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Asakusa / Yushima Tenmangu

Vor dem Frühstück schnell noch eine Runde outdoor Onsen. Heute geht es zurück nach Tokyo, die allerletzte Chance nutze ich. Beim Frühstück dann der Wetterbericht. Taifun 23 ist auf dem Weg. Er wird am 18. Japan erreichen. Ich kann nur hoffen, daß die Vorhersage falsch ist. Am 18. geht es zurück nach Deutschland. Was ich gar nicht gebrauchen kann, ist ein stornierter Flug. Außerdem ist der Tag vor dem Taifun Regen.

9:45 Uhr erfolgt der check-out.  Der Ryokanchef bringt mich noch zum Bahnhof. Der Zug rollt um 10:18 Uhr. Damit ist auch das vorletzte Kapitel (Narukoonsen) zu Ende. Es bleibt das Finale in Tokyo. In Furukawa dann der Wechsel in den Shinkansen. Dieses Mal bin ich echt froh einen Sitzplatz reserviert zu haben. Der Zug ist voll. Um 14:55 rollt der Zug in Ueno ein. Gemäß der Ansage ist dies sogar die Endstation.

Ich stehe wieder mitten im Chaos. Was für ein Kontrastprogramm nach der Ruhe und Abgeschiedenheit von Naruko. Die Shinkansengleise sind im Untergrund; im Erdgeschoß die normalen Bahnlinien. Einige Gleise sind im ersten Stock. Das muß die Yamanote sein. Dahin will ich nicht. Also den nächstbesten Ausgang. Eine Mehrspurige Straße und ein Fußgängerbrückensystem wie ein Spinnennetzt darüber gelegt. Und darüber der Expressway, die Autobahn… japp, das ist Toyko

Bleibt nur noch die Frage nach der Richtung. Autobahn und Yamanote laufen in Nord-Süd-Richtung, dann müßte rechts von mir der Ueno Park sein. Sicher bin ich mir aber nicht. Und mit dem Kamidana … ich nehe ein Taxi. Nach zwei Kurven sind wir in vertrauten Gebiet. Meine Baustelle. Aber wo will der Taxifahrer lang? Stimmt ja. Die Straße vor dem Hotel ist eine Einbahnstraße.

15:10 Uhr der check-in. Ich frage nach einem Shintoschrein für Kendo und verweise mit einer Handbewegung auf die Kiste mit dem Kamidana. Der Chef vom Ryokan greift zum Telefon: Kashima Jingu. Der liegt aber gut 2 Stunden außerhalb von Tokyo. Narita ist etwa auf der halben Strecke.

Yushima Tenmangu

Dann bittet er mich zu folgen. Wir verlassen das Hotel. Die Straße weiter rauf und dann rechts. Nach 200m steht ein Schrein. Der Yushima Tenmangu. Es ist ein Gelehrtenschrein. Viele Studenten der ToDai kommen hierher, um für die Aufnahmeprüfung zu beten. Das Holz des Schreins ist ungewöhnlich hell. Er kauft eine Tafel und schenkt sie mir. Bin sprachlos.

Dazu gibt es einen kleinen Crashkurs: In die mitte kommt eine, ich nenne es mal Allround-Tafel. Mit ihr ist der Schrein sozusagen online. In die rechte Tür kommt die Tafel des Ortschreines und in die linke die Tafel des Schreins, der die Funktion hat. Ich habe keinen Ortsschrein. das ist normalerweise der Schrein, der am dichtesten an der Wohnung liegt. Bevor ich jetzt eine Karte hole und den westlichsten Schrein Japans suche, gehe ich ganz pragmatisch an die Sache ran: Meine erste Übernachtung und meine letzte sind im Hotel Edoya. Von daher kann man schon den Yushima Tenmangu als den dichtesten Schrein bezeichnen. Zudem gefällt mir die Idee mit dem Gelehrtenschrein. Paßt zum Unidojo.

Auch bei der Kashima-Tafel hilft er mir. Zurück im Hotel schreibt er einen Brief auf Japanisch. Darin bittet er, ein Tafel per Post zu schicken. Ich brauche nur meine Adresse und etwa 2000yen dazu packen und es von Deutschland aus zu veschicken. Mit so viel Hilfe habe ich nicht gerechnet.

Asakusa

Es ist noch ein paar Stunden hell. Zeit für einen Zwischenstop wäre da gewesen. Hätte ich heute Nikko abhaken können? Dran vorbei gefahren bin ich. Jetzt ist es zu spät für solche Ideen. Aber Tokyo ist noch so unbekannt. Die Zeit kann man hier sehr gut verbringen.

Auf nach Asakusa. Es ist der größte in bekannteste Tempel in Tokyo. Eines dieser Fotos, die stellvertretend für Tokyo stehen (ähnlich wie der Tokyo Tower). Unterhalb des Ueno Parks führt die Asakusadori nach Osten. Man muß nur kurz vor dem Fluß abbiegen. Auf dem Weg dahin sehe ich viele kleine Läden, die buddhistische Ältare und Zubehör verkaufen. Ob die auch Shintosachen haben? Brauche gar nicht suchen. adfür gibt es einen eigenen Laden. Ich kaufe einen Spiegel. Der gehört zu dei Pflichtuntensilien.

