Nagahama Matsuri (Teil 1)

Heute geht es zunächst nach Nagahama (einer derTop-Kirschblüten-Spots in Japan). Es gibt eine kleine Altstadt. Etwas abseits liegt die Burg mit dem Park, nahe zum Ufer des Biwa-ko.

Die Anreise ist durch meine etwas ungünstige Hotelwahl mit einem kleinen Umweg verbunden. Zunächst geht es mit dem Local nach Kyoto. Hier kann ich entweden in den Shinkansen steigen und dann in Maibara erneut. Nur um dort in den Zug zu steigen, den ich auch hier ind jetzt in Kyoto nehmen könnte. Shinkansen. Weil ich es kann.

In Nagahama scheint alles seien gewohnten Takt zu gehen. Der große Tag, das Finale des Festivals, ist noch drei Tage entfernt. Allerdings wird das Matsuri am Bahnhof auf allen Werbebildschirmen angekündigt und man kann überall das Programm erhalten. Gegenüber meiner Version hat sich der Ablaufplan etwas geändert, was mir mehr Zeit für Sightseeing bietet.

Ich starten mit der abseits liegenden Burg. Dabei komme ich am Keiunkan vorbei. Da hier gerade eine Hochzeitsgesellschaft Fotos macht, reduzieren ich meine Fototour auf wenige Bilder und versuche nicht ins Bild zu laufen. Dann eile ich weiter zu Burg. Sie liegt am Ufer das Lake Biwa. Wow, endlich stehe ich am Lake Biwa. Das klingt nicht besonders, aber ein Ausflug an den Lake Biwa war schon 2004 auf meiner Liste, wurde dann aber gestrichen. Hat etwas von Urlaub am Meer, aber ohne das Salz in der Luft.

Die Burg selbst ist mittelmaß; sprich: wenn man da ist, kann man sie besuchen (Blick über den See), muss aber nicht dafür nach Nagahama fahren. Die Kirschblüte ist auch vorbei. War also richtig, dass ich vorgestern Hikone ausgelassen habe. Mit ein paar Umwegen geht es in die Altstadt. Es gibt zwei nette Straßezüge mit alten Häsuern. Vielleicht liegt es auch an der Atmosphäre von Nagahama: Heute ist Urlaub.

Ich wandere durch die überachte Schoppingstraße. Hm. Ein Sushirestaurant. Leider ist es gerade geschlossen. Ich habe noch ein paar Minuten, das reicht für einen kurzen Besuch im Museum. Hier stehen einige der Festwagen, die morgen in der Straße stehen werden. Das Museum erinnert mich etwas an Takayama 2006. Damals hatte es 2 Jahre gedauert, bis ich die Wagen in Aktion gesehen habe.

Vom Matsuri ist nicht zu sehen. Heute hierher zu fahren war also ein Planungsfehler. Naja nicht ganz. Ich finde zumindest die Orte, wo die Kinder trainieren. Heute ist quasi Generalprobe und man darf auch als Fremder zuschauen. Mein limitiertes Japanisch macht die Sache etwas kompliziert, aber ich bin drin.

Ich bin der einzige, der nicht aus Nagahama ist, der einzige Ausländer und mit Abstand der jüngste Zuschauer. Der Rest der Anwesenden scheinen die Großeltern der Kinder zu sein. Die Kinder spielen das ganze Stück. Es geht fast 30 Minuten. Wow. Das ist eine Menge Text. Ich bin beeindruckt und kann es kaum erwarten, die Kinder in vollem Kabukikostüm auf der Bühne des Festwagens zu sehen.

Jetzt muss ich aber laufen. Mein Zug fährt in wenigen Minuten. Der Start der Generalprobe hatte sich um 20 Minuten verschoben. Jetzt ist es passiert. Ich eile zum Bahnhof, erreiche ihn gestresst 2 Minuten vor Abfahrt des Zuges, und jetzt hat das Ding tatsächlich 7 Minuten Verspätung. Damit habe ich nicht gerechnet. Aber ein Telefonat am Bahnhof versichert, dass ich den Anschlusszug in Omi-Oshimitsu erreichen werden. Und tatsächlich steht er am gleichen Bahnsteig und wartet auf uns.

