Archiv der Kategorie: 3.2 .. Sakura

Alle Reiseziele, die nicht zum Matsuri- oder Tokyo-Abschnitt gehören

Matsushima und Teehäuser

Wo ist eigentlich mein Plan für Sendai? Wo wollte ich heute hin? Irgendetwas mit einer Insel bei Ishinomaki. Auf zur Touristeninfo. Ich erfahre zwei Dinge: (1) Die Insel heißt Kinkazan. (2) Als Tagesausflug nicht zu machen, wenn man nicht um 5:30 in Sendai startet. Ganz klar: Der frühe Vögel kann mich mal und die Insel schon lange.

Auf nach Matsushima, der Kiefernbucht, eine der drei kostbaren Landschaften Japans. Bei meinem ersten Urlaub war ich kurz hier; Nach einer gefühlte Weltreise mit den Locals der JR (Startpunkt war Naruko). An diesre Stelle ein Tip: Matsushima hat zwei Bahnhöfe — für zwei verschiedene JR Bahnlinien. Also paßt auf zu welchem Bahnhof ihr lauft. Einer der Züge fährt nicht nach Sendai.

Ich erwische einen Local, der nicht nach Matsushima durchfährt. Warten oder laufen? An der vorletzten Station gab es einen Anleger mit Booten nach Matsushima. Der heutige Tag beginnt folglich mit einem Fußmarsch. Ein verlassenes Hafengebiet; alte, halb verfallene Hallen, enge Straßen, heruntergekommene Häuser. Diese Seiten Japans wird im Reiseführer nicht erwähnt. Interessant ist sie trotzdem. Hier scheinen die Uhr stehen geblieben zu sein. Alles steht. Rostet. Ich bin nicht depressiv genug, um die hier vorherschende Stimmung in ein Foto zu pressen.

Ich erreiche das Boot nach Matsushima. Die Möwen sind auch schon da; Touristen = Essen. Neben mir gibt noch 5 weitere Fahrgäste. Bei dem Wetter — kalk, wolkig, ungemütlich —  kein Wunder. Die Möwen merken schnell, daß hier heute  nichts zu holen ist. Es geht vorbei an den kleinen Inseln mit den Kiefern oben rauf. Es hat sich in 4 Jahren nichts verändert. Selbst der Minifelsen mit der einzelnen Kiefer steht noch.

In Matsushima angekommen finde ich das Teehaus, das ich damals verpaßt habe. Das Gebäude selbst wirkt ein wenig runtergerockt und rumpelig, aber die Aussicht… Was für ein Blick über die Bucht. Kurzer Stop am Godai-do, dem Tempel auf der Insel. Weiter zum Tenri-Tempel und dem dahinter liegenden Hiyoshisanne-Schrein. Er ist nichts besonderes, aber seine Lage ist ein Foto wert. Hinter dem Schrein geht es steil bergauf. Der Hang ist bewaldet und rahmt den Schrein grün ein.

Nach einer Mittagspause geht es zum Zuiganji. Der Weg durch die mächtigen Kryptomeren ist immer wieder eine Wucht. Die Erhabenheit des Temples ist in dieser Kulisse enorm. Diesmal investiere ich auch ein paar Yen in Eintrittsgelder. Es folgenden die in den Felsen gehauen Meditationshöhlen. Kurz um die Kurve ist der Entsu-in. Der Tempel ist klein, hat aber, zumindest für mich, einen traumhaften kleinen Zengarten.

Zum Abschluß ein kurzer Rundgang über die Insel O-Shima und ein kurzer Abstecher über den Ministrand. Um 17 Uhr bin ich am richtigen Bahnhof (Matsushimakaigan). Da ich für den Abend keinen Plan habe, starte ich nach Ishinomaki. Vielleicht finde ich ja noch eine Möglichkeit auf die Insel zu kommen. Am Bahnhof Matsushimakaigan vergewissere ich mich noch einmal, ob ich richtig bin.

Nachtrag: Am Bahnhof steht ein Schild: „Tsunami-Evakuierungsroute“. Hätte nie gedacht, daß das mal wichtig wird. Und daß das in vielen Orten nicht ausreichend war, da der Tsunami selbst diese Anhöhen überrannt hat. Die Auswirkungen vom März 2011 kann nur einer erahnen, der die Gegenden kennt/gekannt hat.

