Jumper (Film) … Was jetzt, Ginza oder Shibuya?

Ich habe den Film Jumpers noch mal gesichtet. Das Ding hat mehr Fehler als nur diese Ginza-Shibuya-Szene, auf die ich noch zu sprechen kommen werde. Bereiten wir das Ganze chronologisch auf. Der Japanspaß beginnt in Minute 58 …

1 — Wilkommen in Shibuya; WTF

Die erste Szenen nach dem Jump nach Tokyo zeigt eine Zuglinie im Hintergrund auf einem Viadukt mit Rundbögen. Meine erste Vermutung war daher: Yamanote-Linie irgendwo im Abschnitt zwischen Shimbashi und Tokyo. Das der einzige Abschnitt, den ich kenne, mit solchen Bögen.

Ich finde eine Straße bei Koordinate MQF6+77 mit einem ähnlichne Blick auf ein Viadukt und der Straßenbelag in der Gasse stimmt. Aber die Hausfassaden sind falsch und der Laternenpfahl aus Beton fehlt. Ich stehe vor einem Rätsel.

Mir bleibt wohl nichts anderes als die Bahnlinien in Tokyo abzulaufen. So viele Viadukte kann es ja nicht geben. Und die werden auch nicht irgendwo am Arsch der Welt gedreht haben. Ich werde dran bleiben …

Die Bar ist übrigens typisch für Tokyo/Japan. Etwas rumpelig, aber gemütlich.

Und Cut. Plötzlich steht David in Shibuya. WTF. Äh, was? Ich weiß, dass kleine Gassen in Tokyo auch mal in 8-spurige Verkehrsachsen münden, aber dieser Cut ist zu abrupt. Nichts stimmt. Wo ist die Gasse gebleiben? Sie müsste nnoch zu sehen sien. Die Laustärke ist falsch. Der Straßenlärm ist anders.

War das jetzt ein Jump? Mit dem Chaos, das folgt, kann man sich nicht sicher sein.

Egal. Er steht an der Shibuya Scramble Square. Am Ende des diagonalen Zebrastreifens, gegenüber vom Hachiko-Eingang der JR Shibuya Station. Im Hintergrund sieht man die Eisenbahnbrücke von Shibuya. Der Schrift ist nicht komplett. Es ist aber die einzige in dieser Art beschriftete Brücke in Tokyo. Ein 90°-Schwenk und man blickt auf die Fußgängerüberführung. Zum besseren Verständnis habe ich einen Screenshot von google-Streetview beigefügt.

Hier zwei Bilder von mir: (A) David steht im Prinzip vrom Starbucks. Ich slebst stehe auf der Fußgängerbrücke. (B) Hier stehe ich an der Scramble Square. Man sieht die Fußgängerbrücke. David stand auf der anderen Staßenseite.

Fazit: Shibuya ist soweit OK. Aber der Cut aus der Nebenstraße. NEIN. I call bullshit. Jump oder nicht. Außerdem: Wieso landet David in der Küche von dem Izakaya. Er kann doch nur an Orte, die er kennt, oder?

3 — Wieso Ginza Station?

Gleich die nächste Szene: Das sind die Korridore der Ginza Station. Die kenne ich ganz gut, da sie an der Ginza-Line liegt. Ein weiterer Beweis ist die Straßenkarte (Norden ist auf der Karte links unten) und in einer Szene zuvor war ein Wegweiser zum Bahnsteig der Marunouchi-Linie, die hier einen Haltepunkt hat.

Griffin hat einen Jump hierher gemacht. Aber wiese ist David plötzlich hier? Selbst wenn es weiterer Jump  war, konnte er nicht wissen, dass Griffin hier ist.

Der gezeigte Zugang zur U-Bahn ist auch A8, der direkt an der vorherigen Szene (Hinweisschilder an der Decke) liegt und auch zu den nachfolgenden Ginza-Szenen passt. Heute sind die Eingänge aber komplett aus Glas. Ich kenne aber noch diese Version mit den weißen Kacheln.

