Mit 8 Stunden Vorsprung zu Europa habe ich das Jahr 2013 eingeläutet.
Es war der 10. Glockenschlag von insgesamt 108 am Tempel Kane-ji.

Keine Region im eigentlichen Sinne. Tokyo gehört zu Kanto. Ich bezeichne also Tokyo aber gerne das Areal, das man schnell mit dem Zug von Ueno/Tokyo erreichen kann. Über „Was ist Tokyo?“ läßt sich streiten. Genau genommen ist es nur das Gebiet am Kaiserpalast. Die Präfektur ist ein weiter gefaßtes Tokyo. Das Ballungsgebiet Tokyo ist wiederum großer als die Präfektur. Bei mir fallen auch Yokohama und Chiba in die „Region Tokyo“. Kamakura und Hakone sind hingegen Kanto.
Mit 8 Stunden Vorsprung zu Europa habe ich das Jahr 2013 eingeläutet.
Es war der 10. Glockenschlag von insgesamt 108 am Tempel Kane-ji.

Viel steht nicht auf dem Plan. Es gibt keinen. Der erste Stop gilt dem Yushima Tenmangu. Danach geht es zum Sumidagawa und weiter zum Schrein, für den ich vor zwei Jahren den Mikoshi getragen habe. Er liegt versteckt in einem Park. Auf dem Weg dorthin mache ich eine Feststellung: Tokyo ist dreckiger als ich es in Erinnerung habe. Auch die Zahl von Pennern (ungepflegte Obdachlose) hat zugenommen.
Weiter zum Sky Tree. Das Ding ist echt hoch. Unten haben sie ein riesiges Shopping Center gebaut. Ich brauche etwas, bis ich kapiere, wie das läuft: Man muß Schlage stehen für einen Platz auf der Warteliste. Es werden gerade „Waiting Tickets“ für 16:30 Uhr ausgegeben, dabei ist nocht nicht einmal 11 Uhr. Für dieses Ticket muß man etwa eine halbe Stunde anstehen und mit diesem Ticket dann erneut für den Kauf des eigentlichen Ticktes. Dazu hat man dann 30 Minuten Zeit. Das ist mir zu blöd. Da geht der ganze Tag für drauf. Fürs Erste ist der Sky Tree von der Liste.
Den Weg zu einem der 8 Metropolitain Garden mache ich vergebens. Über Neujahr ist er geschlossen. Ich gehe über eine der Sumidabrücken weiter in Richtung Tokyo Eki. Jetzt stehe ich an einem der Knotenpunkte der Express Ways knapp östlich von Nihonbashi. Die Autobahn stapelt sich in mehreren Lagen. Hier begreift man wie groß und kompakt Tokyo ist.
Auf meiner 5. Reise endlich besichtige ich alte Bahnhofsgebäude von Tokyo Eki. Es ist ein alter Bau im westlichen Stil der Jahrhundertwende; also vorletzte; ein bischen Deutsch und ein bischen Englisch. An der Touri-Info erhoffe ich mir Tips für das Neujahrsfest, z.B. welcher Tempel sinnvoll ist. Schnell merke ich, daß ich mehr über Tokyo weiß, als die Damen hinterm Tresen. Oder anders gesagt: Meine Fragen sind zu speziell. Mein Wissen über die Tokyo ist jenseits dessen, was der normale Tourist fragt. Ich bin eine Stufe weiter. Ich erfahre zwei nützliche Dinge: Am 2. Januar gibt es am Bahnhof einen Drachentanz und fast nebenan eine Teezeremonie. Das läßt sich ideal mit dem Besuch im Kaiserpalast kombinieren.
Der Tag ist halb rum und war bisher wenig erfolgreich. Er nimmt nach Inuyama Platz 2 auf der Worst-Day-Liste ein. Ich fahre raus nach Shinagawa, zum Tempel mit den Gräbern der 47 Ronin. Der Tempel macht nicht viel her. Der Friedhof ist aber gut besucht. Hunderte Räucherstäbchen brennen hier an den Grabsteinen. Die 47 Ronin scheinen für die Japaner wichtiger zu sein, als ich dachte.
Am späten Nachmittag starte ich zu einem Streifzug durch Akihabara. Mein Ziel: Shopping und Maiden Cafes. Hier sind keine Fotos erlaubt. Außerdem bin ich fies, und gebe keinen Bericht. Nur so viel: Man wird mit O-sama oder Master angeredet. Das Ganze ist und bleibt eine merkwürdige Seite der japanischen Kultur. Otaku-Style. Totemo hen.