Die Straße, die zum Tempel abzweigt, habe ich fast übersehen. Es ist eine „Ginza“. Souvenierläden mit Essen und Touristentrödel. Nach Kamakura, Nara und Kyoto ist dies ein Tempel wie jeder andere. Dennoch: Er steht mitten in Tokyo. Ein großes Mon. Hier hängt ein riesiger Lampion. Das Foto kennt jeder. Das Hauptgebäude ist riesig. Auf halben Weg dorthin ein Becken mit hunderten brennenden Räuchstäbchen. Zudem eine 5-stöckige Pagode. Und alles mitten in Tokyo.

Akihabara

Electronic Town. Der Name kommt nicht von ungefähr. Hier kann man alles kaufen was mit Strom läuft: HiFi, Computer, Kameras, Handys, einfach alles. Große Geschäfte wie Big Camera haben bis zu 8 Stockwerke nur mit Elektronikkram. In den Nebenstraßen geht es zu wie auf einem Basar. Kleine Händler. Einer verkauft nur Kabel. Ein kleiner Laden nur für CDs und DVDs. In den Katakomben unter der Yamanote muß man den Kopf einziehen, aber hier ist es noch krautiger. Ein Tapeziertisch mit tausenden LEDs und Transistoren. Daben ein Laden für Spionagesachen. Minikameras in Brillen, Funkscanner und so’n Kram. Meßgeräte. Oszilloskope. Der real gwordene Conrad-Katalog. Ein Mekka für Elektronikbastler. Ein Laden mit Röhren für HiFi-Verstärker. Einfach irre.

Akihabara ist mehr als Elektronik. Mange und Anime sind hier ebenfalls präsent. Mangaläden über 4 nein 5 Etagen. Auf der Straße stehen verkleidete Japenrinnenund machen Werbung vor Maiden-Cafes. Auch die gibt es in mehreren Extremen. In einigen bekommt man überteuerten Kaffee von Japerinnen in Dienstmädchen-Outfit serviert, die einen mit „my Master“ begrüßen. Man bucht keinen Cafe, sondern ein Dienstmädchen. Für Frauen gibt es Butler-Cafes. Gleiches Konzept.

Der Schritt in die Richtung Fetisch und BDSM ist ganz kurz. In anderen Cafes ist dieser Schritt sogar Teil des Konzeptes. Man muß aufpassen. Der Übergang ist fließend. (Wie auch bei den Kneipen.) Ich nehme ein paar Flyer mit. Jetzt erst mal weiter durch diesen Stadtteil.

Dazu die ganzen Menschen. Nicht jeder ist für die Elektronik hier. Akihabara ist ein wichter Knotenpunkt im Bahnnetz von Tokyo. Es ist laut, bunt. Jeder Laden hat laute Musik und Werbung laufen. Es gibt hier sogar Marktschreier, die mit Megaphon vor dem Laden auf Angebote hinweisen. In der Nebenstraße kann man Second Hand kaufen. Alles. Kameras. 286er. Alte Laptops und auch Mangas und Anime. Autoradios.

Ich muß hier raus. Es wird dunkel. Akihabara ist jetzt komplett erleuchtet. Überall blinkt und fackert es. Die Menschen. Der Lärm. Die Lichter. So muß ein LSD-Trip sein.

Entspannter und ruhiger ist da das Abendessen beim Italiener. Danach ein Streifzug durch Ueno und über die Baustelle. Hatte ich am Anfang der Reise das bunt erleuchtete Nachtleben von Uenno gelobt, verblaßt es ein wenig, wenn man in Akihabara war. Trotzdem. Seine  Wirkung verfehlt es nicht. Wie heißt es? Lichter der Großstadt?

Die Baustelle hat sich entwickelt. Sie ist größer geworden. Das Verkehrschaos hat sich gefühlt verdoppelt. Die Ordnung ist etwas gesunken, aber immer noch beachtlich. Das Verhältnis Arbeiter zu Sicherungsposten ist immer zu Gunsten der Sicherungsposten. Und ich habe immer noch keine Ahnung, was die hier bauen. Eines ist klar. Es ist unterirdisch. Bagger mit langen Greifarmen und Bohrer. Egal was es wird. Es wird groß.

Randnotiz:

  • Fazit: nichts besonderes, außer das Geschenk vom Chef des Hotel Edoya.
  • Für Fahrten in den Norden Japans ist Ueno der bessere Bahnhof. Nicht alle Zügen starten in Tokyo.
  • Soweit ich das verstehe, ist Ginza ein Sammelbegriff, für Einkaufsstraßen ohne  Autoverkehr; ähnlich unseren Fußgängerzonen. Viele Ginza sind überdacht.
  • Souvenierläden bestehen immer zu mehr als 50% als Lebensmitteln.

Jigokudani / Naruko Gorge

Das Wetter ist trüb. Es sieht nach Regen aus. Zeit für ein ausgiebiges, gemütliches Frühstück. Ich nehme den Bus um 10:45 zum Kankentusen, einem Gysier. Der Bus fährt ein Stück durch Naruko und dann auf die andere Seite des Flusses. Es geht den Berg hinauf an einem Stausee vorbei. Ich merke mir die Strecke so gut es geht. Aber ich glaube, zum zurücklaufen wird es zu weit.