Fazit: Ginza Station ist ok, nur die Filmlogi stimmt mal wieder nicht.

Fun Fact: Der Film ist von 2008. Man sieht auf dem Stationsschild, dass die Haltepunkte der drei hier fahrenden Linien bereits Nummern haben; G-09, H-08, M-16. Bei meinem ersten Besuch 2004 gab es die Nummern noch nicht. Mittlerweile (2020) sind nicht nur die U-Bahn-Stationen nummeriert worden, sondern auch alle Bahnstationen und Tokyo und landesweit!

3 — Was jetzt? Ginza oder Shibuya?

Und jetzt beginnt das Problem, das ich mit diesem Film habe! Alle Aufnahmen von vorne stammen von der Ginza. Alle Aufnahme von hinten  stammen aus Shibuya. Schaut es euch an! Selbst wenn man beide Orte nicht kennt, merkt man sofort, dass die Gebäude nicht passen.

(1) Ausgang A8 Ginza Station. Der Name steht auf dem Schild: „Ginza Sta.“ (2) Shibuya Scramble Square. Das Bild ist in jedem Reiseführer unter der Überschrift „Shibuya“ zu finden. (Die Fußgängerbrücke hatten wir eben schon. (3) Ginza; Chuo-Dori Ecke 4-chome. Der Gebäude im Hintergrund ist Mitsukoshi Department Store (direkt am Ausgang A8). An dieser Kreuzung steht auch das Wako Building mit der Turmuhr, die das Wahrzeichen von Ginza ist. (4) Shibuya. Die Eisenbahnbrücke haten wir schon. (5) Ginza (6) Shibuya (7) Ginza. Obwohl anzumerken ist, dass Mercedes dort keine Verkaufsräume mehr hat. 2004 waren die noch dort. Daran kann ich mich erinnern. Aber die haben mittlerweile einiges umgebaut.

Fazit: Hier wurde zwei Takes von verschiedenen Orten völlig grundlos zusammengeschnippelt.Warum. Es gab keinen Grund für die Ginza, außer dem Productplacement von Mercedes. Aber dann gibt es keinen Grund für Shibuya. Ich verstehe es nicht.

4 — Ohne Navi durch Tokyo

Die vorherige Szene endete damit, dass die beiden einen Benz klauen. Die Fahrstrecke ist ein wenig, naja, sagen wir mal, chaotisch.

(1) Das ist Akihabara. Von dem Gebäude links habe ich so einige Bilder. Im Hintergrund lässt sich die berühmte grüne Eisenbahnbrücke ausmachen. Die beiden fahren in Richtung Ueno. (mein Revier). Die Straße liegt in Verlängerung der Ginza. Bis hier ist also die Logik gewahrt.

(2) Diese Brücke kann ich dank des Brückenpfeilers zuordnen. Das ist die große Eisenbahnbrücke nördlich von Shinjuku-Eki. Ich stelle mich schon mal auf sinnlose Aneinanderreihung weiterer Szenen ein. Hinter der Brücke sieht man die Yasukunidori mit Godzilla Road und Kabukicho. Rechts (nicht im Bild) ist der Eingang zur Omoide Yokocho.

(3) Diese Szene stammt aus der Yasukunidori in Shinjuku und passt zur Szene 2. Wow. Kontinuität.

Hinweis: Die große Reklame von Epson findet man heute nicht mehr, aber ich kenne sie noch. Sie ist auch in dem Film „Lost in Translation“ zu sehen. Ein passendes Foto habe habe ich nicht. (Ich fotografierte immer von der Brücke kommend in die andere Richtung.) Die „Skyline“ links in meinem Bild ist im Film  rechts zu sehen. Mit etwas Fantasie kriegt man die Leuchtreklame sogar zugeordnet.

(4) Tja, und dann sind wir auch schon wieder in Ueno. Die Szene liegt in Verlängerung von Akihabara aus Szene 1.

