Fazit 2016

Wenn dieser Urlaub eines war, dann verregnet. Drei Taifune, die meinen Weg kreuzten, sprechen für sich. Ich habe an 12 Tagen Regen notiert. Dabei hat es mir zwei Mal fast die Kamera zerlegt. Die Batterien im Blitz hatten einen fulminanten Kurzschluss. Wasserflecken auf dem CCD-Sensor und damit auf den Fotos sind sichtbar.

Top-3 Tage

So zurück geblickt gab es keinen Tag der von Anfang bis Ende genial war. Und so fiel die Wahl schwer. Ich habe daher die Top-3 Tage ausgewählt und 3 Einzelaktivitäten ergänzt. Letztere hatten allesamt Potential, um den Tag in die die Top-3 zu heben, aber der Rest das Tages war für eine höhe Gesamtwertung zu mau. Und so bleiben Sie als Einzelaktionen in Erinnerung.

  1. Die wenigen Stunden in Kurokawa waren wirklich entspannend. Zusammen mit Yufuin war es ein perfektes Wochenende.
  2. Der Tag in Nagasaski. Anreise mit dem Flugzeit, den ganzen Tag in der Yukata unterwegs. Nur der Abend lief nicht nach Plan, wurde aber durch die Konversation beim Buffet gerettet.
  3. 28. August mit Todoroki Valley, Tanzfest und Koenji Awa Odori.
  1. Das Danjiri Matsuri und die Leute, die ich dort getroffen habe.
  2. Die Abende an den Yatai von Fukuoka
  3. Der Abend im INCUBATOR
Worst-3 Tage
  1. Bando und Naruto; Das war echt ein gebrauchter Tag. Nichts hat geklappt. Das Wetter,  das Taifun 16 vor sich herschon, hat sein übriges getan. Der Tag des Taifuns war im Vergleich um längen besser.
  2. 27. August; Planungsfehler haben mich das Samba Festival und beinahe das Keonji Awaodori verpassen lassen.
  3. letzter Tag in Fukuoka – denn hier ist nichts passiert
Bilder

Diesen Abschnitt muss ich noch mal genau prüfen. Meine Idee ist, hier die 5-10 besten Bilder aus 2016 zu parken.

Die Top-3 Hotels
  1. Dogoya, Dogo Onsen, Matsuyama – Die Wahl zwischen Platz 1 und 2 viel mir nicht leicht. Für das Dodoya spricht zunächst das Zimmer, das einmalig genial war. Ausshlaggebend für Platz 1 war dann die Nähe zum Dogo Onsen Honkan.
  2. Sansou Tanaka, Yufuin – Das Ryokan war bis zum Schluss auf Platz 1. Das Rotenburo war einfach göttlich. Der Service hervorragend. Wenn überhaupt hat es gegen das Dogoya nur in einer akademischen Nachkommastelle verloren.
  3. Henn Na Hotel, Nagasaki – Für den Geek-Faktor gibt es den dritten Platz, auch wenn das Henn Na kaum mehr als ein Business Hotel mit der Optik eines Containerdorfes ist.

Im Vergleich zu diesem Hotels folgen alle anderen in einem großen Abstand auf den weiteren Plätzen.

Gedanken

Der Urlaub war teuer. Bei der Sichtung der Abrechnung stellte sich heraus, dass 3000€ Bargeld durchgerauscht sind. Autsch. Auch hier wird es eine Ursachenforschung geben. Ja, ich habe viel Geld in Izakaya ausgegeben, aber ein großer Teil ist wohl auch in Taxifahrten gegangen.

Das Thema „Yukata in Japan“ wird definitiv ausgebaut. Wetterbedingt gab es nur vier volle Yukata-Tage. Wenn ich die Abende in Yukata hinzurechne, komme ich auf 13Tage.

Soweit eine erste Zusammenfassung der Dinge. Kommen wir nur nun zu den Tops und Flops. Dieses Mal tue ich mir damit echt schwer. Kein Tag war von Anfang bis Ende gut; jeder hatte irgendwie eine „Sinnkrise“.