Ach ja, ich fahre auf der Nordroute. Nach Ogotoonsen ist es egal, ob ich am Südufer oder am Nordufer entlang fahre. Also nehme ich die Nordroute, dann kann ich zumindest von mir behaupten, dass ich den Lake Biwa umrundet habe. Außerdem finde ich es cool, mal von der anderen Seite nach Ogotoonsen einzufahren.

Uji und Suntory

Zum ersten und bisher letzten Mal war ich 2006 in Uji. Auf meinem 30. Geburtstag. Man wie die Zeit vergangen ist. Damals habe ich die beiden Tempel, die etwas abseits liegen ausgelassen. Ich wenn ich die Bilder im Internet richtig sehe, haben sie den Byodo-in etwas renoviert. Eigentlich war für heute Iga-Ueda geplant, aber das musste wegen der Hotelwahl ausfallen.

Mit dem Zug geht es noch Kyoto. In Otsu merkt man gar nicht, dass Kyoto nur ein paar Stationen entfernt ist, gleich hinter der Bergekette die Kyotobesucher als Higashiyama kennen. Der Zug nach Uji ist schnell gefunden. In Obuko steige ich schon wieder aus. Hier steht der Mampuku-ji. Der Tempel ist größer und bietet mit großen Hallen und Korridoren viele Motive. Eine Schande, dass ich ihn 2006 ausgelassen habe.

Mit dem Zug, jetzt ist es nicht JR, geht es zwei Stationen bis Keihan-Uji. Sie liegt auf der Nordseite des Flusses und damit sogar dichter am Byodo-in als JR-Uji. Der Byodo-in (Phoenix temple, auf der 10 yen Münze) ist auch mein nächster Stopp. Und er sieht wirklich renoviert aus, oder ich habe ein schlechtes Gedächtnis.

Der Weg von hier weiter ist vorgezeichnet: 13-stufige Steinpagode, Tachibanajima (derzeit eine Baustelle), Brücke, Statue zum Gedenken an die Genji Monogatari. Wie auch 2006 folgt ein Besuch des Eishin-in und des Kosho-ji. Meine Vorliebe von Moos lenkt mich. Dann geht es zum Uji-Jinja. Gleich dahinter liegt der Ujigama-Jinja; eigentlich nur, um einen neuen Satz Fotos zu machen. Dennoch der Ujigama ist einer der ältesten Schreine Japans mit einer ganz eigenen Architektur.

Von hier zum Mimuroto-ji sind es ein paar Kilometer durch Wohngebiete; hoffentlich verlaufe ich mich nicht. Es geht nach Norden, am Genji-Museum vorbei bis zur Kreuzung direkt hinter dem Fluss. Es ist ein kleiner Umweg, aber die Abkürzung ist mir zu zickzack. Lucky. An der Kreuzung gibt es ein 7eleven. Ich verdurste schon wieder. Die Temperaturen in Japan haben es in sich. Und dann verpasse ich wirklich die Abzweigung. 200m Umweg. Das geht noch.

Vom Mon am Eingang geht es bergauf. Abschluss des Anstiegs ist dann eine Treppe mit etwa 40 Stufen. Bevor ich die bezwinge biege ich kurz in den kleinen Park mit Teich ab, der zu meiner rechten liegt. Dann geht es hinauf. Oben steht ein in die Jahre gekommener Tempel. Es gibt eine Tempelglock und sogar eine 3-stöckige Pagode. Hinter dem Tempelgebäude gibt es noch einen kleinen Schrein. Und es gibt eine Hasenstatue mit zwei Löchern. Das muss ich nachlesen. Denn zum Fragen bleibt keine Zeit. Eine Horde (siehe Duden, erste Bedeutung) von Chinesen fällt in den Tempel ein. Zeit zu verschwinden.

Der Rückweg führt mich am 7 eleven vobei bis zur Hautpstraße, die an der Keihan-Uji-Station vorbeiführt. Von hier aus kenne ich den Weg. Ein schneller Stopp in einem Teeladen — man kann nicht Uji besuchen und dann ohne den berühmten Tee zurückkehren.

Mit JR geht es über Kyoto nach Yamazaki. Vom Banhhof sind es nur ein paar hundert Meter bis zur Suntory Destillerie. DER Destillerie. Hier begann die Geschichte des Whisky in Japan. Gegründet 1923 war es die erste Whiskydestillerie in Japan (ich sage extra Whiskydestillerie, da ich nicht sagen kann, ab wann Shochu in Japan hergestellt wird).