Rechts sieht man die Baustelle die mindestens von 2004 bis 2010 existierte. Die haben hier unter der Straße eine mehrstöckiges Parkhaus mit Zugängen zu diversen Bahn- und U-Bahn-Stationen gebaut. In meinen Reiseblogs finden sich immer wieder verweise auf diese Baustelle.

Links sieht man den Eingang zur Keisei-Ueno-Station. Von hier fahren Züge der Bahnhgesellschaft Keisei direkt zum Narita Airport. Das ist der Bahnhof, an dem ich 2004 zum ersten Mal einen Fuß auf Tokyoter Boden gesetzt habe. Links im Hintergrund, das Gebäude mit den weißen Bögen, wurd komplett umgebaut. Auf meinem zweiten Bild sieht man den Neubau und rechts den Eingang zu JR Ueno Eki. Hier würde man ankommen, wenn man mit der Japan Rail von Narita aus nach Tokyo reist.

(5) Die Szene ist auch Ueno. Jedoch, dieser Ort liegt ziemlich genau zwischen der Szene 4 (Keisei-Ueno-Station) und Szene 1 (Akihabara). Fahrtrichtung und Straße passen. Die haben hier die Reihenfolge verdreht.

Auf meiner allerersten Reise war die Straßengabelung, die man im Hintergrund sieht, eine Wegmarke auf dem Weg zu Hotel Edoya.

(6) Jetzt sind wir zurück in Akihabara und, zwar noch vor der ersten Szene, zwischen der grünen Bahnbrücke und der Mansaibashi. Immerhin: Die Straße ist immer noch korrekt.

Ishimaru gibt es nicht mehr. Das ist jetzt Hobby Paradise. Die Kreuzung rechts im Bild ist direkt vor der Manseibashi. Die Blickrichtung ist also gen Süden. Ich muss mal schauen, ob ich den Blickwinkel von der Bahnlinie aus nachstellen kann.

Ich habe mal zwei Bilder von mir ergänzt. Wie man sieht, hat der Besitzer des Gebäudes (und auch der Nachbargebäude) mehrfach gewechselt. Man kann das nur noch über die Fensterfront und das Layout der Kreuzung zuordnen. — Jedes Mal, wenn ich nach Akihbara gehe, ist irgendetwas anders als vorher.

(7) Das ist auch Akihbara, aufgenommen zwischen Szene 6 und 1. Und ich habe sogar ein Foto von diesem DVD-Laden. Das nenne ich mal Zufall.

(8) Und wieder Akihbara, etwa auf Höhe von Szene 1. (9) ist ein Stück weiter in Richtung Szene 5. Hier ist Electronic Town Akihbara eigentlich zu Ende. In der Straßenkarte wäre das grob auf der Höhe der U-Bahn-Station Suehirocho (Ginza-Line), die ich immer benutze. Hote Edoya ist grob 500m rechts.

Fazit: Ignorieren wir diese beiden Szenen aus Shinjuku, die in sich schlüssig sind, stammen alle Akihabara-Ueno-Szenen aus einer Einstellung. Die Fahrtrichtung passen und alle gezeigten Szenen liegen in einer Straße, die prinzipiell eine Verlängerung der Chuodori der Ginza ist, wo sie das Auto geklaut haben. Die haben nur die einzelnen Szenen durcheinandergewürfelt. Die korrekte Reihenfolge der Szenen wäre: 6 –> 1 –> 7 –> 8 –> 9 –> 5 –> 4

5 — Ein bischen Rainbow

Natürlich darf in einem Film mit Tokyo die Rainbowbridge nicht fehlen. Sie ist wirklich eines der Wahrzeichen dieser Stadt und überspannt die weite Flussmündung des Sumidagwa. Hier begann früher die Tokyobucht. Heute startet die Bucht etwa 4 km südlich, da viel Land aufgeschüttet wurde.