Zum Abschluss noch 3 besondere und 3 regionale Gerichte:

  1. Ramen bei Muku Zweite eine Fortsetzung von Frankfurt.
  2. japanischer Eisbecher mit Matcha- und Bohneneis.
  3. Essen am Yatai
  1. Iya-Style Soba
  2. Hakata (Tonkotsu) Ramen
  3. Shampon, Nagasaki
für die Statistik
26Landung, Asakusa,
Kappabashi
brülled heißabends Yukata
27Koshikawa, Samba,
Koenji Awaodori
heiß, Regenschauerabends YukataWorst #2
28Todoroki, Dance Fest.,
Koenji Awaodori
abends RegenTop #3
29Genki 1,
Shinjuku, Icubator
heiße, abends Regen台風 #10,
Einzel #3
30Genki 2,
Omoide Yokocho,
Kabukiza, Golden Gai
heiß
31Genki 3,
Yokohama Ramen
heiß
01Genki 4,
Omoide Yokocho
angenehm warm
02Genki 5,
TV Asahi, Bars
heißYukata ab Nachmittag
03NagasakiSonne, schönYukataTop #1
04Nagasaki
Huis Ten Bosch
teilw. Regen, bedeckt,
nicht so heiß
台風 #12
05Genki 6,
Check-in, Yatai
brüllend heiß
06Genki 7,
Fukuoka
brüllend heiß
07Genki 8,
Fuku.Tower, Baseball
Regen
08Genki 9,
Ohori Park, Nagahama
Sonne
09Genki 10,
Fahrt nach Yufuin
Sonneabends Yukata
10YufuinSonneYukata
11KurokawaSonneYukataTop #2
12Genki 11
Kumamoto
Regen
13Genki 12
Dazaifu, Yatai
bedecktEinzel #2
14Genki 13
Yotoku Inari Shrine
Regenschauer
15Genki 14
EVA-Test, Matsuri
bedecktabends Yukata
16Genki 15
nothing at all
bedecktWorst #3
17EVA (Zugfahrt)
Danjiri
bedecktZugfahrt in Yukata
18Wakayama-jo
Tama, Danjiri
Regenschauer,
abends Daueregen
Einzel #1
19Überfahrt,
Bando TEmpel
ab Mittag Regenabends YukataWorst #1
20Kotohira,
Marugame
Starkregenabends Yukata台風 #16
21IyatalSchauer, schwülheißabends Yukata
22Dogo Onsen,
Matsuyama
Regenschauerabends Yukata
23Uchiko, Ozusonnigabends Yukata
24Takamatsu,
Rückfahrt
sonnig
25AbreisesonnigYukata

Abreise; Servicewüste

Abreisetag. Ich habe genug Zeit, um schnell noch ein paar Souvenirs zu schoppen. In diesem Fall meint Souvenirs, dass ich den nächstbesten 7eleven plündere: Karree, Sake und andere Dinge.

Wechsel in die Yukata. und auf geht es zum Bahnhof. Während ich da stehe und warte fällt mir eines auf: Irgendwie verstehe ich die Streckenführung nicht. Der Zug rollt ein. Moment: Narita? Jetzt endlich fällt der Groschen: die Asakusa-Linie. In eine Richtung verlängert sich die Linie als Teil der Keikyu-Linie navch Haneda. In die andere Richtung wird aus der Linie die Oshiage-Linie, die zum Narita Sky-Express wird. Durch diese Kombination von U-Bahnlinien und Local-Expresses gibt es eine Verbindung zwischen Narita und Haneda und ich stehe am falschen Bahnsteig.

20 Minuten später bin ich im richtigen Zug und auf dem Weg. Als erstes muss ich die Koffer loswerden. Hier klärt sich auch, warum der Check-in nicht funktionierte: Code-Sharing mit Lufthansa. Ich muss zum LH-Schalter.

