Archiv der Kategorie: Lexikon

Only In Japan

Eine meiner Inspirationen für Japan und gerade auch für Tokyo stammt vom Youtube-Kanal „Only in Japan“. Nun hatte ich gerade einen Eintrag zu Tokyo Station geschrieben, ohne zu Wissen, dass vor drei Monaten ein Video auf dem Kanal erschien, das am Banhhof beginnt. Ich poste das mal an dieser Stelle ganz dominant. Ich werde das Video später wegsortieren.

Zu sehen ist der Yeasu-Eingang des Bahnhofes. Also genau genau die Rückseite vom letzten Post. Yeasu ist der neue, moderne Eingang. Und meine Herren, hat der sich verändert. Noch Mal zur Erinnerung: Als ich 2004 zum ersten Mal in Tokyo Station ankam war alles eine Baustelle und ich habe damals wirklich den Yaesu-Eingang benutzt. Der war hässlich. Und ich war nie wieder dort.

Ja, ich habe den Yeasu Underground – eine riesige unterirdische Einkaufsstraße – benutzt. Aber die Ausgänge liege teilweise mehrere Straßen entfernt vom Bahnhof. Ich muss da wirklich im August mal vorbeischauen.

Dass man in Tokyo jahrzehntelang eine Seite vom Bahnhof nicht kennenlernt, ist glaube ich ganz normal. Mein Hotel ist in Yushima. Der Bahnhof Ueno ist nicht weit weg und bietet Pendlerzüge, Shinkansen, U-Bahnen und Expresszuüge zum Narita Airport. Trotzdem bin ich erst 2016 (als nach zwölf Jahren Japanurlaub) am Osteingang gewesen. Ich kannte immer nur die Westeingang am Park, den Südeingang an der Hauptstraße. Den Nordwesteingang habe ich – glaube ich – 2014 zu ersten Mal bewusst genutzt; auf meiner Yamanote-Tour.

Ich kann euch gleich sagen: Teilweise ist ein anderer Ausgang wie eine andere Stadt. Es kann sein, dass auf der einen Seite ein großer Platz an einer Hauptstraße auf einen wartet und auf der anderen Seite eine kleine Gasse.

Aber zurück zum Video. John läuft Tokyo Station zur Ginza. Den Teil schaue ich mir erst an, wenn ich das hier zu Ende getippt habe. Aber ich vermute ich werde einige Dinge wiedererkennen und hoffe, dass er ein paar neue Dinge für mich parat hat.

Einen Anime datieren …

Japp. Ich hatte das Thema zuvor: Der Manga City Hunter entstand in den 1980ern, denn hier steht das Sampo Building stellvertretend für Shinjuku und nicht die Twin Tower des Tokyo Metropolitan Government Building, die erst 1991 fertiggestellt und zum neuen Wahrzeichen wurden. Bis 2013 war auch der Tokyo Tower das Indiz für den Handlungsort Tokyo. Jetzt ist es vermehrt der Sky Tree. Akihabara habe ich teilweise an den gezeigten Werbeplakaten eingrenzen können.

Heute nun eine weitere weitere Datierungsmethode für Tokyo, die mir bis eben nicht bewusst war: Tokyo Station.

Der Screenshot stammt aus dem Anime Youju Senki (english: Saga of Tanja the Evil). Obwohl der Anime in einer fiktiven Realität im Europa während ersten Weltkriegs spielt, kommt auch der Bahnhof von Tokyo vor. Gebaut im viktorianisch-gothischem Stil wirkt er nicht fehl am Platz.

Der Anime selbst ist von 2017. Aber Tokyo Eki sagt etwas anderes!

Zuerst erkennt man, dass das dritte Stockwerk rekonstruiert wurde. Das war erst ab 2012 der Fall. Der Bahnhof wurde in WWII zerstört, danach wurden aber nur zwei Stockwerke wieder aufgebaut und die Ecktürme hatten pyramidenförmige Dächer. (Erstaunlicherweise habe ich davon keine Fotos). Erst im Zuge der Umbaumaßnahmen wieder das dritte Stockwerk, eine Hotel über die gesamte Länge, wieder ergänzt und die Ecktürme rekonstruiert. Die Arbeiten waren um 2012 abgeschlossen. Ich habe eine Foto von Januar 2013.