Um 18 Uhr bin ich zurück am Hotel. Der Chef ist da. Die Rezeptionsdame hatte mir heute morgen versprochen, ihn nach einem Tempel zu fragen. Senno-ji und Zojo-ji sind bestimmt ein Erlebnis um Mitternacht. Aber ich will die Glocke läuten und dort ist die Chance dafür gleich null. Sein Tip ist der Kane-ji. Er liegt am nörlichen Ende des Ueno-Park. Ich habe noch nie von diesem Tempel gehört und auch der Reiseführer schweigt. Meine Chancen stehen gut, daß es dort keine Touristen gibt.
Ich überbrücke die Zeit mit einem Streifzug durch die Shopping-Straße von Ueno. Es geht hier zu wie auf einem Wochenmarkt. Zu Abend esse ich in einem kleinen Laden, den ich durch Zufall finde. Es gibt Kariage. Im English Pub am Ueno Park treffe ich einen Briten. Wir klönen bis 22 Uhr, dann breche ich zum Tempel auf.
Am Kane-ji ist so gut wie nichts los. Bin ich hier richtig? Die Glocke ist vorbereitet. Davor steht ein Zelt. Eine Dame geht an mir vorbei und „kauft“ ein Ticket mit einer Nummer. Das sieht gut aus. Ich probiere das gleiche. Mein Name wird in ein Tempelbuch eingetragen. Ich bekomme die Nummer 10. Damit ist es offiziell. Ich werde die Tempelglocke läuten.
Kurz nach 11 Uhr werden alle Gäste in den Tempel gebeten. Wir sitzen mit etwa 10 Mann im Tempel und warten. Nach und nach werden es immer mehr. Um 11:30 Uhr beginnt der Priester mit einem Gebet; die anderen Mönche stimmen ein. Man hört eine Trommeln aus dem Hintergrund. Diesen Moment muß man so aufsaugen wie erst ist. Es ist einer der Momente, in denen man den Tourist hinter sich läßt und in das japanische Leben eintacht. Er ist so speziell und einmalig wie das Mikoshi-Tragen 2010 und das Moon-Viewing 2004.
Dann ist es soweit. Es geht zur Glocke. Um Mitternacht erfolgt der erste Gong durch den obersten Priester, dann folgen die anderen Priester. Jetzt dürfen die Zivilisten ran. Gongschlag Nummer 10. Ich bin dran. Ich steige die Stufen nach oben, greife das Seil, hole aus und lasse den Holzstamm gegen den Glock schlagen. Danach bremse ich den Stamm sofort ab, damit er nicht ein zweites Mal trifft. Gekonnt gestoppt. Das war es kurz gefasst. Mehr ist nicht dran. Während die anderen Leute die 108 Glockenschläge komplettieren, trinke ich Sake und unterhalte mich etwas mit den Priestern und Gästen. Eine Feststellung läßt sich machen: Die älteren Semester geben richtig Holz. Mman zuckt bei dem lauten Ton richtig zusammen.
Nach den 108 Schlägen kommen noch ein paar weitere inoffizielle. Jeder Helfer darf einmal die Glocke ertönen lassen. Ich darf auch noch Mal. Dieses Mal mit mehr Schwung. Nach ein paar weiteren Sake gehe ich um 2 Uhr zurück ins Hotel. In der ganzen Zeit ist keine einzige Rakete gestartet worden; keine Partys auf der Straßen. Fast ein Abend wie jeder andere.
Nur am Yushima Tenmangu ist die Hölle los. Die Polizei hat die Straße abgesperrt und es hat sich eine 200m lange Schlange gebildet. So kann man auch Silvester feiern: Schlangestehen, um 100 Yen in eine Holzbox zu werfen.
http://www.youtube.com/watch?v=gHY9t5NDGj0
Für mich hat es sich gelohnt. Ich habe Neujahr schon immer anders gefeiert. Dieses Mal habe ich mich selbst übertroffen. Ich bin einer von 108, die offiziell am Kame-ji das Jahr 2013 (Heisei 25) einläuten durften.
Heute ist der letzte Tag in Japan und auch die letzte Premiere der Neuerungen: Zum ersten Mal werde ich am Abflugtag etwas unternehmen (außer in den Zug zu steigen). Der Tag beginnt mit Einkaufen, Sake und Shochu; dann zum Oriental Bazar (den Tip habe ich gestern am Hikawajina bekommen) zwei Yukata. Und während meine Koffer nach dem Check-out im Nebenraum der Rezeption lagern, begebe ich mich erneut in Richtig Asakusa. Heute ist der Haupttag der dreitägigen Festivitäten, bei denen der Mikoshi (ein tragbarer Schrein) durch die Gemeinde getragen wird.