Und was soll ich sagen. Von hieran geht es bergab. Oder: Ich bin service-technisch bereits zurück in Deutschland. Der Service an Bord ist deutsch. Meine Frage nach etwas zu trinken wird mit Augenrollen quittiert. Ohja, wie schon wäre der Job als Stewardess ohne diese nervigen Leute im Flugzeug, die einfach nicht dehydrieren wollen.

Beim Essen gibt es nur noch ein Menü. Superplanung. Ich kann mit einer German Sausage leben, nicht aber mit dem Sauerkraut. Igitt. Schlimmer trifft es den Mann zwei Reihen vor mir. Nicht nur kann die Stewardess mit dem Wort „koscher“ nichts anfangen, sie kann dem Mann auch keine Alternative anbieten. Ihm bleibt nur, weitere 5 Stunden zu warten. Unterirdisch.

In Frankfurt ist es ein ewig langer Fußmarsch bis zum Gepackband. Ja, ich bin wieder in Deutschland: Der Gepäckwagen kostet 1€. Zur Strafe nehme ich die Amex zum bezahlen. Sollen Sie an den Gebühren verrecken.

Belibt die Frage: Deutsche Bahn? Ich prüfe Sixt und Avis. Nein, keine Alternative. Zu teuer. Also DB. Es klingt wie ausgedacht: Der nächste Zug fährt in 10 Minuten und hat 15 Minuten Verspätung. Ich kann also bequem zum Bahnsteig gehen. Leider ist eine Sitzplatzreservierung so kurzfristig nicht möglich. Verspätung, keine Sitzplätze 10 Minuten vor Abfahrt, ja ich bin zurück.

Zur Strafe für den Euro lasse ich den Gepackwagen an der Rolltreppe stehen. Dann kommt ein Zug. Auch nach Koblenz. 55 Minuten Verspätung. Warum nicht. Ein Zug ist so gut wie der nächste. Und meine Zug hat seine Verspätung noch ausgebaut.

Ich orientiere mich direkt in Richtung Bordrestaurant. Es ist perfekt: kein Bier mehr. Nur noch ein einziges alkoholfreises Weizen. Ich ordere eine Currywurst. Die ist noch vorhanden, aber keine Teller. Und so genieße ich C-Wurst, serviert in einem Pappkaffeebecher.

Ich bin berühmt für mein DB-Bashing, aber ganz ehrlich; die machen einem das auch wirklich einfach: Verspätungen, keine kurzfristigen Sitzplatzreservierungen, ein leergetrunkenes Bordrestaurant. Bravo.

In Koblenz schnappe ich mir ein Taxi. Auf die 20 Euro kommt es jetzt nicht mehr an. Morgen ist Montag. Die Arbeit geht wieder los. Japan 2016 ist offiziell zu Ende. Es bleibt, die Koffer auszupacken, den Blog zu komplettieren und die Fotos zu sortieren. Das hält mich bestimmt beschäftigt bis 2018.

Erkenntnis des Tages: Die Servicewüste Deutschland beginnt in Haneda am LH-Counter und die DB macht es einem wirklich einfach, sie nicht zu mögen.

Takamatsu; Zugfahrt

Der letzte volle Tag in Japan ist angebrochen. Morgen geht der Flieger nach Deutschland. Nach endlosem „Alles wieder in den Koffer quetschen aus dem es ursprünglich kam“ nehme ich ein Taxi zum Bahnhof. Das nenne ich blödes Timing. Der Express ist gerade weg. Der nächste fährt in einer Stunde. Ein Local kommt nicht in Frage. Seit Bando gilt „Fear the WanMan“.

Der Express braucht 3 Stunden bis Takamatsu. Dort angekommen suche ich einen Coin Locker. Alle belegt, aber es gibt eine Gepäckaufbewahrung. Etwas teurer, aber egal.