Es geht vorbei an Flächen, die mich ein wenig an den Schellbruch in Lübeck erinnern. Als ich in Ishinomaki ankomme, ist es bereits dunkel. Ein langweiliges Fischerdorf. Manga Island ist hier. Aber wo? Egal.  Ich laufe ein wenig umher. So grob in Richtung Hafen. Aber irgendwann wird es mir zu blöd. Ich drehe um. Der Ausflug endet unterdurchschnittlich in einer kleinen Kneipe (Izakaya) am Bahnhof. Das Innendesign der Kneipe, der Service und das Essen heben etwas meine Stimmung. Ich lasse sogar den geplanten Zug springen. Da kommt noch einer. Gut, wenn man mal wieder die Tafel mit den Abfahrtzeiten fotografiert hat. Gegen 22:30 bin ich zurück am Ryokan.

Nachtrag 2011: Ishinomaki exisitert nicht mehr. Der ganze Ort bis hoch zum Bahnhof ist vom Tsunami ausradiert worden. Es steht nicht mehr. Nichts. Die Gebäude auf meinen Fotos sind weg. Mastsushima hat mehr Glück gehabt. Allerdings habe ich keine Informationen wie es um die Geschäfte am Wasser und die Sehenswürdigkeiten bestellt ist. Wer Infos hat, kann die gerne hier posten.

Nachtrag 2011: Der Felsenbogen auf Komonejima in der Bucht von Matsushima ist durch das Erdbeben zusammengestürzt.

Sendai und Baseball

Frühstück fällt heute aus. Ich habe von gestern noch ein paar Mochi. Die sollten als Proviant reichen. Dann geht es zur Touristeninfo am Banhof. Dort bekomme ich den Tip mit dem Loople, ein Touristenbus, der die Hotspots von Sendai ansteuert. Das klingt nach einem gutem Weg Sendai zu erkunden. Ich habe nämlich keine Karte. Und wenn ich die Museen und  uninteressantes rauskürzt, sind es auch nur noch ganz wenige Haltepunkte. Zwei um genau zu sein. Der Rest rangiert bei mir unter „kann-Option“.

Der erste Stop ist das Zuihoden Mausoleum von Date Masamune. Es beginnt mit Stufen und der Erkenntnis, daß der CCD-Chip verdreckt. Beim Reinigungsversuch sauge ich die letzten Elektronen aus den Batterien (vergessen zu laden). Der Tag fängt ja gut und mit einem Stop beim 7eleven an. Die Anlage ist die Wucht. Ein Muß in Sendai. Die Bauten erinnern etwas an Nikko: dunkles, fast schwarzes Holz, die aufwendig konstruierten Tragbalken bunt lackiert, dazu extrem verspielte, genauso bunte Holzschnitzereien. Im Hintergrund der Wald und vereinzelnt Kirschblüten in der Luft, die an die Luft nach einem Sommerregen erinnert (= poetische Umschreibung für schwül heiß, aber noch ertragbar). Ich entschließe mich für einen Gang durch den schattigen Zedernwald.

Danach geht es zurück zum Loople und weiter zum nächsten Stop: der Burg. Von der steht nicht mehr viel, Die Grundmauern, um genau zu sein. Aber oben hat man einen super Ausblick über Sendai. Auf dem Gelände steht ein sehenswerter Schrein und … hier passiert gleich etwas: Es sind Stühle aufgebaut, und Kyodoziele. Das Areal ist abgeflattert. Ich glaube, ich bleibe noch etwas. Japaner in traditioneller Kleidung beginnen sich zu sammeln, alle mit Bogen ausgerüstet. Keine Ahnung wie die in den übergroßen Holzbotten laufen können.

Dann geht es auch schon los: Formelles angrüßen, aufstellen und — jetzt kommt der meditative Part — schießen. Der Bogen wird am gestreckten Arm nach oben gehalten. Der Pfeil angesetzt. Dann bewegt man die gestreckten Arme nach unten und spannen so den Bogen. Der Rest ist eigentlich nur noch loslassen. Der Haken ist, daß das ganze nur mit ausrechender Konzentration und Kraft in den Fingern, die die Bogensehne halten, klappt. Alles zusammen (Bogenschützen, Kirschblüte, Schrein) formt wieder das Bild, das man von Japan hat, wenn man im Reiseführer blättert.

Dann geht es weiter. Die 17-Uhr-Regel kreuzt den Rest meines Sendai-Plans. Ich bin mit dem Pflichtprogramm eh durch. Es geht zurück zum Bahnhof. Ich hatte irgendetwas von einem Baseballspiel gelesen. Jetzt muß ich nur noch wissen wo. Ist einfach: Vom Banhhof mit dem Local zwei Stationen. Ich treffe zum 5 Inning ein. Die Karten sind jetzt billiger, aber trotzdem noch 2000円. Ich nehme einen Platz im Right Field. Schnell sind knapp 2 Stunden rum und das Spiel ist zu Ende.

