spalt zwischen den Hauswänden, gerade so breit wie meine Schultern. Das Erlebnis ist, wie es Only in Japan beschreibt (Link folgt). Der zweite Stop ist die Microbrauerei am stillgelegte Manseibashi-Eki der Chuo-Line: Hachinohe. Das Bier kann man sogar in Deutschland kaufen, aber nicht die Sorten, die ich jetzt verkoste.

Dann geht es weiter nach Kichijoji, auch wenn das mit der beendeten Kirschblüte witzlos ist. Man war da und ich habe ein Frankfurter Würstchen beim „König“ gegessen. 800yen (6€) für eine Flasche Jever, Becks oder Köstritzer ist mir dann aber zu viel.

Es folgt ein kurzer Abstecher nach Gibli. Bis ich das Schild las wusste nicht, dass das Museum hier ist. Ohne Reservierung Tage im Voraus bekommt man keinen Eintritt. Von außen wirkt es etwas „in die Jahre gekommen“ und so ein großer Gibli-Fan bin ich nun auch nicht.

Dann geht es zurück nach Nakano. Der „Broadway“ ist ein etwas in die Jahre gekommenes Einkaufszentrum. Es ist ein Mekka für Animefans der ersten Stunde. Ich laufe etwas durch die Korridore und finde auch ein paar interessante Dinge. Darunter eine Original Japan Rail Taschenuhr. Aber ich halte das Geld zusammen, da ich am Sonntag nach Jotaro Saito will.

Zum Abendessen stoppe ich in einem nahegelegenem Izakakaya für Yokitori und ein Hoppy. Danach geht es in die Priesterbar „Vows“, sie ist der eigentliche Grund für die Fahrt nach Nakano. Die Bar wird von einem waschechten Mönch betrieben. Sein Ansatz lässt sich wie folgt zusammenfassen: Leute mit Kummer und Sorgen gehen in die Kneipe, um selbige zu ertränken. Also ist das der ideale Ort, um die Lehren Buddhas zu vermitteln. Ich  bleibe fast zwei Stunden und nippe an verschiedenen Cocktails.

Für das Nachtprogramm geht es zurück nach Kichijoji, in die Harmonica Yokocho. Wie bei Omoido Yokocho meint dies extrem kleine Gassen mit dutzenden extrem kleinen Kneipen. Mein Barhopping umfasst drei Orte, darunter das Hamaniko (Tipp von NHK).

Ich bin der achte Gast und stehe schon in zweiter Reihe. so klein ist die Bar. Das Fleisch ist ein Gedicht. Man bekommt veschiedene Cuts, die man dann selber grillt.

Um 22:30 Uhr ist Feierabend, da ich den Rückweg bedenken muss. Bis eben war das Wetter relativ gut. Allerdings war es extrem windig und böig. Jetzt fängt es auch noch an zu nieseln. Zum Glück ist der Bahnhof nicht weit. Ich erwische auf die Sekunde genau einen Rapid nach Ochanomizu. Dort ist der Nieselregen stärker. Schnell zum Hotel. Draußen regnet es jetzt in Strömen. Damit dürften auch die letzten Kirschblüten weg sein. Und der Wetterbericht für morgen (Nokogiriyama) verkündet nichts Gutes; Sturmwarnung.

Fazit: Die Vows Bar ist mehr als eine Bar. Ich war dort aus Neugier und weil ich die Idee gut fand. Aber zurück im Hotel denke ich wirklich über die buddhistische Ideen nach und über den Ansatz, die Lehren in die Bar zu bringen, statt Barbesucher in den Tempel zu locken.

Museen

Heute steht der Koto-Ward auf dem Plan. Er liegt wie der Sumida-Ward (morgen) zwischen den Flüssen Arakawa und Sumidagawa. Der Bezirk ist durchzogen von Kanälen aus der Edozeit. Die Erlebnisse der Reise beginnen beim Umsteigen in Akihabara. Zum einen habe ich die Treppen zwischen den Pattformen immer noch nicht verstanden. Und dann stolpere ich über eine Milchbar: Ein Kiosk am Bahnsteig, der nur Milch verkauft. Ich verpasse drei Züge. Was für eine coole Idee.