Das erste was mir auffällt sind die Flaggen auf dem Platz vor dem Bahnhof.  Ist das nicht Ingress? Die Frage beantwortet sich von selbst, als eine Truppe Japaner, die offensicht dem Widerstand angehören, über den Platz laufen. Heute scheint ein Turnier zu laufen.

Da ich kein Handy dabei habe und mich die Roamingkosten eh umbringen würden, bleibe ich bei meinem Touristenplan. Erster Stop sind die Ruinen der Burg von Takamatsu. Die Mauern stehen noch und ein Eckturm. Der Rest ist ein netter kleiner Park. Und überall Japaner die aufs Handy starren. Ich vermute 80% Ingress, 19% Pokemon und 1% typisches japanisches Verhalten.

Durch die Einkaufsstraße geht es richtig Süden. Überall Menschen, die auf Handys starren. Und die ohne Handy können keine gerade Linie laufen. Was ist das mit Japanern? Die machen mehr spontane Spurwechsel als einer polnischer LKW-Fahrer.

Mt. Yashima ist etwas zu weit weg, also bleibt für heute nur noch Ritsurin Koen, der – so betont es der Reiseführer – nicht zu den 3 „most beautiful gardens“ gehört. Der Garten ist groß und der Garten hat definitiv ein paar schöne Szenen, aber an Kanazawa und Okayama kommt er nicht ran. Gut, Mito steckt er locker in die Tasche.

Auf dem langen Weg zurück zum Bahnhof stoppe ich für Sanuki Udon, eine Spezialität aus der Kagawa-Region. Hinweis: Sanuki verweist zum einen auf die Nudeln aus speziellem lokalem Weizen, als auch die in den Udonläden gepflegte Art der Selbstbedienung.

Theoretisch hätte ich noch etwas mehr als eine Stunde, wenn ich auf den letztmöglichen Zug pokere. Lieber nicht. Ich schnappe meine Koffer und buche den 17:10 Uhr Zug nach Okayama. Der Sitz im Shinkansen ist ebenfalls reserviert.

Der Zug rollt. Ich habe ein paar Minuten bis es über die Seto-Ohashi geht. Da kommt Sie in Sicht und dichter. Ok, brechen wir es runter: Im Prinzip ist es nichts anderes als ein 13 km langes Brückensystem. Ich bin 2004 zum ersten Mal über die Brücke gefahren. Herje, das ist 12 Jahre her.

Bei der Ankunft in Okayama wird es bereits dunkel. Es folgt der Abschnitt der der einzige Grund ist, warum sich der JRP auf dieser Reise überhaupt lohnt: der Shinkansen bis Tokyo, also Shinagawa. Ich musste gestern noch schnell ein Hotel buchen. Ich habe eines in Shinagawa gewählt. Hier hält der Shinkansen und morgen der Zug nach Haneda. Es gibt keinen Grund bis rein nach Tokyo zu fahren.

Der Shinkansen braucht 4 Stunden. Warum nicht genießen. Vorbei an Himeji. Die Burg ist hell erleuchtet. Dann kommt Kobe. Wir schwenken nach Shin-Osaka ein. Die Skyline von Umeda ist sichtbar. Am Horizont versuche ich Haruka300 zu finden. Eine halbe Stunde später sind wir in Kyoto. Dann verschwinden die Lichter der großen Städte. Fahrt durch die Nacht. Wir erreichen Nagoya. Die Hälfte der Shinkanstrecke ist geschafft.

 Es folgen Städte wo ich noch nie war: Hamamatsu und Shizuoka. Hm. Auf diesem Abschnitt bin ich 2014 sogar mit dem Nozomi gefahren. Shin-Yokohama. Hier war ich vor wenigen Wochen. Der nächste Stop ist dann schon Shinagawa. Auf den verbleibenden 19km lohnt sich das Beschleunigen kaum.

22:33 Uhr. Shinagawa. Mein JRP ist noch 1 Stunde und 27 Minunten gültig. Ich könnte nach dem Check-in noch mal nach Tokyo reinfahren. Aber dann müsste ich ein Auge auf den letzten Zug werfen. Ich bin raus aus dem Rennen.