Es folgt ein Klamottenwechsel und dann geht es erneut zum Bahnhof. Essem im Metropolitan mit allen Extras: Rotwein, Creme Brulee, usw. Und bezahlt hätte ich mit der Suica, wenn genug Geld drauf gewesen wäre. Das Ding ist echt ein Allrounder. Wo kann man schon mit einer U-Bahn-Karte sein Essen bezahlen, wenn nicht in Japan. Anschließend folgt der Wechsel in die Cocktailbar. Wie immer in Japan: extrem edel. Der Kellner kommt mit Stil und Service an einen britischen Butler heran. Ich weiß jetzt schon, daß ich das in Deutschland vermissen. Um 22:30 geht es im Eiltempo zurürck zum Ryokan. Curfew ist um 23 Uhr. Schnell noch ein heißen Bad und dann ist der Tag zu Ende.

Nachtrag 2011: Erdbeben und Tsunami haben Teile Sendais zerstört. Alle angesteuerten Sehenswürdigkeiten stehen aber noch.

Aizu Wakamatsu und ein Bus

Damit schließt der Matsuri-Abschnitt dieser Reise und es folgt wieder die Jagd nach Fotos von der Kirschblüte. Gleichzeitig endet auch der Luxus á la Kanaya. Also zum letzten Mal Continental Breakfast (Kaffe, Toast mit Marmelade, O-Saft und Salat). Um 10 Uhr dann Aufbruch zum Bahnhof. Das Display der Kamera ist immer noch von innen beschlagen. Ich verwirre den Portier indem ich die Tür aufhalte, während er durchgeht. Er hatte das anders geplant, aber ich war schneller. Vom Bahnhof sehe ich die Berge hinter Nikko. Sie waren bisher in Wolken und Dunst gehüllt. Oben liegt noch Schnee.

Auf halber Strecke nach Sendai stoppe ich in Koriyama und deponiere mein Gepäck. Von hier startet der Abstecher nach Aizu-Wakamatsu. Und ich bin erstaunt: Die Uhr zeigt 11:47 Uhr und der Zug sollte laut Anzeige um 13:46 Uhr abfahren. Verspätung! Und das in Japan. Gleich ein Foto. In dem Moment (13:48 Uhr) schließen auf die Türen und es geht los. Zwei Minuten. Per Lautsprecher kommt prompt die Bitte um Entschuldigung. Leider verkalkuliere ich mich mit der Fahrtzeit des „Locals“ (ich unterschätze das immer wieder). Und so bleiben mir weniger als 3 Stunden.

Zuerst wird der Fahrplan für die Rückfahrt fotografiert. Auf gehts. Zu Fuß. Es gibt einen Touristenbus, aber erst in 30 Minunten. Bis dahin bin ich bei der Burg. Bevor ich dort ankomme sehe ich die Straße am Burggraben mit ihren Kirschbäumen. Die Kirschblüte ist hier im vollen Gange. Dann die Kurve und der Blick auf die Burg selbst: Wow! Was für ein Anblick. Die Burg alleine ist schon ein Burner. Die hohen Grundmauern, darauf in weiß die Burg. Sie kann mit Himeji nicht mithalten, aber Himeji ist auch nicht zu toppen. Diese Burg spielt aber locker in der Liga Matsumoto und Okayama. Die ganzen Kirschbäume rund um die Burg sind da „the Cherry on top“. Der Umweg hat sich jetzt schon gelohnt.

Rauf auf die Burg. Man kann über das gesamte Tal und Wakamatsu blicken. In der Ferne die noch schneebedeckten Berge. Unten die Kirschblüte wie ein weißer Teppich. Man könnte hier hunderte Fotos machen. Heute Abend ist ein Fest angesetzt. Zu blöd, daß ich nach Sendai weiter muß. Ich überlege kurz, ob man das umplanen kann. Aber wie? Mein Gepäck lagert in Koriyama. Alles blöd.