Da ich mittlerweile bekannt bin, dauert es auch nicht lange und ich selbst trage ein Happi und versuche das Monstrum anzuheben. Es wäre fast beim Versuch geblieben, denn man hat mir das Gewicht verschwiegen. Auch wenn 25 Leute gemeinsam heben, 800kg sind einfach schwer. Meine Körpergröße wird zum Verhängnis: entweder ich gehe aufrecht – in diesem Fall hebe ich die Japaner hinter mir mit hoch und habe das Gewicht von sechs bis sieben Leuten zu tragen – oder ich gehe in die Knie, was diese nicht lange mitmachen.
Nach 100m geht mir die Puste aus. Die Schaukelbewegung während des gehen macht die Sache auch nicht leichter. Ich lasse mich ablösen. Pause. Dann Ehrgeiz, die nächsten 50 Meter. Pause. Das Mikoshi wird abgesetzt und es gibt Verpflegung. So anstrengend hatte ich mir das nicht vorgestellt. Und weiter: Mikoshi tragen und Fotos machen. Ehe ich mich versehe, ist es 17 Uhr. Zum Abschied bekomme ich das Happi gut verpackt als Geschenk. Damit hatte ich nicht gerechnet, bin sprachlos. Damit bin ich wohl der einzige Tourist mit so einem Happi. Der Tag gehört damit definitiv in die Top-5 dieses Urlaubs.
Dann geht alles ziemlich schnell: Letzte U-Bahn-Fahrt auf der Ginza-Line, Koffer abholen, Taxi nach Keisei-Ueno-Eki. Im zug fäkkt mir dann ein, daß mein neues Suburi–Shinai noch im Hotel steht. Verdammt, noch ein Novum: Ich vergesse die Hälfte.
Am Flughafen die nächste Überraschung: Übergewicht, und das mir. Trotz 30kg Freigewicht habe ich 5 Kilo zu viel und jedes Kilo kostet 8000yen (80€). Jetzt heißt es handeln: zwei Gläser Sake raus; Duschgel und Shampoo … reicht nicht … das Fotostativ … 29,8kg … paßt; weg ist der Koffer. Zum Glück wiegen die mein Handgepäck nicht; das hat mehr als 5kg Übergewicht.
Während ich den Sake „entsorge“, schicke ich das Stativ zurück ins Hotel. Irgendwie kriege ich es – und das Shinai – schon nach Deutschland. Ab jetzt ist alles wieder ganz entspannt und – was den Blog betrifft – langweilig. Auf die 8 Stunden Flug folgen 5 Stunden Wartezeit
in Dubai, die ich bei Starbucks verbringe und den Blog und mein Takebuch aktualisiere. Der Starbucks ist ganz am Ende des Terminal. Hier ist so gut wie nichts los. Es folgen weitere 6 Stunden Flug und am Montag um 15 Uhr ist der Urlaubgeschichte. Ein kleiner Umweg über den Zoll, dann warten auf den Traveliner.
Um 17:30 stehe ich vor meiner Haustür: Es regnet. Es sind nur 15 Grad. Morgen ist wieder Arbeit angesagt. Bis zum nächsten Urlaub sind es 23 Monate … Das überlebe ich nicht.
Nachtrag: Das Mikoshitragen hatte übrigens Nebenwirkungen. Beide Schultern blau, Muskelkater und den Beinen und eine Zerrung in der Oberkörpermuskulatur. Aber, das war es Wert.
Kanji-Lexikon: Shochu 焼酎, Yukata 浴衣, Hikawajina 氷川神社, Asakusa 浅草, Mikoshi 神輿, Shinai 竹刀, Happi 法被 oder 半被, Ginza-Sen 銀座線, Keisei-Ueno-Eki 京成上野駅, Suburi 素振り, Sake 酒 (In Japan ist Sake eine Sammelbegriff. Reiswein wird als Nihonshu 日本酒, bezeichnet)
Heute ist der vorletzte Tag. Morgenabend startet der Flieger zurück in die Arbeitswelt. Nach dem Frühstück geht es los Richtung Shinjuku. Statt der Yamanote nehme ich die Marunouchi Line ab Ochanomizu. Das spart 20 Minuten Fahrzeit, wenn man nicht seine Suica vergißt und vom Bahnnhof noch einmal zurück zum Hotel stiefelt. In Shinjuku das gewohnte Chaos aus den Bahnhöfen von drei Bahnlinien, zugehörigen Shoppingcentern, Bürogebäuden und den unterirdischen Verbindungen. Gar nicht so einfach hier den Überblick zu wahren.