Erkenntnis des Tages: Die Generation „Kopf unten“ exisitert wirklich; Dank Ingress und Pokemon.

Uchiko; Ozu

Dogo als Basis für Tagesausflüge hat einen Nachteil: Man muss erst quer durch Matsuyama, um den Zug zu kriegen. Das meint einen Vorlauf von mindestens 1 Stunde ab Ryokan.

Zum Glück fährt gleich ein Ltd. Express. Das halbiert die Fahrzeit auf unter eine halbe Stunde. In Uchiko habe ich entweder 2,5 oder 3,5 Stunden. Auf geht es. Erster Stop wird das Uchiko-za. Ein altes Kabuki-Theater wie in Kotohira. Dann geht es weiter zur ehemaligen Apotheke.

Ich liege gut in der Zeit. Es geht die Hauptstraße weiter entlang. Endlich; der Anfang der Straße mit den historischen Häusern. Der optische Eindruck von Uchiko bis hierher war doch eher ernüchternd. Obwohl mir die schwarz-rot-goldenen Werbebanner für ein Bierfest aufgefallen sind.

Viel los ist nicht in der Straße. Ein paar Geschäfte haben geöffnet. Irgendwie hatte ich mehr Touristen erwartet. Aber wer verirrt sich schon nach Shikoku? Der Straßenzug ist wirklich hübsch. Es geht vorbei an der Honhaga Residenz und der Omura Residenz. Am Ende gibt es eine kleine Brücke. Dahinter befindet sich der Koshoji mit seiner großen, liegenden Buddha-Statue.

So langsam sollte ich an den Rückweg denken. Nicht jedoch ohne einen Stop in der Kamihaga Residenz mit dem Wachsmuseum. Die Region erlangte durch die Herstellung von Wachs an Ansehen und Wohlstand (Die Zeiten sind lange her).

Jetzt muss ich mich beeilen. Etwa 2km Fußweg und 30 Minuten bis zur Abfahrt. Obwohl; das Timing ist erstaundlich gut. Ich gehe zügig aber nicht gehetzt und am Bahnhof habe ich 8 Minute bis zur Abfahrt.

Iyo-Ozu

Die Stadt ist auf den ersten Blick viel großer als Uchiko. Nach Karte sind es einige Kilometer bis zur Burg. Die Wahl fällt deshalb auf ein Taxi, das mich direkt bis zum Eingang fährt.

Ozu Castle ist klein und neu. Der Hauptturm und die beiden Wachtürme wurden erst 2004 neu aufgebaut. Anders andere Rekonstruktionen wurde alles mit traditioneller Zimmermannstechnik aus Holz aufgebaut. Es macht Spaß durch die kleine Anlage zu laufen und zu sehen, wie die Holzbalken nur mit Holzstiften verbunden wurden.

Von der Burg geht es zu Fuß quer durch die alten Straßen von Ozu. Die Altstadt wird zwar im Reiseführer erwähnt, aber ein Eyecatcher ist sie aus meiner Sicht nicht. Ziel ist die Villa Garyo Sanso.

Die Villa hat ein paar beeindruckende Features. Fotos im Haus sind nicht gestattet. Dafür aber vom Garten. Es ist kein aufgeräumter Zen-Garten. Die japanische Äesthetik ist hier im Detail: eine einzelne Blüte im quadratischen Loch eines Mühlsteins, die Teeehütte, die Steinlaterne.

Fast pünktlich um 17 Uhr bin ich mit der Besichtigung durch. Ich habe ein paar Japaner getroffen. Einer sagt mir, dass er mich schon an der Burg gesehen hat. Ich hätte meinen Regenschirm auffällig getragen. Er hat recht. Ich habe die Angewohnheit, Regenschirme und Co wie ein Bokken/Shinai zu tragen. Ich habe nie viel darüber nachgedacht. Es ist aber klar, dass so etwas in Japan auffällt.