Jigokudani

Am Gysier steige ich aus. Nach dem obligatorischen Eintritt geht es durch ein Wohnhaus (!) in den Garten. Hier ist der Gysier. Nach dem Schild ist das Wasser 100-120°C heißt, die Fontäne etwa 18m hoch und erscheint etwas alle 10 Minuten.

Mit einem grummeln kündigt sich das Spektakel an. Binnen einer Sekunde schießt der Gysier nach oben. Wirklich beeindruckend. Das ganze dauert gefühlt nicht einmal 2 Minuten. Ich warte auf die nächste Runde. Zu viel Filmmaterial darf ich aber auch nicht verbraten. Mit ist das Diamaterial bereits ausgegangen. Ich hab die Negativfilme gelanden, die als Notreserve mit im Koffer waren. Und ich habe noch eine Woche Japan nach.

Gleich neben dem Gysier liegt das Jigokudani, ein schmales kleines Tal.Übersetzt solle es kalte Hölle heißen. Der Weg führt einen Flußlauf entlang. Herrliches klares Bergwasser. Schwefelgeruch. Daher der Name. Ich wandere los. Zu meiner linken ist eine Felswand, rechts der Fluß. Ich sehe, wie Wasser aus dem Fels quillt. Überall gibt es kleine Quellen. Man ein Fels, mal blubbt das Wasser aus dem Boden.

Wow. Das Wasser sit kochend heiß. Ich habe den Fehler gemacht und das Quellwasser direkt am Fels angefaßt. Heiß. Selbst der Fels ist warm. Ich dachte, das kommt von der Sonne. Ich habe mich wohl geirrt. Das hier sind heiße Quellen. Wasser, das in Shibu direkt in die Badehäuser gelenkt wurde. Bei genauerem Hinschauen dampfen die kleinen Pfützen; eine brodelt sogar. Ich dachte, daß wäre ein Effekt der Quelle. Nein. Es ist die Temperatur.

Der Weg führt etwas 500m am Fluß entlang, wechselt an einem Holzweg die Flußseite. Überall quellen, manche haben sogar eine kleine Fontäne. Dann ist der befestige Weg zu Ende. Ich sehe einen eta 3m hohen Wasserfall. Der Fluß hat seine Quelle also irgendwo weiter oben. Ob ich da rauf komme? Immerhin gibt es auf der Karte einen gestrichelten Weg. Die meinen doch nicht dieses Nichts von Trampelpfad. Ich taste mich vorsichtig weiter. Es ist rutschig. Ich gehe weiter.

Ich bin alleine, habe meine Ruhe. Alle Japaner habe an der Holzbrücke umgedreht, wo der Weg zu Ende war. Jetzt ist auch der Trampelpfad zu Ende. 50m bevor die Felswand beginnt. Ich sehe Reste von einem Pfad. Rauf geht vielleicht noch, aber nachher wieder runter; ohne Ausrüstung zu riskant. Ich drehe um, nachdem ich die Ruhe aufgesaugt habe.

An der Bushaltestelle erwarten mich 30 Minuten Wartezeit. In der Zeit schaffe ich mindestens 2 Stationen. Das spart Geld. Wie in der Tokyo-U-Bahn steigt der Fahrpreis mit jeder Station. Leider habe ich keine Uhr und wo  ist die nächste Haltestelle. Lieber warten. Eine echte Geduldsprobe.

Zurück in Naruko geht es nach einer Mittagspause um 14:30 Uh mit einem anderen Bus in Richtung Naruko Schlucht. Sie ist etwa 2,5km lang. Also sollte es nur eine Stunde dauern.

Naruko Gorge

Ein Treppe führt hinab in die Schlucht. Endlich mal Stufen abwärts. Wie tief mag die Schlucht sein? 60m, 70m? Die Felswand ist teils steil, teils schräg, so daß Bäumen wachsen können. Alle paar Meter sieht die Schlucht anders aus. Unten in der Schlucht plätschert der Fluß. Er hat diese Landschaft über Jahrtausende geformt. Harmlos sieht er aus. Weiter hinten nimmt der Fluß Fahrt auf; Stromschnellen mit Wirbeln und Strudeln. Was für eine Dynamik, die nur eine zig Meter später wieder in einen ruhigen Fluß wechselt.

Wie mag das erst aussehen, wenn der Herbst hier die Blätter verfärbt. Es könnte ein Postkartenmotiv werden, daß Matsushima in den Schatten stellt. Kiefern sind hat immergrün. Die Laubbäume hier könnten die Schlucht in ein Farbenmeer verwandeln. Hier und jetzt hat die Verfärbung gerade erst begonnen. Ich bin zwei Wochen zu früh. Was aber an dem langen Sommer hier in Japan liegt. Der hat mir die beiden Taifuns beschert und verweigert mir nun die volle Herbstpracht. Ein Vorteil sind die höheren Temperaturen. Ich will also nicht meckern.

Das Wasser ist glasklar und eiskalt. Hier und da rinnt Wasser aus dem Fels hinab. Es gibt auch zwei nette kleine Wasserfälle. Ich habe die Wanderzeit günstig gewählt. Ich bin alleine. Nur Weg selbst erinnert an Zivilistation. Wieder habe ich meine Ruhe. Ein paar Mal wechselt der Weg die Uferseite. Auf halber Strecke gibt es ein kleines Klohäuschen. Aber keinen Mülleimer. Meine Theorie freilebender Mülleimer scheint sich zu bestätigen.