Ich mache eine falsche Drehung, stehe mitten im Tobu-Depato und brauche 15 Minuten, bis ich einen bekannten Ort finde, der mir die Orientierung zurückgibt. Jetzt schnell Souveniers kaufen und zu Pentax. Das „schnell“ streichen wir gleich wieder, denn ich finde nicht, was ich suche. Pentax hingegen war ein gute Idee. Diagnose: Autofokussystem und CCD-Chip sind komplett dejustiert, was die Probleme während des Urlaubs erklärt. Die Reparatur würde über 2 Stunden dauern, die ich nicht habe, denn ich will weiter zum Straßenfest (Fortsetzung von gestern).
Da ich die Karte mit der Marschroute fotografiert hatte, finde ich die „Prozession“ schnell, die vor 1 Stunde gestartet ist. Ich werde wiedererkannt und herzlichst begrüßt (hatte wohl keiner damit gerechnet, daß ich vorbeischaue). Der Zug ist relativ klein. Heute sind die Kinder dabei einen Wagen mit Trommel zu ziehen, ein kleiner tragbarer Schrein folgt. Unterstützt werden die kleinen natürlich von den Erwachsenen, die auch die Straße sperren (mitten in Tokyo). Ich bleibe wieder länger als geplant. Es ist einfach so anders als die anderen Feste. Es ist klein und hat eine Menge Lokalkolorit. Es schwebt nicht dieses „für Touristen optimiert“ in der Luft. Es wirkt authentisch und fasziniert.
Um 17 Uhr wechsel ich dann zum Hikawajinja ein. Die Prozession hier ist gerade zu Ende. Ich schaffe es noch, die Festwagen zu fotografieren, dann geht es zum Schrein. Hier erinnert alles an die Vorstellung, die man sich von japanischen Schreinfesten macht (in meinem Fall von diversen Anime geprägt): Lichterketten, traditionelle Musik, Lagerfeuer vor den Stufen zum Schrein, das Zirpen der Grillen, Leute in Kimono und Yukata, kleine Verkaufsstände mit Okonomiyaki und Yakitori. Sogar einer von diesen Ständen ist da, an denen man mit einen kleinen Papierkescher Zierfische angeln kann. Da es mittlerweile dunkel ist, ist die Atmosphäre unglaublich. Nach diesem Gesamteindruck sucht jeder, der nach Japan reist. Umso erstaunlicher, daß der Schrein nicht von Touristen überrannt ist. (Das Fest steht halt nicht im Reiseführer.)
Auch hier ist Bon-Tanz angesagt; aber im großen Stil. Gestern tanzten 15 Leute. Hier sind es über 100, die um die Bühne mit der Trommel schreiten. Ich habe die Tanzschritte und -bewegungen nicht ganz raus. Zusammengefaßt ist es eine Mischung aus Circlepit und TaiChi. Um das Tanzareal die Verkaufsbuden. Der Schrein selbst mit Laternen schön ausgeleuchtet. Alles in allem ein Bilderbuch-Schreinfest. Ich genieße es. Die Zeit vergeht wie im Fluge und um 21 Uhr ist abrupt Schluß. Auch das ist Japan.
Da der restliche Abend genutzt werden will, starte ich Richtung Roppongi, das nur etwa 15 Fußminuten entfernt ist. Wenn ich schon mein Stativ dabei habe, dann ist der Mori Tower Pflicht und so beende ich diesen Tag im 54 Stock mit Weitblick auf Tokyo.
Nachtrag: Zwischen Straßenfest und Hikawa war ich noch kurz bei der Baustelle des neuen Funkturms (dem Tokyo Sky Tree). Nach Aushang haben sie 461m erreicht. Die endgültige Höhe soll 634m werden. 6 (mu), 3 (sa), 4 (shi) = „Musashi“, einen alten Namen für die Gegend, in der der Tokyo Sky Tree steht. Das Ding ist der Kracher. Wie ich die Japaner kenne mit Aussichtsplatform. In zwei Jahren weiß ich mehr…
Kanji-Lexikon: Shinjuku 新宿, Yamanote 山の手, Marunouchi Sen 丸ノ内線, Ochanomizu Eki 御茶ノ水駅, Suica スイカ, Hikawajinja 氷川神社, Kimono 着物, Yukata 浴衣, Okonomiyaki お好み焼き, Yakitori 焼き鳥, Roppongi 六本木, Roppongi Hill Mori Tower 六本木ヒルズ森タワー, Tokyo 東京, Tokyo Sky Tree 東京スカイツリー, Tokyo 東京
Heute steht einer der letzten traditionellen Gärten Tokyos auf dem Plan, der in meiner Liste noch fehlt. Er befindet sich gleich neben der Bahnstation Hamatsuscho. (Hier bin ich mit der Monorail zum Haneda-Airport gestartet.) Obwohl so günstig gelegen, habe ich ihn noch nie besucht. Auf dem Bahnsteig des Bahnhofs steht ein „Männeken Pis„, in monatlich wechselnder Kleidung. Aber wen wunderts, in Kawaguchiko stehen die Bremer Stadtmusikanten; Japan halt.