Zurück zum Bahnhof laufe ich zu Fuß. Erst an der alten Stadtmauer entlang, dann über die Brücke und dann direkt zum Bahnhof. Meine Hoffnung war es, eine Resto oder ein Izakaya zu finden. Die Hoffnung bleibt unerfüllt. Ich kaufe daher etwas Proviant im Supermarkt. Die Straßen zeigen ein nüchternes Bild des aktuellen Japan. Viel Leerstand. Viele alte Häuser in schlechtem Zustand. Nicht nur Naruko im letzten Jahr, überall in Japan gibt es Beweise für Verfall.

Dogo Onsen

 Zurück in Dogo Onsen ist es wieder Yukata-Zeit. Heute besuche ich erst das Sento, dann geht weiter zum Honkan. Für heute habe ich mir Stufe 2 vorgenommen. Leider ist diese Etage ausverkauft. Somit buche ich die Luxusversion in Etage 3. Einzelumkleidezimmer mit Tee und japanischen Gebäck. Die erste Baderunde ist in einem anderen Bad als gestern. Das Wasser ist genauso heiß, aber ich habe es für mich alleine.

Nach einer halben Stunde von Ruhe und Entspannung gehe ich für eine Pause zurück in meinen privaten Raum. Von hier habe ich einen Blick auf die Straße vor dem Honkan. So läßt sich der Abend geneißen.

Es folgt eine Führung durch die inneren Räumlichkeiten. Es gibt sogar ein Bad, das nur für den Kaiser gebaut wurde und bis heute für ihn reserviert ist; dazu kaiserliche Gemächer mit einem eigenen Eingang.

Baderunde 2 ist ein Bad im Bad von gestern; nur mit dem Unterschied, dass ich die Treppe im hinteren Bereich benutzen darf. Alles in allem ist es teuer und es gibt ein Zeitlimit, aber die Zeit ist allemal ausreichend und das Erlebnis ist jeden Yen wert.

Erkenntnis des Tages: Die Resto- und Kombini-Dichte auf Shikoku ist nicht sehr hoch.


Nachtrag: Das Video rechts ist von „Only in Japan“. Er bekam eine spezielle Erlaubnis in dem Onsen zu drehen. Für mich ideal, da ich euch auf diesem Weg das innere zeigen kann.

Matsuyama; Dogo Onsen

Der Tag beginnt mit Regen. Ich verlasse das Ryokan und gehe rechts rum (links rum ist der Weg über die Pink Street). Am Sento vorbei geht es zuerst zum Dogo Onsen Honkan. Ich war hier gestern Abend schon. Der Bau ist beeindruckend. Verwinkelt und urjapanisch. Ich kann es kaum erwarten, heute Abend das Innere zu erkunden.

Dann geht es zur Bahnstation. Die Lokomotive ist von der Firma Krauss aus Deutschland. Das Gebäude ist viktorianisch. Der gesamte Anblick ist ein Postkartenmotiv. Mir gefällt es hier. Dogo Onsen, soweit ich es bis hier erkundet habe, macht einen runden Eindruck.

Beim Rundgang durch den Park lässt der Regen langsam nach. Der Park ist jetzt allerdings nicht der Burner. Schnell die Kurve zum Schrein. Es geht vorsichtig die steilen Stufen zum Isaniwa Schrein hinauf. Auf der letzten Stufe stolpern wäre echt blöd. Oben laufen die Vorbereitungen für eine Hochzeit. Die haben sich echt gutes Wetter ausgesucht.

Auf dem Weg zum Tempel Nr. 51 (Ishiteji) hört der Regen endlich auf. Ohne Karte weiß ich allerdings nicht, wo genau der Tempel ist. Ich verlasse mich auf mein Glück. Dann sehe ich ein Schild. Ich folge dem Pfeil und lande in einer kleinen Straße am Rande der Bebauung. Ein Bambushain. Nach etwa 150m gabelt sich der Weg. Links stehen kleine Buddha-Statuen. Ich glaube ich bin richtig.