Die Szenen sind nicht zu beanstanden. Die zweite Einstellung stammt aus der Auffahrrampe auf der Ostseite (Odaiba). Rechts sieht man ein Stück vom Odaiba Beach.

Allerdings suggeriert die erste Einstellung, dass man in die gezeigte Richtung über die Brück fährt und die nächste Szene auf der anderen Flusseite spielt. Die Szene wurde aber in Fahrtrichtung vor der Brücke gedreht. Immerhin. Die Fahrtrichtung stimmt.

Fazit: Hier kann ich jetzt nicht meckern.


Alles in allem sind die Tokyoszenen durcheinander  gewürfelt. Gedreht wurde in Shibuya, Shinjuku, Ginza, Akihara/Ueno sowie auf der Rainbow Bridge. Wer alle Orte kennt hat bei jedem Schnitt einen WTF-Moment. Wasabi hat es besser gemacht. Die haben einem zwar Akihabara als Shinjuku verkauft, aber die Szenen war insgesamt schlüssig.

Als nächstes kümmere ich mich um „Lost in Translation“.

Wasabi (Film)

Die Langeweile hat mich gepackt und so habe ich mir den Film Wasabi angeschaut; eine japanisch-franzözische Produktion aus dem Jahr 2001 mit Jean Reno in der Hauptrolle. Fazit: Kann man mal gesehen haben.

Aber wie ihr ahnt, ist das nicht der Grund, warum der Film einen Blog eintrag Wert ist. Er war eine der ersten Szenen in Japan. Die Hauptfigur Hubert Florentini (gespielt von Jean Reno) sagt, dass er nach Shinjuku muss. Momo (gespielt von Michel Muller) macht ein Anspielung, dass dies der Rotlichtbezirk von Tokyo ist.

Nun … ja und nein. Shinjuku ist eine Stadteil mit vielen Gesichtern. Hier stehen die hohen Wolkenkratzer und das Government Building. Aber es gibt auch den Bezirk Kabukicho, der 2001 noch durch und durch „Adult Entertainment“ bot, quasi die Reeperbahn und Hebertstraße von Tokyo. Heute ist Kabukicho familientauglich.

I call bullshit !

Was mich auf die Palme brachte waren die Szenen danach. Wa fing harmlos an. Eine Montage, wie die beiden nach Japan fahren; ein Hubschrauberblick auf die Rainbow Bridge (die zu diesem Zeitpunkt erst wenige Jahre alt ist) Und fährt der Wagen links ran. Dem Kontext folgend müsste es Shinjuku sein. Aber …

Sorry Leute. I call bullshit. Das ist Akihabara. Die grüne Brücke ist so bekannt; ein Ikone von Akihabara. Da könnte man auch den Kölner Dom zeigen und sagen, man ist in Hamburg.

Interessant sind die drei Bäume. Die sind mir vorher nie aufgefallen. Die linken beiden sind gut gewachsen in den 15 Jahren zwischen dem Film und meinem Foto. Der dritte scheint ein Ersatz zu sein. Er ist gefühlt kleiner als die 2001er Version.

Ab jetzt werde ich auf jede Szene achten …

Unerwarteter Schrein

Und ich traue meinen Augen nicht. Die Szene nach der Beerdigung wurde tatsächlich im Yushima Tenmangu gedreht.Ich habe es beim ersten Blick nicht geglaubt. Man sieht nicht viel, aber ich kenne diesen Schrein wie meine Hosentasche.Die Brücke im Hintergrund ist eindeutig.

Der Yushima Tenmangu ist fußläufig von Akihabara entfernt und liegt nur 300m vom meinem Hotel entfernt. Er hat eine schöne Optik und er liegt nicht direkt auf den touristischen Pfaden. Ich kann verstehen, warum er für den Dreh ausgewählt wurde. Ich fühle mich geehrt. Immerhin ist mein Kamidana in diesem Schrein registriert.