Kurz vor dem Ende Schlucht steht eine Bretterbude, die wie ganz Naruko schon bessere Tage gesehen hat. Betreiben wird die Hütte von einem japanischen Ehepaar samt Hund. Lohnt sich das, hier einen Snackshop zu betreiben? Ich kaufe ein Bier. Der Mann murmelt irgendwas mit „american“. Dem Tonfall nach war es nicht nett. Fast reflexartig erwähne ich „doitsu jin“. Er zuckt zusammen und entschuldigt sich (zumindest der Gesten nach). Da ist er wieder der Deutschland-Bonus.

Ein Treppe, die Schlucht ist zu Ende. Um 17:10 Uhr bin ich wieder am Ryokan. Zeigt für Onsen. Es ist noch hell. Das Rotenburo sieht jetzt ganz anders aus. Der Garten ist kleiner als gestern abend vermutet. Der Bambussichtgschutz ist wirklich kurz vor den Gleisen. Baden bei Tageslicht ist bei weitem nicht so schön als wie bei Nacht. Also kurze Pause, dann wieder das riesige Abendessen.

Dann kurz in das Indoor-Onsen. Auch hier hier liegt der Duft von Zedernholz in der Luft. Es ist aber bei weitem nicht so toll wie das Rotenburo. Mit Sake bewaffnet geht es zurück zum Rotenburo. Ich genehmige extrem entspannede 30 Minuten. Dann eine Pause und etwas später noch einmal 30 Minuten. An der freien Luft vertrage ich die Wassertemperatur recht gut. Ich sitze einfach da. Genieße ein paar Schluck Sake und lasse den Tag und den gesamten Urlaub Revue passieren.

Randnotiz:

  • Fazit: Gysier, Jigokudani und die Schlucht, dazu das Rotenburo. In der Gesamtwertung rutscht der Tag als Ganzen mindestens vor auf Platz 3.
  • Es gibt keine frei lebenden Mülleimer in Japan.
  • Doitsujin ist immer eine gute Idee in Japan. Der Detschland-Bonus.
  • Die Stimmung kann man im Japanischen an Tonfall erkennen. Auch ohne Wörterbuch.
  • 42 Grad Wasser und 42 Grad Sake sollte man nicht kombinieren; egal wie sinnvoll das auf den ersten Blick erscheint.

Matsushima / Dinner

Matsushima steht auf dem Plan. Der Ryokan-Chef warnt mich aber vor der langen Zugfahrt. Egal. Um 9:20 Uhr bin ich am Bahnhof. Der nächste Zug fährt in einer Stunde. Das fängt ja gut an. Zeit das Dorf Naruko zu erkunden. Es wirkt heruntergekommen. So mancher Betonbau erinnert mich an die DDR-Platten. Von außen schmutzig. Alte Gardinen, wenn überhaupt. Alles sieht aus, als hätte Naruko seine besten Tage hinter sich. Meine Meinung zum Äußeren des letzten Ryokans kann hier auf das ganze Dorf angewendet werden.

Dann der Zug um 10:18 Uhr. Es geht an Furukawa vorbei nach Kogota. Die fahrt dauer 1 Stunde. Ein Bahnhof mit mehreren Gleisen im Nirgendwo. Keine Häuser, keine Stadt. Nur der Bahnhof inmitten von Reisefeldern. Nicht einmal ein Nudelshop ist hier auf dem Bahnsteig. Irgendwie hatte ich mich an die Anwesenheit dieser kleine Hütten gewöhnt. 30 Minuten warten. Ich komme mir so verloren vor. Ich stehe ganz alleine hier. Was istdas für ein Bahnhof. Kurz vor 12 Uhr geht es weiter zum Bahnhof Matsushima. (Anmerkung: Matsushima hat zwei Bahnhöfe, die von verschiedenen Linien angesteuert werden. Die Züge aus Sendai halten in Matsushima-kaigen.)

Der Weg ins Stadtzentrum führt mich auf eine kleine Anhöhe. Von hier habe ich eine gute Sicht auf die Bucht. Es ist kurz nach 13 Uhr. Das Wetter ist sonnig und heiß. Die Fernsicht ist aber nicht besonders. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Nach den „nur“ 25 Grad in Yudanaka kommt man richtig ins Schwitzen. Brachial hier in der Mittagssonne.

Hinab zum Zuigan-Tempel. 700yen Eintritt. Bin ich Krösus? Das verkneife ich mir. Vor dem Tempel ist eine Kryptomeren-Allee (auch Sicheltanne oder japanische Zeder). Hohe kerzengrade Bäume. Man kommt sich klein vor. Schatten. Hier läßt es sich aushalten. Links von mir eine Felswand mit Meditationshöhlen. Wer kommt auf solche Ideen?

Nächter Stop: Entsu-in. Nur 300yen. Gleich zu meiner linken gibt es einen japanischen Garten. Grüne Flächen. Wasserläufe sind durch weißen Sand dargestellt. Dazu eine kleine Brücke über das Wasser. Der Garten ist klein. Das Tempelareal dagegen weitläufig. Das Ende wird durch eine Anhöhe aus Felsen und einen Wald markiert. Wenig spektaulär. Aber der Steingarten hat echt was.

