London

Tag 1: City of London

Nachdem wir gestern erst nach 23 Uhr im Hotel waren, haben wir heute ausgeschlafen. Uns hetzt niemand. Gegen 10:30 Uhr nehmen wir die DLR nach Tower Hill. Eine Strecke, die ich 2021 zu schätzen gelernt habe1.

Wir kommen an den Docklands vorbei, die 1991 noch ganz anders aussahen; ich muss mal die alten Dias scannen. Limehouse Station. Wieso kommt mir das bekannt vor. Hinter der nächsten Station (Shadwell) beginnt der Stadtteil Whitechapel. Wem das jetzt bekannt vorkommt: Jack the Ripper. Whiteshapel war der Stadtteil, in dem er seine Morde beging. Tower Hill, die Endstation, ist am anderen Ende von Whitechapel. Hier starten wir die touristische Reise.

Auf geht’s: London of Tower, Tower Bridge, HMS Belfast.2 Alles nur von außen. Die Besichtigungen heben wir uns für die nächste Reise auf. Hinter dem Tower erhebt sich die moderne Skyline, die sich um die Leadenhall Street herum gebildet hat. Es folgt ein Stopp im The Horniman at Hays. Ich brauche einen Frühstückersatz … Bier oder – wir sind in England – Ale.

Wir erreichen London Bridge (berühmt aber heutzutage total langweilig) und biegen zum Borough Market ab, der dummerweise heute geschlossen hat. Und wieder verpasse ich die Straße zur Golden Hinde, eine Kopie des Schiffes, das Sir Francis Drake befehligte. Arghhh. Beim nächsten Mal. Dann aber wirklich.3

Es folgen des Theater Shakespeare’s Globe (ein Nachbau, der zudem nicht am Orignalort steht) und dahinter die Millenium Bridge 4, die wir nutzen, um auf die Nordseite der Themse zu gelangen.

Von der Brücke aus sieht man die Bahnstation Blackfriars, die sich auf einer Brücke über die Themse befindet. Die Millenium Bridge führt direkt zu St. Paul’s Cathedral. Von hier folgen wir der Fleet Street am Royal Courts of Justice vorbei nach Strand.

Es geht am Hotel Strand Palace und der Bar Mr Fogg’s Society of Exploration (mehr dazu später) vorbei. Beides kenne ich von meiner letzten Dienstreise. Am Trafalgar Square biegen wir in Richtung Leicester Square ab. In dem kleinen Park verteilt stehen Statuen von Shakespeare, Charlie Chaplin, Bugs Bunny, … Wir sind jetzt im London Westend, dem Broadway von London5. Hier ist auch das Leicester Square Theatre, wo ich 2021 zur Premiere von Katsura Sunshine’s Show war.

Nördlich vom Park ist Chinatown. Die Idee von Orange Duck zum Abendessen reift. Leider ist alles sehr sehr touristisch und ich finde nirgends das gewünschte Gericht. Wir wandern durch den Stadteil Soho auf der Suche nach einer besseren Option. Nichts was uns zusagt, Wir enden wo wir gestartet sind: Touristen-Chinatown. Aber ich finde Orange Duck. Bei einem chinesischen Restaurants namens Gerrad’s Corner. Das kannst du dir nicht ausdenken.

Als letzter Punkt auf unserer Liste ist Mr Fogg’s Society of Exploration. Es ist eine Themenbar, basierend auf dem Roman Reise um die Erde in 80 Tagen. Auf dem Weg dorthin stoppen wir noch bei der Polizei und ich erstatte Anzeige gegen den Autofahrer, der mich gestern auf dem Motorway gerammt hat.

Die Drinks in der Bar haben witzige Namen und kommen oft mit einem Gimmick. Toni bestellt einen Up in the Clouds. Das Glas ist dabei in einem Pokal in Form eines Heißtluftballons versteckt. Ich bestelle einen North Star, der unter einer Käseglocke gefüllt mit Rauch geliefert wird. Die zweite Bestellung ist vom The Mechanical Mixologist, ein Apparat der im Steampunkt-Stil die Variation eines Negroni mixt.6

Wir müssen langsam zurück zum Hotel, bevor die letzte U-Bahn fährt. Über die Waterloo Bridge geht es nach Waterloo Station. Irgendwo hier fährt die Jubilee Line, die uns direkt nach Canning Town bringen wird. Zum Glück fragen wir nach. Es gibt zwei Eingänge zu den U-Bahnen (hier fahren 4 Linen) und wir wollten den falschen nehmen.

Tag 2: Greenwich und City of Westminster

Heute kümmern wir uns um Greenwich und den Bereich City of Westminster7. Erst geht es mit der Jubilee zwei Stationen bis Canery Wharf. Diesen Teil der Docklands habe ich noch besucht. Wie auch? 1991 gab es den noch nicht und 2020 war ich nur den Covid-Test hier. Die DLR bringt uns nach Island Gardens. Theoretisch wäre der nächste Halt Greenwick, aber das macht keinen Spaß.