Ich steige in Kinchicho aus und gehe etwas zurück zum Oyokokawa. Der Nordteil des Kanals reichts hoch bis zum SkyTree und wurde komplett nach unterirdisch verlegt. Oberirdisch ist es jetzt ein Park; eine grüne Linie quer durch das Häusermeer.

Südlich ist ein Stück Park und dann kommt der Kanal zum Vorschein. Links und rechts Kirschbäume. Leider, Leider ist die Kirschblüte komplett vorbei. Es wäre ein bombastischer Anblick gewesen und der Kanal landet damit auf meiner Geheimtip-Liste. Ich laufe immer weiter nach Süden. Immer noch Kirschbäume.

Unten am Kiba-Park kreuzt ein anderer Kanal. Hier biege ich nach Westen ab, da ich glaube, dass dies der Kanal von der Bootstour ist. Ist er nicht und mit Blick auf die Uhr versuche ich die nächste U-Bahnstation zu finden. Es ist Kiyosumi (siehe 2014). Zwei Stationen später bin ich in Ryogoku, dem Empizentrum des Sumo.

Erster Stopp wird Edo Noren direkt im Bahnhof. Eine nette Idee: Ein Sumodoyo in der Mitte, drum herum Restaurants für Chanko und Sushi Edo-style, sowie ein Sakeya mit Automaten, wo man sich durch knapp 30 Sakesorten probieren kann.

Ich stelle fest, dass ich sowohl die sehr trockenen als auch die süßen mag. Bezahlt wird pro Becher (Inhalt ist etwa 20ml). Das könnte schnell ins Geld gehen. Allerdings hat Sake einen Alkoholgehalt von kräftigem Rotwein. Und bei dieser Größe kann man 8-10 Sake probieren, bevor man das Äquivalent eines Glas Rotweins intus hat. Vorteil dieser Sakeprobierstation ist, dass man den Sake auf verschiedene Temperaturen hochheizen kann. Und ja, das macht den Unterschied. Bei verschiedenen Temperaturen schmeckt der gleiche Sake komplett anders. Ich mache Notizen über Notizen.

Die Suche nach den Heya der Sumokämpfer ist es etwas ernüchternd. Gedanklich erwartet man alte Gebäude mit einer großen Holztafel an der Tür. In Realität sind es eher unauffällige, teilweise sogar hässliche Betongebäude. Und ohne gebuchte Tour kann man eh nichts sehen. Also gleich weiter zum ersten kulinarischen Highlight des Tages: Chankonabe, das Essen der Sumotori. Im Prinzip ist es ein sehr gehaltvoller Eintopf mit Kohl und Fleisch, von dem selbst eine kleine Portion sättigt. Obendrein schmeckt es.

Nach dem Essen geht es zum Hokusai-Museum. Das Gebäude selbst ist ein Kunstwerk für sich. Innen hängen diverse Ukiyo-e Werke. Es ist schwer von Originalen zu reden, da Ukiyo-e eine Drucktechnik ist. Aber ich wollte schon immer einen Originaldruck der großen Welle von Kanagawa sehen.

Nächster Stop  ist des Edo-Museum; dieser futuristische Bau. Die Austellungshalle ist einfach riesig. Man kann Stunden hier verbringen. Innen steht sogar die Hälfte einer 1:1-Rekonstruktion der Nihonbashi (eine kleinere Version steht am Flughafen Haneda).

Nach so viel Museum und Kultur an einem Tag wird es Zeit für Ginza. Zuvor stoppe ich aber (mal wieder) an Tokyo Eki. Dieses Mal gibt es keine meterlange Warteschlange am JRP-Pass. Geduld ist alles, und natürlich die paar Tage Reserve, bevor man den JRP braucht.

Mein Ziel ist die neue Shoppping-Mall Ginza 6. Hier hat der Designer Jotaro Saito einen Verkaufssalon. Die Kimonos sind echt der Hammer, aber der Preis ist etwas oberhalb meiner Liga. Eine komplette Ausstattung mit Obi, Geta und allem drum und dran kostet locker 4000€. Hm. Fürs erste belasse ich es wohl bei einem Parfait (Foto) und etwas Champagner … dies ist schließlich Ginza.

Mit Zwischenstopp am Hotel (Stativ holen) geht es ein letztes Mal in den Ueno Park, um die Reste der Kirschblüte zu fotografieren. Haken dran. erledigt. Ich springe in die Yamanote und fahre nach Kanda.