Die restlichen Szenen sind weder eine Überraschung, noch gibt es große Fehler. Ich erkenne unter anderem Ginza und Shinjuku. Ziemlich zum Schluss gibt es noch eine Szene am Kiyomizudera in Kyoto.

Allerdings: Ich bin mir ziemlich sicher, dass das im Hintergrund des folgendes Bildes die Yasukunidori in Shinjuku ist. Abschließend beweisen kann ich es nicht, aber die Reklama auf den Dächern ist in dieser Dichte typisch für diese Straße, von der die Godzilla Road und Kabukicho abzweigen. Ich kann mich natürlich auch irren. Die Szene ist kaum mehr als eine Sekunde lang.

Aber wenn es Shinjuku ist, dann ist da keine Driving Range !!

Hintergrund der Szene: Eine kleine Auseinandersetzung mit der Yakuza auf einer Driving Range, in deren Verlauf eine Handgranate versehentlich hoch gezündet wird und zu dieser panischen Flucht führt.

Ich bezweifle auch, dass es eine so große Golfanlage innerhalb bzw. Nahe des Yamanoteringes gibt. Die meisten innerstädtischen Anlagen sind auf den Dächern von Hochhäusern gebaut und durch Netze auf die Grundstücksfläche beschränkt. Keine Drinving Range ist im Bogen gebaut oder hat eine größe von 150m.

Das Zuboraya scheitert an COVID-19

Als es losging habe ich gesagt, dass die Pleitewelle im September beginnnen wird. Dass es in Deutschland noch nicht soweit ist, liegt einzig daran, dass die Isolvenzregeln außer Kraft gesetzt wurden. Das wird die Lage aber nur verschieben und nicht beheben.

Famed Osaka fugu restaurants to call it quits after a century
(The Asahi Shimbun, 04.09.2020)

Famed Osaka fugu restaurants to call it quits after a century : The Asahi Shimbun

Source: www.asahi.com/ajw/articles/13452353

In Japan ist das anders. Dort sind bereits viele Geschäfte, Bars und Restaurant von der Bildfläche verschwunden. Alles unter dem Radar der Öffnetlichkeit. Bis jetzt. Asahi Shinbun meldete vor ein paar Tagen, dass das Zuboraya in Osaka für immer seine Pforten geschlossen hat.

Gegründet 1920 hat es seinen 100. Geburtstag nicht mehr feiern können. Berühmt wurde das Restaurant, welches Fugu (Kugelfisch) auf der Speisekarte hatte, wegen seines großen Lampion. Das Restaurant lag in der Shinsekai, der brühmten Straße am Tsutenkaku. Der Fisch hat es sogar in den ein oder anderen Anime geschafft (werde das bei Gelegenheit nachreichen). Er war neben dem Tsutenkaku eines der Wahrzeichen der Shinsekai, und auch von Osaka.

Ich habe mein Archiv durchwühlt., habe den Lampion aber nur auf einzelnen  Aufnahmen im Hintergrund gefunden. Ich bin ein Idiot. Ich habe es geschafft neben dem Glyco Man auch die Glyco Women zu fotografieren, aber ein gutes Foto vom Zuboraya? Fehlanzeige. Ich kann nur noch hoffen, dass von 2004 ein Dia existiert, das ich noch nicht gescannt habe. Die Chance ist aber in einer Epsilonumgebung um die Null herum.

Und jetzt wird es keine Chance mehr geben. Das Restaurant ist weg. Für immer. Der Fisch ist abgebaut. Für immer. Er wird auch nicht wiederkommen, da sich den Gesetzgebung geändert hat und die Größe heute als Außenwerbung nicht mehr erlaubt ist.

Wer den Fisch kennt, aber das Gefühl hat, dass ein Foto irgendwie anders aussieht, hat recht. Es gab mittlerweile mehrere Restaurants. Neben dem Hauptsitz in der Shinsekai, gab es u.a. eine Zweigstelle in der Dotomburi. Auch dieses  ist jetzt für immer geschlossen.