Um 17:20 geht es mit dem Bus zum „Samuraidorf“. Ich hatte einen Straßenzug mit alten Häusern erwartet. Es ist aber eine Art kleines Freiluftmuseum. Die Uhrzeit verrät, daß ich zu spät bin. Die taktische Zeit in Japan ist und bleibt 17 Uhr und somit komme ich nicht mehr rein. Der Bus fährt ein Stück weiter, dreht und kommt in 7 Minuten zurück. Das sollte für ein paar Fotos reichen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Es geht mit dem Local zurück nach Koriyama, Koffer abholen und mit dem Shinkansen weiter nach Sendai. Nervös werde ich kurz, als der Taxifahrer meint, er hätte so eine grobe Idee wo das Ryokan sein könnte. Das sagt er, als wir bereits unterwegs sind und das Taxameter läuft. Aber wir kommen ziemlich exakt an. In der Tat liegt das Ryokan ein wenig vesteckt, dafür aber ruhig. Es ist einfach, wie immer in Japan sauber und mit feundlichem Service. Hier kann man es aushalten. Und ich muß zugeben, mit dem Nikko Kanaya vorne weg, ist der Vergleich schon gemein. Sie habe einen interessanten Schuhschrank mit Schließfächern für die es Holzschlüssel gibt. Coole Technik. Es ist auch ein Ryokan Onsen (= Fake Onsen) vorhanden. Das Badeerlebnis ist das gleiche wie in einem echten. Es ist halt nur kein Onsenwasser. Anschließend folgt das Abendessen mit Löwenbrau in einem Thai-Resto.

Link: Reisetips und Kartenmaterial

Nachtrag: Koriyama ist seit März 2011 etwas bekannter. Es ist die Bahnstation vor Fukushima, wenn man aus Tokyo kommt. Das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ist genau östlich. Koriyama ist damit dichter am Reaktor als alle anderen großen Orte: 60km Luftlinie; nicht wirklich viel.

Gifu und die Burg

Der Tag beginnt mit Frühstück auf dem Bahnsteig. Einer dieser Nudelläden, wo ein Automat neben dem Tresen steht. Erst ein Ticket kaufen und der Bedienung geben. Ich entscheide mich für Hähnchen-Irgendetwas-Udon und eine Tasse Kaffee. Irgendetwas ist … Hühnerhaut. Man sollte alle Kanji entziffern, bevor man bestellt. Ist aber eßbar. Schmeckt ein wenig wie eingeweichtes Brötchen und hat auch diese Konsistenz. Draußen fährt der Zug nach Gifu … und der nächste; alle 8 Minuten ein Zug. Kein Grund etwas zu planen. Einfach aufspringen.

Gifu wirkt auf den ersten Blick wie ein normale, langweilige Stadt in Japan. Etwa 2km vom Bahnhof entfernt wird es interessanter. Raus aus dem Bus. Wenn man Kanji lesen kann, ist man im Vorteil. Als erster aus der Tür und weg von den Touristen. Rechts ein alter Tempel mit einer 5m hohen hölzernen Buddhastatue. Tempel und Statue sind nicht im besten Zustand (wie so vieles in Japan). Um den Buddha herum Regale mit kleinen Holzmönchen in veschiedenen Posen. Dieser halb verwitterte Zustand hat was von alt und erhaben.

Dann geht es durch den Park, an der Seilbahn (zur Burg) und der Pagode vorbei. Hier gibt es ein schön kitschiges Kirschbaummotiv. Hinter dem Park ein Schrein; auch ganz nett. Dann geht es runter zum Wasser mit dem Kormoranfischern. Nichts los, keine Saison. Zurück an alten Wohnhäusern vorbei zum Park. Nächstes Ziel ist die Burg auf diesem hohen Berg (nach einer kurzen Okonomiyaki-Pause). Es gibt etliche Wanderwege nach oben, aber Zeitnot macht die Entscheidung einfach: Seilbahn.

Die Burg ist klein, aber die Aussicht ist umwerfend. Gifu ist gerade groß genug, um zu sehen, wie das in Japan funktioniert. Eine Ebene, extrem dicht besiedelt. Und da wo die Berge beginnen ist abrupt Schluß. Die Berge sind grüne Inseln in einem Meer aus Häusern.

Nieselregen setzt ein. Mein Regenschirm? Richtig. Der steht ja noch im Hotel in Nagoya. Super. Für den Rückweg wähle ich einen der Meditationspfade, der am Park endet. 2300m bei 330m Höhendifferenz. Expect no mercy. Das ist mit Sicherheit eine Herausforderung; nackter Fels, Wurzeln, lose Steine. Alles zusammen bildet eine steile Treppe bergab. Das Wort Treppe vermittelt aber eine falsche Vorstellung. Ohne Wanderstiefel wäre das hier kurz vor Lebensmüde.

Gegen 17 Uhr bin ich wieder am Park. Auf dem Rückweg zum Bahnhof ist noch ein Schrein. Beeilung, die Dämmerung in Japan ist schnell. Der Schrein ist ein echter Hingucker. So wenig Zeit, so viel zu gucken. — Die Straße zum Bahnhof ist beidseitig mit Kirschbäumen bestückt. Gut das ich den Schrein besucht habe, sonst hätte ich diesen Anblick verpaßt.