Zwischen Island Gardens direkt an der Themse und Greenwich gibt es einen Fußgängertunnel. 1902 eröffnet ist er damit älter als der St-Pauli-Elbtunnel. Ein Abschnitt ist mit Tübbingen ais Stahl verkleidet. Das ist ein alter Schaden aus WWII. Der Tunnel endet fast direkt am Museumschiff Cutty Sark. Mit einem Abstecher zum Greenwich Market, um ein „Frühstücksbier“ zu trinken, geht es direkt zum großen Park und hinauf zum Royal Greenwick Observatory. Den Eintritt haben die krass angezogen, und so begnügen wir uns mit dem gratis zugänglichen Teil.8

Nun soll es in der City of Westminster weitergehen. Statt der U-Bahn nehmen wir das Wassertaxi. Es ist nicht unbedingt schneller, aber interessanter. Wir fahren, es regnet, an den Docklands vorbei, Limehouse und Wapping. Die Tower Bridge kommt ins Bild. Wir fahren unterdurch. Eigentlich ist die Bootsfahrt ab jetzt ein Zeitraffer des gestrigen Tages.

Wir steigen am Embarkment Pier aus. Wir holen den Blick auf das London Eye9 nach. Der Beste Blick hat man zwischen dem Royal Air Force Memorial und dem Battle of Britain Monument. Gegenüber ist New Scotland Yard.

Gleich danach kümmern wir uns um Parliament Street. Hier werfen wir einen Blick auf diverse Memorials, Downing Street und vergessen(!) Horse Guard. Wir gehen stattdessen direkt zum Palace of Westminster (Sitz des Parlaments) mit Big Ben. Fast nebenan sind St. Margaret’s Church und die bekanntere Westminster Abbey.

Von hier ist gehen wir gemütlich zum Buckingham Palace. Hier ist einiges Los. Hochdekorierte Offiziere und Veteranen. Damen mit ausgefallenen Hüten. (Nachtrag: Es war ein Empfang / Garden Party im Palast als Teil der The Not Forgotten Association).

Mit Blick auf die Uhr — wir fahren ja heute noch nach Cambridge — starten wir den Rückweg, der uns quer durch den St. James Park führt. Und hätte mich der Kameraakku geärgert, hätte ich auch Fotos davon. Von der Horse Guard Street werfen wir noch schnell auf Blick auf die Rückseite der Downing Street und Churchill’s War Room bevor wir über die Paradefläche der King’s Guard zurück zu Whitehall (nur der untere Teil der Straße heißt Parliament Street) gehen.

Im Anschluss laufen wir etwas zickzack auf der Suche nach einem späten Mittagessen. Wir werden fündig, aber es dauert etwas. Gegen 18 Uhr verlegen wir mit der Jubilee zurück nach Canning Town und zum Auto.

Von hier ist es relativ einfach: Rauf zum blöden Kreisverkehr. Ein kurzes Stück entlang Barking Road bevor die Auffahrt zum Newham Way (A13) uns aus dem Verkehrschaos London befreit. Die A406 bringt us zur M11, die dirket nach Cambridge führt. An die Verkehrsführung in England habe ich mich immer noch nicht gewöhnt, aber wir schlagen uns durch.

Am Fellow House Cambridge angekommen ist der Tag zu Ende. Für ein spätes Abendessen bemühen wir den Room Service.

  1. Ja, das war während Covid, genauer gesagt während der Omicron-Welle. Deutschland war mal wieder im politisch motivieten Lockdown. Ich wäre im Oktober in Parins, im November im Brüssel und im Dezember in London. Alle Welt hat über Deutschland gelacht.
  2. Die Belfast war 1944 an der Versenkung der Scharnhorst und an der Operation Overlord (D-Day) beteilgt.
  3. Fun Fact: Drake rettete 1568 die Crew der Jesus von Lübeck.
  4. Die Brücke ist ein Paradebeispiel dafür, wie Eigenfrequenzen die beste Designidee sabotieren und 58 Schwingungstilger helfen können.
  5. Es gehört geografisch zur City of Westminster und nicht zur City of London. Hier gibt es etliche Theater und Kinos.
  6. Und ja, ich werde die Bar auch in Zukunft besuchen und auch die anderen Bars. Es gibt insgesamt 9.
  7. Das was wir als London bezeichnen (nicht zu verwechseln mit Greater London) sind verwaltungstechnisch zwei Städte: City of London und City of Westminster. Das ist also ähnlich wie Tokyo, Präfektur Tokyo und dem Stadtteil im die Bahnstation Tokyo Station herum. — Ach ja, Scotland Yard ist ein anderer Name für die Metropolitan Police, die für Greater London, aber gerade nicht City of London, zuständig ist. Der Name stammt vom alten Dienstgebäude, das in der Straße Scotland Yard war. Das neue Polizeigebäude, New Scotland Yards, ist zwischen Whitehall und Victoria Embankment, südlich vom Verteidigungsministerium.
  8. Fun Fact: Die Nullmeridian-Linie, die in den Fußboden eingelassen ist, ist falsch. Die Null ist 102,5m östlich. Als weiterer Fun Fact: Der rote Zeitball wird immer noch benutzt. Er dient(e) zum Abgleich der Schiffschronometer und wird noch heute im 13:00 Uhr abgesenkt. Er war (Fun Fact 3) die Vorlage für den Ball auf dem Times Square in New York, der zu Silvester/Neujahr gesenkt wird.
  9. Das Rad verwendet Stahlkabel, die das Rad mit der Nabe verbinden. Die Form wird also alleine durch Zugkräfte gehalten.