Zum Kai. In 50 Minuten fährt das nächste Ausflugsboot. Genug Zeit für O-Shima; einer kleine Insel zur Rechten. Es gibt hier ebenfalls so etwas wie Meditationshöhlen. Nur viel kleiner. Es sind eher kleine Nischen. Ein paar kleine Buddhastatuen stehen hier. Sonst wirkt es wie ein kleiner Fels im Wasser auf dem Bäume wachsen. Auf der anderen Seite des Anlegers sehe ich eine Art Pavillion, der ebenfalls auf einer Felsinsel steht. Sie ist viel kleiner als O-shima. Über insgesamt drei kleine Brücken gelangt man dorthin. Der Pavillion entpuppt sich als buddhistischer Tempel, der Godaido.

Das Ausflugsboot legt ab. Begleitet von hunderten Möwen. Die Japaner füttern die Viecher. Es gibt sogar einen Automaten auf dem Schiff, wo man Futter kaufen kann. Die Möwen, in Lübeck schon frech, haben sich darauf spezialisiert. Sie sind im Parallelflug mit dem Schiff und kommen auf Armläge heran. Für Fotos natürlich ideal.

So wie es aussieht bin ich der einzige, der sich für die Inseln interessiert, die der Gegend ihren Namen geben und wegen der Matsushima (Kiefernbucht) eine der berühmten Landschaften Japans ist. Die Inseln sind Felsen, die aus dem Wasser ragen. Steile Felsen. So wie Helgoland. Auf wirklich jeder Felsinsel wachsen Kiefern. Selbst auf dem kleinsten Eiland, das ich sehe steht ein Kiefer. Einige Felsen sind unterhöhlt, haben nur einen nur eine schmale Basis auf Meereshöhe. Andere Inseln haben Löcher. Jede Insel ist anderes. Eine beeindruckende Landschaft. Es soll über 230 solche Inseln hier geben. Sie gehen bis fast zum Horizont.

Und was machen die Japaner? Sie füttern Möwen. Es ist unöglich ein Foto ohne Möwe zu machen. Argh. Nach der Bootsfahrt ein verspätetes Mittag.Die lokale Speizialität verkneife ich mir. Rinderzunge, wenn ich das richtig lese. Matsushima hat sogar eine eigene Brauerei. Es gibt verschiedene Sorten. Hier die NICHT übersetzten Namen: Helles, Dunkles, Weizen, Bock … kein Fehler. Alle Namen sind in Deutsch.

Als Souvenier ergattere ich noch Masu-Becher. Kleine Holzkisten, aus denen traditionell Sake getrunken wird. Füllmenge sind 180ml. Dann geht es zurück zum Bahnhof. Ich hätte zwar noch eine Stunde bis zur magischen Uhrzeit, aber ich will zum Dinner zurück in Naruko sein. Nach der langen Fahrt hierher, muß ich auch 3 Stunden für die Rückfahrt einplanen.

Im Ryokan bitte ich mich früh zu wecken. Morgen will ich nach Onagawa und Kinkazen. Der Herr am Tresen wühlt daraufhin in seinen Unterlagen. Fazit: Mit der Bahn an einem Tag nicht möglich. Ups. Das hatte ich jetzt nicht eingeplant. (Die Fahrzeit nach Matsushima auch nicht). Er rät mir, morgen die Gegend in Naruko zu erwandern. Er hat recht. Wenn ich schon einmal hier bin, sollte ich einen Tag hier verbringen. Der Plan wird geändert. Es gibt hier eine Schlucht, durch die man wandern kann und einen Gysier. Das ist doch mal ein Alternativprogramm.

Dinner

Es folgt das Dinner. Ich habe es gebucht. Es soll kommen. Es wird aufs Zimmer gebracht. Was da aber anrollt war so nicht erwartet. Ein riesiges Tablett mit Tellern. Sashimi, Fisch, Tempura, Gemüse, Reise, Misosuppe, Sukiyaki, … Meine Erinnerungen an japanisches Frühstück werden wach. Na dann mal los. Es ist unglaublich lecker. Ein paar Sachen sind nicht so ganz mein Fall. Das macht aber nichts. Die einzelnen Portionen sind nicht groß, aber die Menge macht es; der Reis sowieso. Ich bin pappsatt und habe nur 2/3 geschafft.

Anschließend empfiehlt er mir das Outdoor-Onsen (Rotenburo, frei übersetzt „Bad unter freiem Himmel). Nach der 9-Onsen-Tour bin ich neugierig. Mit Yukata, das habe ich ja schon gelernt, geht es auf Holzsandalen zum Rotenburo. Ich konnte gestern in diesen Dingern nicht laufen und heute auch nicht.

Das Rotenburo leigt in 3F. Das Haus ist am Hang gebaut. Hier im zweiten Stock ist der Garten hinter dem Haus. Man verläßt fas Haus. In etwas 20m gibt es ein Häuschen. Hier kann man sich umziehen. Im Inneren duftet das Holz wie in einer Saune. Zedernholz hat einen sehr hohen Gehält an ätherischen Ölen. Herrlich dieser Duft.