Als Wahrzeichen bleiben uns jetzt der Glyco Man, der Agry Chef des Kushikatsu Daruma, Billy-ken und die Colonel Sanders Statue, von der ich noch kein Foto habe .


Zum Abschluss noch ein kurzer Japanischkurs: Das -ya am Ende von Zuboraya steht für Geschäft oder Kneipe, vom findet es auch  in Worten wie Sakeya (Sake-Geschäft), Sakanaya (Fischgeschäft), Ochaya (Teegeschäft) und Izakaya (Kneipe; das zaka leitet sich wie man ahnen kann von Sake ab). Zubora heißt übersetzt schlampig, schmudellig oder salopp.

Dieses Restaurant richtete sich an Arbeiter und einfache Leute. Man konnte in lässiger Kleidung erscheinen und musste auch nicht über perfekte Tischmanieren verfügen … Immer daran denken, das Restaurant wurde 1920 gegründet. Das waren andere Zeiten: keine Krawatte hieß kein Bedienung.


Sarkastische Fußnote zu COVID-19: In Deutschland gab es heute 988 Neuinfektionen (1,2 Personen pro 100.000 Einwohner). Japan hatte 599 (0,47 pro 100.000 Einwohner). Und trotzdem wird von der Bundesregierung empfohlen, lieber in Deutschland Urlaub zu machen, weil es sicherer ist. Ja ne, ist klar …

Warum die ganzen Artikel über Brücken …

Motiviert zu den Artikeln über Nihonbashigawa und Kandagawa hat mich eine Aktion von Riverbaot Mizuha während des COVID19-Lockdown. Sie erstellten ein Video mit 34 Brücken, die man erraten sollte.

ひたすら橋をくぐる動画です。しめて34橋。あなたはいくつわかるでしょう?
Sequence of passing under 34 bridges. How many bridges can you identify?

Es hat mich 4 Nächte gekostet, in denen ich eigene Fotos durchsucht und google-maps konsultiert habe. Mein Vorteil war: Ich habe bereits 3 Touren mit Mizuha gemacht und bin auch den Sumidagawa schon mehrfahr entlang gefahren.

Ich mache es kurz: Ich bin der Erste und bislang Einzige, der alle 34 Brücken identifizieren konnte.

Und da ich auf der Suche nach den Namen der Brücken feststellte, dass es keine nicht-japanische Seite darüber gibt, habe ich angefangen die Informationen zusammenzutragen. Die Seiten zu den Brücken des Sumidagawa gab es schon. Die Seiten zu den Flüssen Nihonbashigawa, Kandagawa und Kamiejimagawa folgten jetzt während des LockDowns. Insgesamt sind bestimmt 3 Wochen an Arbeit in die Texte geflossen. –> Und sie sind nnoch lange nicht feritg. Dieser Text hier hat immer noch einzelne Puzzleteile, die nicht zusammenpassen wollen.

Jeder, der Informationen hat, kann gerne über die Kommentarfunktion Kontakt zu mir aufnehmen …

亀島川の橋 .. Brücken des Kamejimagawa

Es gibt einen Nebenfluss, der vom Nihonbashigawa abzweigt und ebenfalls in den Sumidagawa mündet. Es ist der Kameshimagawa. Um die Brücken zu verstehen, muss man die Geschichte des Flusses kennen.