Was man auf dem 2013er Foto auch erkennt sind die Leitplanken auf dem Vorplatz, die sich auch im Anime wiederfinden. Der Vorplatz wurde aber kurz nach Fertigstellung des Gebäudes umgestaltet. Heute ist dort eine riesige Rasenfläche. 2014 standen die Leitplanken noch; und zusätzlich hohe Bauzäune. 2016 waren die Leitplanken bereits entfernt, der Platz aber noch nicht in seine jetzige Form umgestaltet.

 

Fazit: Die Zeichnung und damit der Manga müsste zwischen 2012 und etwa 2017 entstanden sein.

Ein Blick ins Internet zeigt: Die Novel Series entstand 2012/2013 und der Manga läuft seit 2016. Es passt also zusammen. (Das mit Novel, Light Novel und Manga drösel ich irgendwann mal für euch auf …)

 

Typisch Japanisch … Billiken

Eigentlich wollte ich den Post unter dem Titel „Only In Japan“ veröffentlichen. Aber so heißt schon eine Youtube-Serie von John Daub, die definitiv sehenswert ist …

Billiken ist der „God of Things as they ought to be“. Seine Statue findet man zu Hauf in Osaka in Bezirken Dotumburi und Shinseikai. Ich habe ihn aber auch schon in Tokyo gesehen.

 

Die Figur soll dessen Käufer Glück bringen. Damit steht die Idee in direkter Konkurrenz zur winkenden Katze und Glücksgöttern wie Ebisu.

Die Figur sieht so kitschig aus, dass man glauben könnte, es wäre eine Marketing-Gag aus den 60/70ern. In Wahrheit stammt der Entwurf aus dem Jahre 1908 für die Billiken Company of Chicago. Nach Wikipedia leitet sich der Name aus einem Gedicht (Mr. Moon: A Song of the Little People) von 1896 ab. Sie geriet zwar in Vergessenheit, ist aber immer noch das Maskotchen u.a. der St. Louis University.

Damit ist Billiken amerikanisch und es stellt sich die Frage, wie die Figur nach Japan kam und in Osaka so präsent ist.

Bereits 1908 (im Jahr ihrer Erfindung) fand die Figur den Weg nach Japan. Sie wurde im Tsutenkaku Tower (Shinsekai, Osaka) aufgestellt. Der Tower, heute Wahrzeichen und Identität von Osaka war früher Teil eines Vergnügungsparks (Luna Park).

Aber es wäre nicht Japan, wenn es nicht noch schräger wird: Billiken, obwohl ein Kunstprodukt, ist schon kurz nach seinem Erscheinen in mehreren Schreinen in Japan eingeschreint (also zu einem Kami, einer Gottheit, erhoben) worden.

Mit dem Park verschwand 1925 auch die Figur. Als ausländischer Gott verschwand Billiken kurz vor WWII auch von der Bildfläche der Kami.

Der Tsutenkaku Tower wurde 1942 zerstört und erst 1956 wieder aufgebaut. 1980 kehrte Billiken zurück und ist heute fester Bestandteil des Towers und der Straße zu seinen Füßen. Seit 2005 ist ein hölzerner Billiken fester Bestandteil des Tsutenkaku Tower.

Heute reist die Figur als „Ambassador if Sorts“ durch Japan. Hierbei macht sie unter anderem Halt in Shibuya im Tokyu Hands Department Store. 2008 reiste sie nach St. Louis zu ihrem Ursprungsort. 2012 wurde die Statue durch eine neue ersetzt und befindet sich wieder auf Ebene 5 des Tsutekaku.

Nagoro .. das Puppendorf

Manchmal ist zwischen creepy und adorable nur ein schmaler Grat …

Nagoro ist ein Bergdorf im Iyatal, welches in der Präfektur Ehime auf der Insel Shikoku liegt. Ich war zwar schon in diesem Tal, allerdings habe ich es nicht bis Nagoro geschafft. Es gibt dort nur ein paar Busse am Tag.