Vorher aber zum Zojoji. Der fehlt mir auch noch, oder? Als ich vor ihm stehe, beschleicht mich ein Dejavu. Eventuell war ich bei meiner ersten Reise hier. Der Zojoji ist einer der großen buddhistischen Tempel in Tokyo, kann aber mit der Popularität des Sensouji (Asakusa) nicht mithalten. Gleich hinter dem Tempel steht der Tokyo Tower, den ich schnell noch besuche. Dann aber zum Garten.
Der Shiba-Rikyu-Garten ist wieder einer von denen, in denen man vergißt, daß man sich in Tokyo befindet. Der Teich und die Landschaft um ihn herum bieten alle paar Meter eine neue interessante Perspektive, die man fotografieren möchte. Und er bietet den typischen Toyko-Kontrast zwischen japanischem Garten und Hochhäusern im Hintergrund, zwischen dem Gluckern des Wasserlaufs und dem Grummeln des Shinkansen, der nur ein paar Meter entfernt vorbeizieht. Der Garten ist so toll, daß ich hier knapp 2 Stunden verbringe und den Tag genieße (kühle 30 Grad, Sonnenschein pur).
Um 19 Uhr (ich weiß hier klafft eine Lücke) starte ich zum Sumo. Dummerweise verwechsele ich die Brücken über den Sumida und verzetteln mich in den engen Gassen von Sumidaku. Kurz gesagt: Arghh. Mir fällt eine kleine, mit Laternen geschmückte Kreuzung auf. In der Mitte steht eine 1x1m große Bühne mit einer Trommel. Hier passiert gleich was. Nur was?
Es ist der Auftakt zu einem 3-tätigem (naja, der erste Tag ja schon rum) lokalen Schrein- und Straßenfest. Heute abend ist Bon-Tanz angesagt. Ich bleibe, denn im Vergleich zu den anderen Festen ist das hier echtes Japan. Es gibt keine große Bühne, kein Fernsehen, keine Touristen (außer mir). Athentisch. Ich lasse das Sumo sausen, weil ich das Gefühl habe ich sollte genau jetzt genau hier sein. Einer der Momente, die ich in jedem Urlaub suche.
Ich komme mit zwei älteren Herren uns Gespräch. Die Einladung zu einem Bier schlage ich da nicht aus und erfahre, was die nächsten zwei Tage passiert. Nichts Großes, aber genau das reizt mich und ich überlege, wie ich meine Pläne modifizieren kann. Der Tag endet völlig unerwartet in gemütlicher Runde mit Leuten, die ich nicht einmal mit Namen kenne.
Auch das war ein Plan für diesen Urlaub, Dinge einfach geschehen lassen und schauen wohin sie führen. Am Ende hat man eine unwiederholbare Urlaubserinnerung mehr.
Fazit: Zojoji und Tokyo Tower sind Touristen-Pflichtprogramm. Aber nicht der Burner. Ich empfehle für Tempel den großen Tempel in Asakusa. Und man sollte unbedingt die Gärten in Tokyo besuchen. Wenn schon nicht alle, dann die Gärten die verkehrsgünstig liegen: Shiba-Rikyu-Garten, Hamarikyu-Teien und den Garten am Tokyo Dome.
externer Link: Fotos von den Gärten in Tokyo
https://www.youtube.com/watch?v=K745q2ha5XE
Kanji-Lexikon: Tokyo 東京, Hamatsuscho 浜松町駅, Monorail モノレール, Haneda-Airport 東京国際空港, Kawaguchiko 河口湖, San’en san zojoji 三縁山増上寺, Sensouji 浅草寺, Asakusa 浅草, Tokyo Tower 東京タワー, Shinkansen 新幹線, Sumo 相撲 bzw. 大相撲, Sumidaku 墨田区, Sumida 隅田川, Shiba-Rikyu-Garten 旧芝離宮恩賜庭園