Kommen wir zum zweiten kulinarischen Highlight des Tages: Ein Indoor-Yatai. Es ist wie ein Yatai, halt ohne Räder und dafür im 4. Stock. Fast. Etwas vom Yatai-Feeling geht verloren. Dennoch. Da es keinen Yatai in freier Wildbahn in Tokyo mehr gibt, ist dies so dicht wie irgendwie mäglich am Original.

Am Nachbaryatai sitzt eine Gruppe Japanerinnen inkl. dem Großvater einer der Damen. Ich komme schnell ins Gespräch und sitze schnell zusammen mit ihnen zusammen. Das ist Yatai. Das ist das was ich aus Fukuoka kenne. Small Talk beim Feierabendbier (bei mir ist es ein Hopy).

Fazit: Ich bin wirklich ein Fan von Yatai, Oden und Dashiwari UND Hoppy ist neben HiBall mein Favorit für einen erfrischenden Drink.

Bootsfahrten

Der heutige Tag wird etwas eklektisch. Das passiert wenn man die Basics durch hat und versucht die Reste von der Liste in einen Plan zusammenzukitten: Nihonbashi, Bootsfahrt, Noh-Theater, Olympia-Stadion für 2020 und noch eine Bootstour; eine Mischung aus hoher Kultur, Sightseeing und reinem Vergnügen.

Die Glücksgotter von Nihonbashi habe ich nur als Rahmenprogramm eingeschoben. Besucht habe ich sie schon 2004 und 2010. Spannender wird, ob ich endlich ein Foto der Nihonbashi (ohne Bauzaun) hinkriege. Ich steige Nihonbashi aus. Zwei, drei Kurven und ich bin an der Brücke. Endlich ein Foto.

Bis zum Ablegen des Bootes habe ich eine Stunde. Zeit für ein Glücksgötter. Ich schaffe drei Schreine, obwohl ich ganz zum Anfang einen fatalen Fehler mache und an der erster (!) Kreuzung falsch abbiege. Ich laufe bestimmt 300m in die flasche Richtung. Ich rette die Aktion, indem ich die Reihenfolge der Schreine einfach drehe. Glück gehabt.

Ich bin überpünktlich am Ableger. Er ist direkt an der Nihonbashi. Das Boot hatte ich schon beim letzten Mal gesehen, als ich versucht habe, die Brücke zu fotografieren. Von NHK kam der Hinweis auf die Cherry Blosom Tour. Gut, die Kirschblüte ist vorbei, aber Tokyo vom Wasser aus ist was Neues. Die anderen Fahrgäste treffen ein, darunter ein Japaner dessen Outfit ich als flamboyant bezeichnen würde. Aber er hat Stil, das muss man zugeben.

Das Boot legt ab. Unter dem Expressway entlang geht es zum Sumidagawa. Irgendwann biegen wir in den Oyoko River ein. Es ist einer der Kanäle, der den Kotobezirk durchzieht. Links und rechts am Ufer stehen Kirschbäume, deren Äste bis runter ans Wasser reichen. Vor einer Woche muss das ein ungaublicher Anblick gewesen sein. Jetzt bleibt einem nur, die Fahrt zu genießen. Das hat auch was. Und es gibt noch eine Überraschung, da der Chef selber fährt. Bei der Durchfahrt unter der Brücke stimmt er einen altes japanisches Lied an. Es war ein Erkennungszeichen unter den alten Schiffern. Und der Chef kann wirklich gut singen.

Nach der Bootsfahrt klappere ich schnell noch die verbleibenden Glücksgötter ab und begeben mich dann nach Sendagaya. Gleich um die Ecke liegt das Noh-Theater, wo ich um 13 Uhr eintreffe. Exakt zum Beginn der Vorstellung. Noch mehr Glück habe ich, da ich die letzte Karte erwerbe. Mit mir ist die Veranstaltung ausverkauft.

Noh ist merkwürdig. Alles ist sehr formal und ritualisiert. Teilweise übernimmt ein 8-Mann-Chor, der auf der Bühne sitzt, das Sprechen der Figuren. Dazu Musik die weniger System hat als Freejazz. Aber es eine Erfahrung, die man gemacht haben muss.