Hinter einer Schiebetür liegt das Becken. 2x2m groß mitten im Freien. Das Wasser hat angenehme 42 Grad. Die Luft hat immer noch so um die 20 Grad. Das Wasser dampft.Das Becken ist aus Natursteinen gemauert. Wenn man sich hinzsetzt geht eine das Wasser bis zum Hals. Eine ideale Tiefe. Setzt man sich auf Stufe, geht das Wasser bis zur Brust.

Die einzige Laterne, die die Szenerie erhellt ist damit im leichten Nebel. Das Bad ist klein, aber ich bin alleine. Es ist genug Platz da. Hinter dem Becken ein kleiner Garten und ein Zaun als Sichtschutz.

Ein Zug rauscht vorbei. Wow. Das kam unverhofft. Gleich hinter dem Zaun müssen die Gleise sein. Ich genieße das Wasser. Wenn es etwas zu heiß wird, kühle ich mich in der Nachtluft ab. Hier halte ich es wesentlich länger aus als indoor. Fehlt nur noch Sake. Der Plan für morgen Abend.

out door hot spring

Randnotizen:

  • Fazit: Die Anreise war suboptimal. 7 Stunden Bahn für 3 Stunden Matsushima. Viel zu kurz. Aber immerhin habe ich einen Punkt von meiner Liste abgehakt. Auch die zweite Landschaft Japans wird ihrem Namen gerecht. Matsushima ist echt schon. Der Tag landet dennoch im unteren Mittelfeld.
  • Unterschätze niemals die Fahrzeiten mit Zügen.
  • Deutschland scheint in Sachen Bier das Maß der Dinge zu sein.

Shinkansen / Local

Heute folgt der Wechsel zum letzten Stop, bevor es zurück nach Tokyo geht. Die Japantour neigt sich ihrem Ende. Ich glaube länger als 4 Wochen, sollte so etwas auch nicht dauern. Nachdem sich in Nagano schon so eine Art Tempelmüdigkeit breit gemacht hat, wird Naruko noch mal richtig entspannend und dann zum Abschluß Hektik in Tokyo.

Für die Weiterereise heute ist kein Zwischenstop eingeplant. Ich muß mit vier verschiedenen Zügen fahren. Außerdem habe ich nichts interessanten auf der Strecke gefunden, was man so nebenbei abhaken kann. Ist eventuell auch gut so. Ich habe ja noch das Kamidana dabei. Das wären 2 Coin Locker.

Der Ryokan-Chef fährt mich zum Bahnhof. Dafür bin ich ihm echt dankbar. Es geht nach Nagano. Während der Zugfahrt rüste ich das Barrel (meine große Gepacktasche) auf Rucksack um. Den Bergans trage ich dann vorne. Damit habe ich trotz Kamidana eine Hand frei für Kleingeld, JRP und solche Sachen. Allerdings leidet die Beweglichkeit. Passend wäre jetzt ein „Wide Load“-Schild am Rücken.

Was ich bei der Planung vergessen habe ist, daß ein Shinkansen zwischen Nagano und Tokyo verkehrt. Für die Weiterfahrt nach Norden brauche ich nicht einmal bis Tokyo oder Ueno. Ich kann in Omiya umsteigen; sehr praktisch. 60 Minuten nach Nagano, 90 Minuten bis Omiya, 100 Minuten bis Furukawa. Dazu die Wartezeiten am Bahnhof. Zugegeben. Das summiert sich trotz Shinkansen. Aber Nagano wird zum Tagesausflug von Tokyo aus.

In Furukawa geht es mit der Bummelbahn weiter. Dieses Mal ist sogar optisch korrekt. Das Ding sieht aus wie ein Schinenbus. Nur ein Wagen. Wo liegt dieses Naruko? Im Nichts? Die Bahnhöfe werden immer kleiner. Manche sehen aus, als hätte hier seit Jahren kein Zug mehr gehalten. Es gibt kaum noch Häuser an der Strecke, dafür immer mehr Reisefelder.

Nach 45 Minuten erreichen wir Naruko. Ich steige aus. Es riecht nach Schwefel. Whow. Hoffentlich gewöhnt man sich daran. Das Dorf ist zumindest größer als alle, die ich während der letzten Stops gesehen habe. Nach der Beschreibung sind es 15 Minuten Fußmarsch. Nein. Taxi. Da ist das Kamidana. Es war eine gute Entscheidung. Das Hotel ist am Ende des Dorfes. Eines der letzten Häuser.

Das Ryokan ist ein kleines Hotel. Sehr japanisch und geschmackvoll eingerichtet. Der Betreiber spricht Englisch und sogar etwas Deutsch. Damit habe ich nicht gerechnet, aber es erklärt, warum die Buchung so einfach lief. Viele Ryokans hatten nicht geantwortet oder sich aus dem Rennen genommen, mit dem Hinweis, daß das Personal kein Englisch kann.

Es gefällt mir hier. Mein Zimmer ist in 4F. Der Raum hat 6 Tatami. Es gibt einen kleinen Wintergarten mit 4 Tatami. Und ich habe wieder ein eigenes Bad. Es ist zwar genauso groß wie im Hotel Flex, aber es ist meins. Irgendwie fühle ich mich wohler mit Dusche. Ja doch, die Wahl war gut. Mein Kamidana sorgt kurz für Verwirrung.