(Quelle: https://dynaimage.cdn.cnn.com/…)

Das Dorf hatte in der Vergangenheit mehrere hundert Einwohner. Auf der Suche nach Arbeit sind die jungen Leute weggezogen. Heute leben nur noch unter 30 zumeist ältere Japaner dort (Stand 2016). Die Schule, der Dorfplatz und viele Häuser sind verwaist.

Ayano Tsukimi selbst zog damals selbst in jungen Jahren weg von Nagoro nach Osaka, als das Dorf noch hunderte Einwohner hatte. Sie zog 2002 zurück in das Dorf, als es fast leer war.

Quelle (https://a1.cdn.japantravel.com/…)

Die Ideen mit der Vorgelscheuche war eher Zufall. Die erste war nämlich genau das: eine Vogelscheuche. Sie bemerkte dann schnell, dass die Puppe so gut war, dass vorbeifahrende Autofahrer sie für reale Leute hielten und grüßten. Und so wurde eine zweite Vogelscheuche aufgestellt, und eine Dritte, eine Vierte, … Dies brachte dem Dorf den Beinamen doll village (Puppendorf) und scarecrow village (Vogelscheuendorf) ein.

Jede Vogelscheuche hat einen Namen, einen Charakter und einen Hintergrund. Viele davon basieren auf alten Bewohnern, die Ayano Tsukimi persönlich kannte. Die Informationen sind u.a. im Scarecrow Registry hinterlegt. Selbst Kindergarten und Schule sind wieder gefüllt. Mittlerweile sind es über 400 Puppen.

(Quelle: https://i1.wp.com/unusualplaces.org/…)

Ich persönlich finde die Idee … ich sag‘ es mal diplomatisch … interessant. Zum einen geben die Puppen einem sicherlich das Gefühl einsam zu sein und die Gebäude wirken bewohnt. Auf der anderen Seite ist es aber auch gruselig, da man ja überall von diesen leblosen Puppen umgeben ist. … Aber was will man machen,  wenn man einer der letzten verbleibenden Einwohner in einem sonst leeren Dorf ist.

Die Existenz des Dorfes wird enden. Schon bald. Was bleiben wird, sind vermutlich die Puppen. Aber schon schon jetzt dürfte die Atmosphäre beklemmend sein. Es ist eine Geisterstadt. Der creep-Faktor düfte nur in den evakierten Gebieten um das verunfallte Kernkraftwerk Fukushima Daiichi größer sein.

(Quelle: https://www.atlasobscura.com/…)

Reisedaten:

  • Im Herbst gibt es ein Scarecrow Festival.
  • Nagoro, Higashi-Iya, Miyoshi City
  • Nach Nagoro kommt man mit dem Bus ab Oboke, Nishi-Iya und/oder Ikeda. Man muss aber umsteigen und nicht alle Busse garantieren einen Anschluss; Ich empfehle daher ein Auto.

 

Akashi-Kaikyu-Brücke

Die Brücke habe ich schon von der Ferne gesehen, aber noch nicht besucht. Sie steht mit auf dem Plan für 2020. Die Brücke befindet sich nahe der Stadt Kobe und ist eine Hängebrücke der Superlative.

  • Gesamtlänge: 3911 m
  • Abstand der beiden Pylonen: 1990,8 m
  • Höhe der der Pylonen 297m (Höher als der Eifelturm)

Die Brücke ist aber aus zwei weitere Gründen interessant:

  • Am 17.01.1995 ereignete sich das Kobe-Erdbeben mit einer Stärke von Mw 7,2. Das Epizentrum lag nur 2000m östlich vom Südturm und verschob diesen um 80cm. — Der Abstand der Pylonen wuchs von den geplanten 1990m auf 1990,8m an. Da die Brücke noch im Bau war, konnte dies korrigiert werden.
  • Auch wenn die Pylonen exakt gerade gebaut wurden, sind die Spitzen 8,8 cm weiter auseinander als die Sockel. Grund ist die Erdkrümmung.