Ich verlege zwei Stationen nach Yotsuya, aber der Aoyma-Palast ist heute wegen einer offiziellen Veranstaltung gesperrt. Das ist ärgerlich. Statt mit U-Bahn gehe ich zu Fuß nach Shinanomachi. Der Weg ist länger als ich dachte. Aber auf dieser Strecke kreuze ich den Aoyama mit ein paar Kirschbäumen in voller Blüte. Glück. Hinter dem Park ist die Baustelle des neuen Olympiastadions. Und sie ist riesig. Nur ein paar Meter weiter stehen die Anlage von 1954. Kein Vergleich. Gerade zu mickrig.

Ich laufe etwas um die Baustelle herum. Hier ist eine Station der Oedo-Linie. Auf der anderen Seite steht das Ufo von 1954. Damit bin ich zurück an der Station Setagaya. Auf dem Weg zum Noh habe ich also das neue Olympiastation wörtlich übersehen, als ich das Ufo fotografiert habe.

Nach einem kurzer Stopp im Hotel geht es nach Asakusa, zum Sumidagawa. Die Station Asakusa wurde in den letzten Jahren renoviert. Der neue Bahnsteig sieht super aus. Dahinter folgt aber der gleiche uralte Korridor mit Kneipen und ohne Deckenverkleidung wie zuvor. Allerdings ist die Ninja-Bar neu. Die Wände sind dekoriert mit hunderten von Sakegläsern, also die Kaufversion mit 180ml Sake. Ich muss hier kurz stoppen.

Hier folgt die zweite Bootsfahrt des heutigen Tages. Geplant war eine Fahrt einlang des Sumida, um die Kirschblüte am Ufer zu betrachten. Ohne Kirschblüte wird es eine einfache Bootsfahrt mit Musikprogramm. Der Blick auf den Skytree ist aber auch ohne Kirschblüte einmalig genial.

Nach einer Stunde sind wir wieder am Anleger und ich laufe noch etwas durch den Park. In Japan beginnt das Schuljahr im April. Und auch der Arbeitsbeginn nach Schulabschluss ist jetzt im April. Und so sitzen neue Arbeitskollegen und neue Kommilitonen jetzt unter den Kirschbäumen und feiern den neuen Lebensabschnitt. (Schüler fehlen, da das Alter für Alkoholkonsum in Japan bei 20 liegt.)

Auf dem Rückweg bleibe ich in der Ninja-Sake-Bar hängen, inklusive etwas Cosplay. Und ja, es folgen ein paar von diesen Sake-Gläsern.  Die Auswahl ist einfach zu groß. Ich nehme die vorletzte U-Bahnen der Ginza-Linie. Die fährt aber nur bis Ueno. Gut, damit kann ich leben.

Reste der Kirschblüte

Auf meinem Plan für heute steht „Kirschblüte“. Leider habe ich bereits gestern bestätigt, dass nur noch ein paar Bäume einer spätblühenden Sorte Blüten tragen. Ich habe keine Ahnung, wie ich die Situation retten kann. Also gehe ich einfach mal, wie geplant, in den Ueno Park. Bei Tageslicht wird klar, dass villeicht noch 5 Bäume in Blüte sind.

Ich gehe daher zum Ueno Toshogu Schrein. In 14 Jahren habe ich es nicht geschafft ihn zu fotografieren. Zuletzt war er eine Baustelle. Ich muss allerdings warten. Das Tor öffnet erst um 9 Uhr. Ich schlendere daher ein wenig umher und sehe wie sich gleich nebenan eine Warteschlange formt. Es ist der Eingang zum Zoo. Stars sind zwei Pandajungen. Das Tor öffnet. Goldene Tore und farbige Schnitzereien erwarten mich. Das Warten hat sich gelohnt.

Nach einem weiteren Rundgang durch Uenopark, währenddessen sich die Schlange auf bestimmt 500 Leute erweitert hat, verlege ich zum Ueno Eki und von dort zum Tokyo Eki. Plan war, den JRP abzuholen, aber die Warteschlangen sind der Wahnsinn. Wartezeit ist bestimmt eine Stunde. Ich ziehe daher weiter zum Vorplatz, der endlich fertig ist und wirklich würdig aussieht. Auf dem Weg zur Steinbrücke des Palastes stolpere ich über eine Reihe von Kirschbäumen in voller, maximaler Blüte. An der Steinbrücke hingegen nichts.