Ohne gebuchte Führung (leider waren alle Tage ausgebucht) lohnt ein Besuch nicht. Man kann im Souvenirladen Whisky kaufen und auch Whisky verkosten. Aber von der Anlage sieht man nix. In Yoichi kann man zumindest übers Gelände laufen, das Haus vom Gründer besichtigen und einige der ersten Brennblasen sehen. Hier: nix. Es folgt ein ausgiebiges Whiskytasting (siehe Anhang).

Auch dem Weg zurück zum Bahnhof finde ich einen Ort fürs Abendessen.Ich bestelle hausgemachtes Karee. Ich ich probiere den Whisky „Lucky Cat“ von Hombo. Was soll ich sagen: Der beste Whisky des Tages! Der Weg nach Suntory war ein Umweg!

Der Rückweg führt über Kyoto. Ich kaufe eine Festplatte bei Yodobashi, da ich mich beim Backupspeicher komplett verkalkuliert habe. 1TB für unter 60€. Das ist ein wahres Schnäppchen.

Und wenn ich schon in Kyoto bin, kann ich auch in der Bar Seven and Seven vorbeischauen. Der Barkeeper ist alt geworden. Nun ja, seit meinem letzten Besuch sind auch auch schon wieder 4 Jahre ins Land gegangen; und seit meinem ersten Besuch 14 Jahre. Schon damals habe ich ihn auf Ü60 geschätzt.

Für alle die das Seven&Seven besuchen habe ich ein paar Regeln, da ich nicht will, dass dieser Blogeintrag zum Nachteil für den Barkeeper wird: Seid höflich und nett. Es ist eine kleine Bar mit lokalem Publikum, in der IHR ein Fremdkörper seid. Ich will in 2 oder 4 Jahren wieder dort einkehren ohne mich für andere Touristen schämen zu müssen.


Anhang A:
Tasting. Yamazaki Destillery. Suntory. 11.04.2018

Ich habe meine Erkenntnisse bezüglich Suntory Whisky in diesem Anhang gepackt, da es nicht wirklich zum Reisebericht gehört und ich eine strikte 750-Wort-Limit-Politik (+/- 2%) betreibe.

Das Tasting erfolgt in 15ml-Batches. Das ist weniger als das typische Dram (20ml) in Deutschland. Dadurch kann man mehr verkosten … und es ist teurer. Auf dem Plan stehen Whisky, die nach nicht kaufen würde, die man in Deutschland nicht findet oder die als ganze Flasche zu teuer sind (Flachenpreis habe ich angegeben). Das Fazit muss durch ein zweites Tasting verifiziert werden. Das hier waren keine fairen Bedingungen.

  • Torys Blend (Blend, ca. 25€ in Japan) –> Ein wenig auffälliger Blend; sehr leicht; ideal für einen Highball –> Fazit: 5
  • Old Whisky (Blend, ca. 25€ in Japan)–> sehr leicht, kratzt etwas, Getreidenote, süß, entwickelt sich im Glas –> Fazit: 5+
  • Hakushu 12 Jahre (ca. 100€) –> Geruch: süß und weich; Taste: etwas weicher als Yamazaki mit ein Hauch mehr an Vanille –> Fazit: 7
  • Yamazaki 12 Jahre (ca. 100€) –> Geruch im Vgl. zum Hakushu etwas süßer; Taste: etwas Holz und Vanille; ein sehr schöner Single Malt –> Fazit: 7
  • Yamazaki 18 Jahre (ca. 300€) –> rund, w eich, süß; wesentlich mehr Volumen als der 12er; mehr Holzaromen; für einen 18er ist er kratziger als erwartet –> Fazit: 7+ bis 8
  • Hibiki 17 Jahre Sherry (Distillery Only Edition) –> deutliche Sherrynoten in Geruch und Gescmack; süß, weich, rund. gefällt mir –> Fazit: 7+
  • Hibiki 17 Jahre Smoky (Distillery Only Edition) –> Rauch; nicht überbetont aber etwas medizinisch; ganz nett aber nicht meins; im Geschmack ist der Rauch süßer; kratzt etwas –> Fazit: 7
  • Hibiki 21 Jahre (ca. 600; Blend; Best Blend 2016)  –> man riecht das Alter; weich, rund, ausgewogen; für einen 21er ist er realtiv hell; man schmeckt das Alter –> Fazit: 8

Ein weiteres Tasting gab es in der Bar:

  • Ichiro Pure Malt –> kräftiger Geruch der etwas chemisches hat; hm; weicher und süßer Geschmack; Süße ist angenehm und positiv –> Fazit: 6+ bis 7
  • Ichiro Malt & Grain –> leichter und weniger süß als der pur Malt; ist ein runder, druchschnittlicher Whisky –> Fazit: 6
  • Lucky Cat (Hombo; Blend; 39%) –> dunkle Farbe; Geruch: leicht, Süße nach Zuckerroht/Rum, Holz; Geschmack: Holzaromen dahinter die Süße; eine Offenbarung; sogar besser als der Hibiki –> Fazit: 8

Fujinomiya

Heute beginnt der Kansai/Chubu-Arc mit den Festivals. Der Weg nach Kansai wird mit dem Shinkansen zurückgelegt. Es gibt aber ein Problem. Entlang der Tokaido-Strecke habe ich alles abgehakt. Die Reise selbst ist mittlweile irgendwie Gewohnheit geworden.

Um 8 Uhr checke ich aus; Taxi nach Ueno-Station; mit der Chuo  nach Tokyo-Station; Wechsel in den Shinkansen; nicht ohne vorher ein Bento zu kaufen. Da ich mir als Zwischenstop Fujinomiya ausgesucht habe, ist die Fahrt nicht wirklich lang. Sie reicht gerade einmal, um das Bento in Ruhe zu genießen.

Bereits in Mishima steige ich um. Der Reiseführer nennt Shinfuji-Station, aber das ist mit Fußmarsch nach Fuji-Station verbunden. Ich Mishima wird auch der Koffer zwischengeparkt. Die Fahrt endet in Nishi-Fujinomiya. Von der Fußgängerbrücke aus kann ich den Fuji sehen. Seine Spitze ist noch mit Schnee bedeckt. Auf der Hälfte befinden sich Wolken. Jetzt begreift man erst wie groß der Vulkan ist. Fujinomiya dürfte so auf 500m Höhe liegen. Der Fuji ragt damit mehr als 3200m über die Umgebung empor. Sprich: Als würde die Zugspitze einsam und ohne den anderen Berge an der Nordsee stehen.

Der Sengen-Schrein mit seinem Zinnoberrot gibt eine herrlichen Kontrast zum blauen Himmel. Dazu der Fuji … irgendwo im Hintergrund. Ein gutes Foto mit Schrein und Fuji klappt nicht. Für den Fuji muss man den kleinen Garten neben dem Schrein aufsuchen. Allerdings stören auch hier die moderne Bebauung und vor allem die Stromkabel das Gesamtbild.

Gleich um die Ecke gibt es eine Sakebrauerei. Ein Besichtigung wird nicht angeboten, aber der Verkaufsraum ist in einem alten japanischen Gebäude untergebracht. Ein Blick, den man genießen muss. Die Sakepreise reichen von „Selters“ bis „Champager“.

Zurück am Bahnhof nehme ich den Bus zum Shiraito-Wasserfall. Ich steige eine Busstation zu früh aus, auch wenn der Name richtig war. Ein Blick auf die Karte am Touristeninfopunkt zeigt, dass es neben dem Shiraito-Fall einen weiteren kleineren Wasserfall gibt. Zwischen beiden liegt ein kleiner Wanderweg. Klingt nach einem Plan. Die Umsetzung des Selbigen beginnt mit Yakisoba. Und ja, es sieht aus wie auf dem Foto.

Der kleine Otodome-Wasserfall gibt nicht viel her. Der Wanderweg ist naja. Dann führt der Weg runter (Treppen) auf eine Brücke. Von hier hat man einen Blick auf den gesamten Shiraito-WasserFall. Er ist breit. Genauer gesagt sind ein Stapel vieler schmaler Wasserfälle. In Summe finde ich ihn schöner als den Waserfall draußen in Karuizawa,  der übrigens auch Shiraito-Fall heißt, der allerdings einen schöneneren See hat. Was mit nicht gelingt, ist ein Foto zusammen mit dem Fuij. Der liegt zwar genau in Fotorichtung ist aber hinter den Bäumen verstecket. Es gibt eine Siht auf den Fuji, aber dann sieht man nur noch einen Teil des Wasserfalls. Beides geht nicht.