Das eröffnet mir der Chef, daß es heute kein Dinner geben wird. Heute ist in Japan ein Feiertag und der Koch hat frei. Er wird also das Abendessen von der Rechnung abziehen und mich in ein Lokal im Dorf fahren. Von seiner Seite aus kann es sofort losgehen. Ich für meinen Teil möchte zuvor noch duschen. Nach den 8 Stunden mit Bus und Bahn bin ich etwas durchgerockt.

Frisch geduscht gehe ich nur mit Yukata begleitet in die Lobby. In 5 Minuten kann es losgehen. Aber der Ryokan-Chef hat andere Pläne. Er gibt mir diese japanischen Holztreter. Mit dem Hinweis auf die Yukata meint er nur. Das ist ok. Das hier ist ein Onsenort. Mehr braucht man nicht tragen. Was ich nicht ganz raus habe ist, wie man man mit diesen Holzklötzen laufen kann. Es gibt keinen Hacken und kein Vorderteil. Den Fußabrollen ist unmöglich. Alternativ fällt mir nur so eine Art Stampfschritt ein. Sieht dämlich aus. Also versuche ich eine Mischung. Eines ist klar: komfortabel ist was anderes.

Das Lokal ist so eine Art Kneipe mit Küche. Ein paar ältere Herren sitzen hier. Man kennt sich. Es werden kurz die Eckdaten ausgetauscht, dann noch die Info an mich, daß ich einfach anrufen soll. Er holt mich dann ab. Weg ist er. Jetzt sitzte ich hier alleine in Yukata. Gut, 5 Japaner um mich rum. Macht die Sache nicht einfacher. Dennoch kommt ein bischen Konversation auf. Das war so zurück betrachtet immer der Fall. Ich bestelle Soba und ein Bier.

Mit dem letzten Schluck ist der Ryokan-Chef in der Tür. Das nenne ich Telepathie. Den Rest des Tages verbringe ich vorm Fernseher und im Hauseigenen Onsen. Dabei überlege ich, ob drei Wochen nicht gereicht hätten. Ich bin irgendwie kaputt. Ich brauche Urlaub.

Randnotizen

  • Fazit: Heute mal keines.
  • Japan sieht außerhab der Großstädte immer etwas runtergerockt aus.
  • Die Umsteige-/Wartezeiten nicht unterschätzen.
  • So ein Kamidana ist unhandlich.

Shibu Onsen / Towel

Shibuonsen

Zuerst muß ich mir ein Handtuch kaufen. Das bekomme ich in einem Souvenierladen. Die Fragen mich, ob ich einen Schlüssel habe. Schlüssel? Ah. Die Onsen sind abgeschlossen. Man braucht einen Schlüssel. Den bekomme ich gegenüber im Hotel, obwohl ich kein Gast bin. Es reicht wohl, daß ich in dem Ryokan in Yudanaka wohne. Einen Pfand hinterlegen muß ich nicht.

Das Zeitlimit ist 21 Uhr: 3 Stunden, 9 Bäder, das sollte reichen. Nach meiner Erfahrung halte ich es eh nur 3 Minuten im Wasser aus. Auf das Handtuch sind die Namen der 9 Onsen und von 2 Tempeln aufgedruckt. Nach dem Besuch kann man einen Stempel, dem es am Eingang gibt, auf das Handtuch drücken. Der Mythologie nach bringt der Besuch aller Onsen und der Schreine Glück und Gesundheit. Ein cooles Souvenier wird es allemal.

Onsen 3 ist Eine kleine Holzhütte. Sieht alt aus. Zwei Türen. Zum Glück kann ich mittlerweile die Kanji für Mann und Frau lesen. Man badet unbekleidet, also wird getrennt gebadet. Immer daran denken. Das sind keine Schwimmhallen, das sind Badehäuser. Man steht ja zu Hause auch nicht mit Badehose in der Dusche. Auch der Eindruck im inneren ist eher alt und verwittert. Das Holz ist dunkel, stellenweise schwarz. Alt. Und der Wasserdampf tut sein übriges. In der Mitte des Raumes ein Becken. Drum herum ein etwa 70cm breiter Holzweg. Auf der einen Seite eine Stelle zum waschen. Man wäscht sich erst und badet dann. Das Prinzip kenne ich aus Kyoto. Dann ist Wasser. Heiß, aber ok. Geht gerade so.

Onsen 2 ist noch kleiner als die 3 und eindeutig zu heiß für mich. Rein-raus-Lift holen. Onsen 1 ist ok. Aber das mit den Klamotten geht mir auf den Sack. Ich rolle sie in das zweite Handtuch ein. Knoten fertig. Yukata an und Handtuch über die Schulter. Onsen 8 auch. Ich habe mir bei den Japanern einen Trick abgeschaut. Beim ersten Onsen duscht man komplett. Bei den nachfolgenden läßt man nur kurz Wasser über den Körper laufen. Sauber ist man ja schon. Es gilt auch nicht als Bruch der Etikette. Onsen 7 ist dann wieder zu heiß. Aber ich habe hier sehr kurz gebadet. Es zählt also. Es ist 19 Uhr und das Handtuch zur Hälfte komplett.

Auf dem Weg zu Onsen 6 kommt mir ein Festzug entgegen. Gut, daß ich die Kamera eingepackt habe. De rFestzug ist klein. Ein Handkarren, mit Lampions geshcmückt. Eine Gruppe mit traditionellen Musikinstrumenten. Sie tragen ebenfalls Yukata. Dazu noch ein paar Leute mit Masken und Kostum. Wenn ich das richtig sehe, stellen sie die Glückgottheiten nach. Das eine müßte Ebisu sein. Ich bin mir aber nicht sicher.