Ich quere den Palastgarten, nutze ihn aber mehr als Abkürzung. Anstelle geradeaus zum Budokan gehe nach links in Richtung Expresswayauffahrt. Chidorigafuchi. Hier war ich noch nie. Und es war definitiv einer der Hanami-Spots in Tokyo. Der „Greenway“ führt am Wasser entlang zum Yasukuni-Schrein. Diesen wollte ich eigentlich auch als Abkürzung nutzen. Hat aber nicht geklappt. Ich muss doch den langen Weg laufen.

Ich gehe am Kandariver entlang in Richtung Iidabashi. Unter mir ist die Chuo-Main-Line; mehrfach benutzt aber noch nie aus dieser Perspektive gesehen. Unten an der Straße ist die Hosei University. Dort laufen gerade Veranstaltungen zum Semesterbeginn. Hunderte junge Japaner(innen) in ihren besten Klamotten und in Begleitung ihrer Eltern säumen die Straße. Am Iidabashi Eki stoppe ich erst einmal für eine große Schüssel Ramen.

Nach dem Mittagessen gehe ich zum Tokyo Daijingu. Den habe ich bisher auch noch nie besucht. Der Schrein  hat ein einfaches Design, dass an Ise und den Atsuta-Jingu in Nagoya erinnert.

Auch der nächste Stop wird einer, wo ich bisher noch nie war: Toranomon; auf halber Strecke zwischen Tokyo Tower und Südspitze des Kaiserpalastes. Dieser Stadtteil hat sich stark gewandelt, er wurde im Rahmen von Tokyo 2020 neu gestaltet.  Und hier gibt es das Japan Sake and Shochu Information Center mit  einer Menge Informationen und Tastingmöglichkeit. Hier probiere ich 17 Jahre im Holzfass gereiften Sake. Er ist dunkelbernsteinfarben, wie alter Sherry. Und er schmeckt wie Sherry mit einer leichten Sakenote.

2 Kreuzungen südwärts ist der Toranomon Hill Mori Tower. Ja, es gibt einen zweiten Mori Tower neben Roppongi Hill. Er ist wesentlich kleiner und unscheinbarer, hat aber ein bekanntes Maskotchen: einen weißen Doraemon (für Original fähre ich in zwei Wochen Nach Takaoka).

Der Atagoschrein ist gleich um die Ecke. Und auch hier war ich noch nie. Die Treppe überbrückt 26m Höhenmeter und steht für Erfolg im Leben. Natürlich gehe ich sie hinauf statt den Fahrstuhl zu nehmen.

Über Shimbashi geht es zurück zum Hotel, das Stativ holen und dann sofort weiter nach Naka-Meguro. Es ist einer der Hanami-Spots in Tokyo. Aufgrund der Fotos im Netz habe ich ihn für das Abendprogramm gewählt. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen finde ich den Fluss.

Hier sind noch Blütenblätter am Baum, vermutlich, weil die Bäume relativ windgeschützt stehen. Warum auch immer, mit der Beleuchtung von unten sieht es bombastisch aus. Volle Blüte muss Mindblowing sein. Es gibt Futter und Getränkestände. Ich finde einen Stand von einer lokalen kleinen Sakebrauerei. Bei einem Glas komme ich schnell ins Gespräch. Ich erfahre auch, dass um 21 Uhr das Licht ausgeht. Dann ist Feierabend. So ist Tokyo. Morgen ist ein Arbeitstag. Für mich heißt dies. Ich habe noch 20 Minuten. Also wird weiter fotografiert.

Der Tip für Nakameguro kam von NHK, wie auch der Tip für mein Abendessen. Entlang der Tokyu-Toyoko-Linie, genauer gesagt unter der Bahnlinie, reichen sich Restaurants und Izakaya. Ein Mekka für Nachtschwärmer. Ich suche das Nodoguroya Kakiemon. Hier gibt es Sake und Austern.

Ich probiere erst eine gegrillte Auster, dann eine frittierte, usw. Am Ende des Tages habe ich 5 Austern gegessen. Das sind in 2 Stunden mehr als doppelt so viele Austern wie in den 41 Jahren zuvor. Und meine Herren waren die Austern lecker. Von den rohen werde ich weiterhin die Finger lassen, aber die gebratenen hier in Tokyo sind genial. Um 23 Uhr muss ich langsam an die Rückreise denken.