Das Timing ist reakitv gut. Der nächste Bus kommt  bereits in ein paar Minuten und die Haltestelle ist die Treppe hinauf zur Straße. Von jetzt an wird es langweilig: lange Busfahrt zurück. Warten auf den nächten Zug. Zugfahrt nach Mishima. Es ist zu erwähnen, dass die Wolken um den Fuji herum durch die Thermik dieses warmen Tages verschwunden sind. So ganz ohne Wolken fehlt eine Referenz für die Höhe des Fuji … finde ich.

Ich sammle meinen Koffer ein und passiere das Ticket Gate zum Shinkansen. Hikone werde ich auslassen. Wenn die Kirschblüte in Tokyo vorbei ist, dann ist sie auch in Hikone vorbei. Ich fahre durch bis Kyoto und steige um in den Local nach Ogotoonsen. Es sind nur ein paar Stationen von Kyoto, der Banhstieg wirkt aber trotzdem etwas wie auf dem Land. Mit dem Taxi geht es zum Hotel.

Es ist schon spät, die Umgebung des Ryokan ist eine typsiche Ausfallstraße. Es gibt hier keine brauchbaren Restaurant oder Izakaya. Warum auch. Das Ryokan hat ein Onsen, dass ich für den Rest des Tages ausgiebig benutze.

[Hnweis: Aizu Wakamatsu erreicht die volle Blüte. Damit bin ich auch dort eine Woche zu spät. Das mit dem Timing wird langsam  ärgerlich.]

Chichibu

Der ursprüngliche Plan für Chichibu war der Besuch der gleichnamigen Destillerie. Diese hat jedoch kein Besucherzentrum und keine Führungen. Ich würde vor geschlossenen Fabriktoren stehen. Ich habe zwar eine Kontaktperson gefunden,  aber bis jetzt keine Rückmeldung bekommen. War auch etwas kurzfristig. mit der Destillerie vom Plan ist jetzt Zeit für den Mitsumine-Jinja.

Jeder Ausflug beginnt mit der Anreise. Nach Chichibu führen mehrere Wege. Ich entscheide mich für den Fahrt über Kumagaya. Die weitere Fahrt erfolgt mit der Chichibu Railway Company. Im Zug sitzt ein sehr alter Japaner (95 Jahre), der eine Bekannte besuche will. Sein English ist makellos. Er hat ein Buch bei sich, dass — soweit ich es verstehe — von einer japanischen Armeeeinheit aus dem Pazifikkrieg (WWII) handelt. Erst nach und nach fallen die Groschen bei. Der Herr war Mitglied dieser Einheit und ist Autor des Buches.

Die Zeit bis Chichibu ist schnell rum. Ich verabschiede mich und steige aus. Gleich hinter dem Bahnhof ist das Matsurimuseum, wo auch die beiden Festwagen stehen. Das Museum ist klein und fein, allerdings etwas dunkel für gute Fotos (Blitz ist nicht erwünscht). Da ich momentan der einzige Gast bin, bekomme ich eine persönliche Führung.

Kurz hinter dem Museum ist der Chichibu-Jinja. Hinter dem roten Eingangstor wartet ein Honden aus fast schwarzem Holz. Die farbigen Details in Kombination mit diesem dunklen Holz erinnern mich an Nikko und Sendai. Wow. Die Reise hierher hat sich jetzt schon gelohnt. Und nach den Bildern auf japan-guide ist das hier nichts im Vergleich zum Mitsumine. Ich bin gespannt.

Zuvor will aber der Rest von Chichibu erkundet werden und davor will muss ich den Busfahrplan kennen. Der erste Weg führt mich daher durch die Ladenstraße von Chichibu zum Bahnhof der Seibu-Bahngesellschaft. Hier ist nicht viel los. Ein verschlafener Ort. Im Banhhofsgebäude ist ein Onsen integriert. Das hebe ich mir für heute Abend auf (wenn ich Zeit übrig habe).

Ich habe den Busfahrplan, den ich im Internet über Tage verzweifelt gesucht habe. Der Bus meiner Wahl fährt im 14 Uhr, also in 2,5 Stunden. In dieser Zeit kann ich ein paar Schreine im Norden erkunden, was im Prinzip heißt: zurück zum anderen Bahnhof.