亀島川 .. Kamejimagawa

Die Insel, die von Nihonbashigawa, Sumidagawa und Kamejimagawa umgeben ist, ist eine künstliche Insel. Zuvor war dies eine sumpfige und schilfreiche Gegend. Die Insel wurde vor der Edozeit (ein Datum habe ich nicht)  vom Priester Reigan Shinon (?) aufgeschüttet, um darauf den Tempel Reigan-ji zu bauen. Zwischen dem Festland und der neuen Insel wurde ein Kanal belassen, der Kamejimagawa. Dies war die Zeit der ersten Brücken. (Reiganbashi)

Der Tempel brannte zu Beginn der Edozeit nieder. Die Ursache des Feuers ist unklar, aber manche vermuten, dass dies ein Teil der Stadtentwicklung des Shogunats war. Es scheint was dran zu sein, denn ein Großteil der Insel war ab 1635 Teil der Residenz von Matsudaira Echizen, dem Lord von Fukui. Die Insel war daher auch unter dem Namen Echizenbori bekannt. Es folgten weitere Brücken. (Takahashi, Kameshimabashi)

In der Meiji-Ära (1868-1912) wurde der Gelände in Privatbesitz umgewandelt. Händler und Produzenten bauten Lagerhäuser für Reis und Sake. Dadurch stieg das Verkehrsaufkommen zur Insel und macht zusätzliche Brücken notwendig (Shinkameshimabashi).

Die letzte Ergänzung an Brücken erfolgte im Rahmen des Wiederaufbauprogramms nach dem großen Kantoerdbeben von 1923. (Minamitakahashi)

Heute besitzt der Kamejimagawa am Anfang und Ende mächtige Fluttore, die ihn gegen Sturmfluten zum Nihonbashigawa und Sumidagawa abriegeln. Bei normalen Tidenhub sind sie geöffnet. Die Uferböschung ist vergleichsweise flach. Die Hochhäuser links und rechts vom Fluss sind Eigentumswohnungen, die unter dem Stichwort „River City“ laufen. Die Preise kann man nur raten.

Der Fluss ist kurz, wird aber von vielen Touristenbooten benutzt, da er nicht vom Expressway überbaut und die flache, wassernahe Böschung idyllisch gegenüber den hoch eingemauerten Kandagawa und Nihonbashigawa ist.

南高橋 .. Minami-taka-hashi
    • erste und aktuelle Brücke: 01/1931 – 03/1932
    •  einfache Plattform-Fachwerkbrücke
    • Länge: 63,1 m / Breite: 11,0 m
    • Links: [ameblo.jp]

Die Brücke war Teil des Wiederaufbauprogramms. Aufgrund von Haushaltsengpässen entschied die Verwaltung den zentralen Bogen der Fachwerkbrücke Ryogokubashi wieder zu verwenden. Die Fachwerkbrücke wurde 1904 durch einen Neubau ersetzt. Allerdings wurde die Höhe reduziert und auch die Breite auf etwaein Drittel reduziert.

Im Prinzip ist durch die Minamitakahashi eine der stählernen Fachwerkbrücken der Meiji-Ära (1868-1912) erhalten geblieben. Damit ist es die älteste Autobrücke und Eisenbrücke in ganz Tokyo. Sie ist zudem die6-älteste Stahlfachwerkbrücke Japans. (Keine Ahnung wo die Eins bis Fünf sind.) Seit 2016 ist die Brücke Teil des Kulturerbes des Bauwesens in Japan.

高橋 .. Taka-hashi

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    • erste Brücke: frühe Edo-Zeit (Anfang 17. Jahrhundert)
    • aktuelle (4.) Brücke: 03/1984 (1983?)
    • Stahlplatten-Kastenträgerbrücke
    • Länge: 34,7 m / Breite: 23,8 m
    • Links: [mport][tokuhain.chuo-kanko][blog.goo.ne.jp]

Die Geschichte der Brückenmaterials beginnt in der Nähe des Otemon von Edo Castle. Die Brücke wurde irgendwann an den Kamejimagawa verlegt. Leider habe ich noch nicht heraus gefunden, was genau in der Vergangenheit abgelaufen ist. Der Name stammt von dieser ersten Brücke, die hoch genung war, dass Schiffe sie passieren konnten. Der Sage nach nutzen die 47 Ronin die Brücke auf dem Rückzug von ihren Racheangriff zum Sengaku-ji.