Der Tempel ist klein und etwas rumpelig. Er wirkt, als hätte jemand einen Stapel alter Reliqiuen zusammengesammelt, um nen schnellen Yen zu machen. Ganz ehrlich. Hätte der Tempel keine Nummer, würde man ihn im Reiseführer vergeblich suchen. Den Tunnel zum innerern Tempel finde ich nicht, gut ich habe auch nicht speziell danach gesucht.

Matsuyama

Ich fahre mit der Tram in die Innenstadt von Matsuyama. In der Straße zur Seilbahn, die hinauf zur Burg führt, stoppe ich für Okonomiyaki. Bei dem ganzen Ramen und Yatai kam das bisher zu kurz.

Die Burg von Matsuyama ist ein großer Komplex und gibt einige gute Fotomotive. Von der Burg hat man Überblick über die gesamte Stadt; bis hin zur Küste. Von der Burg führt ein Weg hinunter zum Nihonmaru Garten. Ein Park auf dem Gelände, wo die ehemalige feudale Residenz stand. Eine Besonderheit des Parkes ist, dass die Wege dem Grundriss der Residenz entsprechen. Die Betonplatten habe in etwas die Größe einer Tatami. Das im Hinterkopf macht einem schnell deutlich, wie groß diese Residenz war.

Es folgt ein Fußmarsch zur JR Bahnstation. Ich checke die Bahnverbindungen nach Ozu und Uchiko für morgen. Zudem erfahre ich, dass der Nachtzug nach Tokyo ausgebucht ist. Ich muss umplanen und noch ein Hotel in Tokyo buchen. Ein großes Problem ist es nicht.

Die Tramfahrt zurück nach Dogo dauert knapp 35 Minuten. Nach einer kurzen Pause und einem heißem Bad im Ryokan bleibt genug vom Abend, um das Dogo Onsen Honkan zu besuchen. In Yukata geht es hinab zur Shopping-Straße und zum Onsen. Bei Nacht ist das Gebäude noch imposanter als bei Tageslicht.

Zum Einstieg wähle ich Stufe 1; die unterste. Damit hat man Zugang zum Hauptbadebecken. Man betritt das Gebäude, lässt die Schuhe im Schließfach und geht in die Umkleide. Alles wie in jedem anderen Onsen auch. Das Becken ist groß. Das Wasser kommt aus einer Steinsäule in der Mitte. Das Wasser ist verdammt heiß. Ohne eine kühlende Brise kommt man Kreislauf schnell an seine Grenze.

Ich verlasse diese heiligen Hallen und bin ganz Tourist. In Yukata geht es durch die Einkaufsstraße. Es gibt hier sogar eine lokale Biersorte: Dogo Beer. Und nur in Japan ist möglich, dass die Biersorten Kölsch und Alt friedlich im Regel nebeneinander stehen. (Die Dritte Biersorte ist übrigens ein Stout).

Um 22 Uhr schließen die Geschäfte. Es klingt früh, aber die Uhren in Japan laufen anders und in Onsen-Orten sowieso. Was mir auffällt: Es gibt hier keine brauchbares Izakaya; zumindest habe ich keines gefunden. Aber der Lawson hat Dogo Beer, das reicht.

Ach ja, ich habe gestern eine Katze gesehen, die es sich auf dem Sitz eines Motorrollers bequem gemacht hat. Die Katze ist heute wieder da. Es sieht fast so aus, als wäre es ihr Motorroller. Die Katze ist eine lokale Berühmtheit scheint es. Nach dem Honkan mit Sicherheit das am häufigsten fotografierte Objekt hier in Dogo.


Nachtrag: Das Video rechts ist von „Only in Japan“. Er bekam eine spezielle Erlaubnis in dem Onsen zu drehen. Für mich ideal, da ich euch auf diesem Weg das innere zeigen kann.