Erster Stop ist die lokale Sakebrauerei. Ein altes Gebäude, traditionelles Gebäude. Der Jorin-ji, ein sehr kleiner Tempel, der Handlungsort eines Anime ist. Ich mach‘ die Sache kurz: ich verlaufe mich mehrfach, verliere komplett die Orientierung, frage nach dem Weg und stelle fest, dass ich im großen Bogen um den Tempel herum gelaufen bin. Der Tempel selbst ist nicht die Reise wert. Gut, es war auch mehr als Spaziergang gedacht, bis der Bus kommt.

Um 14 Uhr fährt besagter Bus los und 75 Minuten später erreicht er den Parkplatz am Schrein. Die war nervig lange und jetzt habe ich nur 60 Minuten bis zur Rückfahrt. Aber sie hat sich gelohnt. Bereits untem am ersten Torii, das irgendwie chinesisch aussieht, geht es los. Dann kommt man zum Mon mit seinen farbigen Schnitzereien und es wird immer besser. Das Honden und der Glockenturm sind der Hammer. Sie sind übersät mit kallbunten Schnitzereien. Überall. Ich weiß gar nicht wohin ich die Kamera zuerst richten soll. All diese Details.

Um 17:45 Uhr bin ich zurück in Chichibu. Ich treffe auf Touristen, die gerade den Hitsujiyama-Park besucht haben. Die Blüte des pinken Moos hat begonnen. Es ist noch nicht im Maximum, aber es blüht. Mit Anlauf geht es zu besagtem Park. Das „yama“ hätte mich vorwarnen können. Es geht berauf und dann laufe ich am Eingang vorbei. Mein Orientierungssinn scheint Urlaub in Tokyo zum machen.

Es wird ein Rennen gegen die japanische Dämmerung … und  gegen meinen Akkukapazität. Ich habe den zweiten Akku nicht Schacht. Zum Glück geht mir erst jetzt der Saft aus und nicht oben am Schrein oder auf dem Weg dorthin. Das wär was gewesen … Schauder. Mir gelingen noch zwei, drei Fotos mit dem Resttageslicht, dann gehe ich zurück im Seibu-Bahnhof. Das Onsen lasse ich aus. Für eine Schüssel Ramen ist aber noch Zeit.

Mit der Seibu geht es nach Ikebukuro. Ich nicke kurz ein, als ich Höhe Motokaji woeder aufwache, stelle ich fest, dass wir in den andere Richtung fahren. Ich werde kurz hektisch, aber in der Anzeige steht immer noch Ikebukuro.

Ein letzter Stop für heute ist die Scotch Whisky Bar in Ueno. Es ist der letzte Abend in Tokyo. Das muss man zelebrieren. Gleichzeitig will auch nicht zu spät im Hotel sein, da ich den Koffern noch packen muss.

Fazit: Die Anreise zum Mitsumine-Jinja zerlegt einem den ganzen Tag, aber es lohnt sich. Chichibu lohnt sich auch … irgendwie, ist jedoch nichts für die erste Japanreise.

Anime-Jagd

Heute gibt ein paar Bilder, die Nichteingeweihten wenig sagen werden. Ich werde nach Setagaya-ku und Chofu-shi fahren. Letzteres ist keiner der 23 Tokyo-Wards (also nach meiner Definition nicht mehr Tokyo). Heute werde ich Orte aus bekannten Anime besuchen.

One Punch Man: Es beginnt mit der Fahrt nach Meidaimae. Bis Shinjuku st die ein alter. Hut. Dann steige ich um in die Keio (also nicht Japan Rail). In Maidaimae orientiere ich mich an der Sonne. Kein Witz. Ich weiß von google, dass der Expressway nördlich ist und das Apartment direkt an der Straße darunter liegt.

Die Gegend ist der Wohnbereich von Tokyo. Ich bin gespannt. Nach ein paar Metern stehe bereits am Expressway. Und wenig später habe ich das Haus gefunden. Es sieht exakt aus wie im Anime. Wirklich exakt. Das ist schon ein komisches Gefühl, als würden Saitama und Genos gleich rauskommen und Hallo sagen. Die meisten Japaner könnnen mit meiner Faszination für diesen zweitklassigen Apartmentblock nichts anfangen; sind irritiert.

Full Metal Panic: Der Bahnhof aus FMP ist nur ein paar Stationen (sieben) weiter. Die Station heißt wie im Anime „Sengawa“, wird aber mit anderen Kanji geschreiben (Anime: 仙川; Real: 泉川).