Für die Kinder gibt es Süßigkeiten. Für die erwachsenen Whisky und Bier und Sake. Die Truppe ist auch nicht ganz alleine.

Die Atmosphäre ist perfekt! Etwa 22 Grad; Sternklarer Himmel; kleine schwach erleuchtete Gassen; alte japanische Häuser; Onsen; dekorierte Souveniershops; Hotels im japanischen Stil; dazu dieser Festzug; alle laufen in Yukata rum; ich sehe ich Frauen im Kimono. Zu dem Bild kommt die Akustik: Die traditionellen japansichen Intrumente; das klackern der Holzsandalen; die Grillen zirpen im Hintergrund; in der Ferne hört man den Fluß rauschen. Es paßt alles zusammen. Genauso habe ich mir Japan immer vorgestellt. Vielleicht kitschig. Aber genau das war es, was mir vorschwebte, als ich die Reiseführer geblättert habe. Jetzt ist Japan lebendig für mich. Und ich bin mittendrin. Mozu, Moon Viewing und jetzt das hier. Das läuft Mozu gerade den Rang ab. Einfach irre.

Demonstrativ trage ich das Handtuch am Obi. Ich komme mit den Leuten ins Gespräch. Ich folge dem Festzug zum Onsen 5. Hier trennen sich unsere Wege. Nach einem kurzen Bad weiter zu Onsen 4. Auf dem Weg dorthin sehe ich ein Sandalengeschäft. Leider haben die nichts in meiner Größe. Die Verkäuferin (ich schätze so Ende 60) ist sehr bemüht, aber Größe 42 ist halt XXL in Japan. Onsen 6 hatte ich wegen des Festzuges ausgelassen. Das wird jetzt nachgeholt. Jetzt fehlt nur noch eins. Ich bin gut in der Zeit. Es ist 20:30 Uhr.

Ich treffe auf zwei Priesterinnen (ich glaube Nonne ist das flache Wort im Buddhismus) oder so etwas in der Art. Sie begleiten einen älteren Herren. Es könnten also auch Krankenschwestern sein. Aber die Kleidung ist eher buddhistisch als medizinisch. Das Gespräch weitet sich aus. Die beiden können sehr gut Englisch. Meine Yukata wird zurecht gerückt, der Obi richtig geknotet. Ich hatte ein paar Fehler eingebaut. Jetzt bin ich japanisch korrekt gekleidet. Es ist eine lockere, ausgelassene Atmosphäre.

Onsen 9 liegt etwas versteckt in der Mitte von Shibu. Geschafft. Ich habe alle Onsen besucht. Ich treffe wieder auf den Festzug. Mehr Sake. Die beiden Gläser vonrhin zusammen mit dem heißen Wasser habe Wirkung gezeigt. Jetzt ist die Gefahr gebannt. Keine Onsen mehr. Viele sind begeistert, daß mein Towel komplett ist. Alle sagen mir, daß ich jetzt noch die Tempel besuchen muß. Erst dann ist die Tour wirklich vollständig. Aber zuerst genieße ich den Moment und noch etwas Sake.

Jetzt schnell den Schlüssel zurückgeben. Schrein 1 und quer durch die Stadt zum zweiten. Stufen rauf. Feuerlicher Moment. Der letzte Stempel. Komplett. Ich stehe nur mit Yuakata und Handtuch bekleidet vor dem Tempel. Die Grillen zirpen. Kurze Pause. Den Moment genießen.

Auf dem Weg zurück durch Shibu treffe ich auf Japaner, die erst die Hälfte geschafft haben. Es gibt ein kurzes Gespräch. Kurz bevor ich das Altstadtviertel verlasse treffe ich auf eine weitere Gruppe, die auch schon beim Festumzug dabei war. Die Herren in Feierstimmung. Das komplette Handtuch wird bewundert, dann die freche Frage nach der Kleidungsvorschrift. Die Frage, ob ich freeballer bin. Natürlich. Der eine fordert Beweise, wird aber von seiner Frau sofort zurückgepfiffen. Die Stimmung ist ausgelassen. Ich werde auf eine Kneipentour eingeladen. Aber ich habe noch den Rückweg und die Sperrstunde des Ryokan vor mir. Ich sage ab. Ein bischen ärgert es mich schon. Aber ich rede mir ein, daß ich das Blatt nicht überreizen sollte. Der Abend ist perfekt so wie er ist.

Für einen Stop in Dining With reicht es allemal und Hunger habe ich auch. Spagetthi Carbonara. Alles wieder frisch zubereitet. Dazu ein Guinness. Ich trage immer noch die Yukata und werde irgendwie sofort zum Mittelpunkt des Geschehens. Fotos werden gemacht. Dann steht die Sperrstunde unmittelbar bevor.

Randnotiz:

  • Fazit: Wanderung Mittelmaß, der Abend in Shibuoya ein voller Erfolg. Die Atmosphäre in der der Altstadtstraße mit den Badehäusern und dem Festzug läuft dem Mozu-Matsuri den Rang ab.
  • Shibuonsen / 2. Sonntag im Oktober / merken.