Im Jahr 1882 wurde die Brücke durch eine schwarze Hängebrücke ersetzt. Es soll die zweite Eisenbrücke in Tokyo gewesen sein.Sie war die erste Brücke dieser Art eines japanischen Ingenieurs: Kaname Haraguchi. Neben der aktuellen Brücke soll noch ein Pfeiler von einer Betonbrücke existieren, die hier 1919 gebaut wurde. 1984 folgte dann die aktuelle Brücke ersetzt wurde.

Trivia: Gleich neben der Brücke ist das Hauptquartier der Kirin Brauerei.

Direkt am Westufer der Brücke liegt der Ausgang B4 der Hatchibori Station (Keiyo-Line; mit Übergang zur Hibiya Line).

亀島橋 .. Kameshima-bashi
    • erste Brücke: 1699
    • aktuelle Brücke: 2002
    • Stahlbrücke
    • Länge: 32,4 m
    • Links: [4travel.jp][mport]

Ich eine einzelne Textstelle gefunden, die die erste Brücke an dieser Stelle auf 1699 datiert. Es die gleiche Quelle, die den Weg der 47 Ronin über diese Brücke verortet. Ein Neubau der Brücke soll 1929 erfolgt sein. Obwohl die aktuelle Brücke von 2002 und damit relativ neu ist, hat die Brücke ein altmodische Design mit teilweise interessanter Dekorationen, die an Schildkröten erinnern. Entweder kommt daher der Name der Brücke oder es gibt die Dekoration wegen des Namen. Hmmm.

Trivia: Der Uferbereich hieß in der Vergangenheit Hibiya. Vom damaligen Namen gibt es, abgesehen vom Hibiya Inari Jinja keinen Zeugen mehr. Aber die hier entlang führende U-Bahn-Linie trägt den Namen.

Die Straße führt nach Westen direkt auf den Yeasu-Eingang des Tokyo Eki. Zudem liegen zwei Ausgänge der Hatchobori Station (Hibiya Line, mit Übergang zur Hibiya Line) nahe der Brücke. Ach ja, da sollte irgendwo ein Geocache sein.

新亀島橋 .. Shin-Kameshima-bashi

Die erste Shinkameshimabashi wurde in Meiji-Zeit gebaut, als der Verkehr im Zuge der Privatisierung des Inselgeländes zunahm. Diese erste Brücke war eine 27m lange und 5,4 breite Holzbrücke. Eine neue Stahlträgerbrücke wurde 1926 im Rahmen des Wiederaufbaupgramms nach dem Kantobeben gebaut. 1995 wurde die Brücke erbebensicher gemacht. Das ganze Fahrbahnebene wurde dabei erneuert. Die Geländer tragen jetzt Motive von Booten, um an die Geschichte der Gegend zuerinnern.

霊岸橋 .. Reigan-bashi

Der Name der Brücke leitet sich von alten Namen der Insel ab. Die Reiganbashi war die erste Brücke auf die Insel.

Direkt am Nordufer der Brücke endet die U-Bahnstation Kayabacho der Hibiya-Line. Die Station ist damit nur ein paar hundert Meter von der Hatchibori Station entfernt. Die Station ist auch ein Haltepunkt der Tozai-Linie, die ein paar hundert Meter nordwestlich schon wieder an der Nihonbashi Station hält. Diese Station ist auch Haltepunkt, der parallel zur Hibiya-Linie laufenden Ginza-Linie und Asakusa-Linie. Unterirdisch sind beide Stationen miteinander verbunden. Vom Nordwestende des Nihonbashi Station bis zur Südostende der Kayabacho Station sind es über 1000m. Das das Nordwestende wiederum nur 100m von südöstlichensten Eingang der nächsten Station der Tozai-Linie entfernt ist (Otemachi Station) der nordöstlichster Ausgang kurz vor dem Otemon des Kaiserpalastes ist. Man kann also von der Brücke bis zum Palast bis auf wenige Meter komplett unteririsch laufen.