Die Bahnstataion sieht aus wie im Anime. Der Baum ist etwas größer geworden. Foto. Erledigt. Jetzt geht es durch die Einkaufsstraße zur Schule. Auch hier ist alles wie im Anime: das Tor,  das Gebäude mit dem Übergang zum Nebengebäude, die Schild rechts vom Tor. Ich warte förmlich darauf, dass eine Sprengfalle von Sagara explodiert.

Jetzt bin ich motiviert und verlege weiter nach Chofu. Hier springen Sakara und Kaname in den falschen Zug. Hier jedoch lässt sich nichts wiedererkennen. Der Bahnhof wurde unter die Erde verlegt, bzw. überdacht, um die neu verfügbare Flächen zu nutzen. Der Wendekreis für die Busse gibt noch ein wenig Wiedererkennungswert.

Den Apartmentblock, indem Kaname wohnr konnte ich nicht finden. Aber ich konnte den Ort eingrenzen. Also geht es noch eine Station weiter nach Keio-Tamagawa unten am Fluss. Das hier ist ein reines Wohngebiet. Es gibt einen Apartmentblock, der von der Geschosszahl in Frage kommt. Das reicht mir.

Ich bin um Urlaub, also geht es runter zum Ufer. Die Übrflutungsflächen zwischen Deich und Fluss werden für die Naherfolgung genutzt: Wandern, Radfahren, Sport, Grillen. Im Westen ist die Eisenbahnbrücke der Keio-Linie. Das müsste die Brücke aus dem Vorspann sein. Auch wenn nicht alles zu 100% ist der Anime verdammt nahe am Original. Das nächste Mal in Tokyo werde ich weitere Animeorte auf die Liste setzen, vielleicht sogar außerhalb von Tokyo.

Jodeldiplom: Heute ist Sonntag. Also ist Harajuku der nächste Stopp. Alles wie gehabt. Einige Cosplayer und Goths; und im Park die Rockabillies. Sie haben weibliche Verstärkung bekommen. Ein paar alte Gesuchter fehlen dafür. Dann geht es weiter zur Ginza. Etwas Window Shopping. Zum Kaufen habe ich das Kleingeld. Ginza ist immer noch Gucci, Armani, Bulgari und Co.

Wenn ich schon in der Ginza bin, muss ich kurz in der Lion Beer Hall stoppen. Wow. Das ist schlimmer als das Oktoberfest. Japaner singen deutsche Volksmusik. Bastian Pastewka hatte hierfür die passende Mimik. Ein Bier muss sein, aber nicht länger, sonst bluten meine Ohren.

Für den Abend habe ich im voraus eine Bootsfahrt gebucht; mit Dinner und Show. Die Show wird auf manchen Webseiten als Oiran-Show vermarket. Hm. Wirklich? Ich dachte Oiran waren Prostituierte in Edo. Aber gut, vielleicht bin ich auch nur Opfer meines Halbwissen.

Boat Cruise: Zurück zum Thema: Ich vertrödel die Zeit im südlichen Bereich von Ginza, unter anderem mit Abendessen (Oden vom 7eleven), bevor ich in Shinbashi in die Monrail steige. Zwei Stationen später bin ich am Hindo Pier. Es ist dunkel, die Rainbow Bridge spannt ein buntes Band über die sost dunkle Tokyo Bucht. Links von der Brücke ist Odaiba. Das Schiff, die Gozabune Atakemaru, liegt gut beleuchtet und startklar am Kai.

Das Schiff legt ab, die Show begint. Es ist sowas eine Art Caberet. Parallel gibt es ein kleines Dinner, unter anderem Thunfisch vom Tsukuji-Markt.

Draußen zieht Tokyo vorbei. Eine Perspektive, die ich zum ersten Mal sehe und die man gesehen haben muss. Wir passieren die Rainbow Bridge und etwas später die Tokyo Gate Bridge. Wie in Hamburg versuche ich einen akzeptablen Mix aus Belichtungszeit (Schiffsbewegung), ASA (Sensorrauschen) und Blende (Fokusfehler) zu finden. Von den hunderten Fotos sind eine Handvoll was geworden. Alles in allem ist eine Mischung aus Show, Nachtblick auf Tokyo und Getränke. Die Bootsfahrt war eine richtige Entscheidung.

Zurück zum Hotel mache ich einen Fußmarsch durch die Lichter der Großstadt, namentlich Shiodome, Shinbashi und Yurakucho.