Um 18 Uhr geht es weiter mit dem Zug nach Takayama. Wäre sonst ja ein ganz ruhiger Tripp gewesen, wäre da nicht der Touri aus der Schweiz, der eigentlich nach Matsumoto wollte. Sackt der doch ohne Vorwarnung in sich zusammen. Weg. komplett. Stabile Seitenlage, Uhr im Auge. Nach 20 Sekunden ist er wieder da. Erst jetzt realisiere ich. Alle anderen in Aufregung, der Schaffner überfordert und ich der Chef im Ring. Und keiner spricht meine Sprache. Zum Glück läßt sich ein Arzt auftreiben, der die Situation etwas entschärft.

In Takayama führt mein Weg ins Hotel und der Schweizer startet Richtung lokales Krankenhaus. Bei dem Regen nehme ich ein Taxi … Moment. Regen? Bei Regen fällt das Matsuri aus! Die jahrhunderte alten Wagen bleiben in ihren „Bunkern“. Nicht gut. Meine Laune ist bei Null.

Das Hotel Asunaro ist ein altes Samuraihaus. Die Lobby ist Wahnsinn. Meine Laune hebt sich wieder. Japan pur. Das dunkle Holz. Die Feuerstelle mit dem Kessel. Mein Zimmer mißt knapp 10 Tatami. Ohne Heizung dafür ein Riesenfuton. Es gibt ein Ryokan Onsen.

Ise und Toba

Heuzt geht es nach Ise, Toba und die vermählten Felsen. Viel zu spät gestartet — ich hatte vergessen das der Zug 90 Minuten fährt — stehe ich um 11:03 Uhr am Bahnhof JR Iseshi (Ise hat zwei Bahnhöfe von verschiedenen Betreibern). Der äußere Schrein ist die Straße runter, wo der Wald anfängt.

Der Schrein in Ise ist sowas wie der Vatikan des Shintoismus. Der Schrein hat eine eigene Architektur, seinen eigenen Baustil. Dazu gehört, daß es für jedes Gebäude zwei Bauplätze gibt. Ein Platz ist leer. Alle 20 Jahre wird auf dem leeren Platz ein Neubau errichtet, die Gottheit (das Heiligtum) versetzt und das alte Gebäude abgerissen; ein Zeichen, daß nichts für die Ewigkeit gebaut ist. Auf dem leeren Platz kann man den Grundriß erkennen. Die Kieselsteine sind unterschiedlich gefärbt. Und da wo später das Heiligtum steht, ist eine kleine Holzhütte. Ein Platzhalter.

Die Hauptgebäude sind meterhoch und blickdicht eingezäunt. Man kommt nur bis zu der Stelle, wo man beten darf. Ein Vorhang versperrt auch hier den Blick ins Innere. Fotografieren nicht möglich. Darauf achten mehrere Sicherheitsbeamte. (Als Gaijin hat man mit Glück einen schnellen Versuch frei, bevor man höflich in seine Schranken verwiesen wird.) Die Lage in Wald ist vortrefflich gewählt. Die Atmosphäre hat schon etwas heiliges mit diesen meterhöhen Zedern.

Danach geht es zum inneren Schrein. Man läuft die 4km oder nimmt den Buslinie 51 oder 53. Von der Haltestelle aus folge ich den Massen, da ich keinen Plan habe, wo es lang geht. Brücke, Rasenflächen, Wald; und da, Orangen. In freier Wildbahn habe ich die noch nie gesehen. Wie im äußeren Schrein auch hier meterhohe (Antifoto-)Holzzäune und Wachen. Dazu der Bautstil mit den gekreuzte Giebelbalken und den vergoldeten Tonnen auf dem Dachfirst. Das leuchten sieht man leicht, selbst durch das dichte Laub der Bäume.

Auf dem Weg zurück zum Bus finde ich eine Straße, die parallel zum Fluß läuft; Alte japanische Häuser, Restos, Souvenirläden. Ich laufe die Straße einmal ab, versorge mich mit Porivant und ergatter ein kleines Holzschild mit meinem Namen (Kanji). Das kommt an meine Kendoausrüstung.

Anschließend geht es zurück zum Bahnhof und weiter nach Toba. Ich wollte ursprünglich an den vermählten Felse stoppen, aber die Zugverbindung für diesen Haltepunkt ist so mies, daß ich es dann nicht mehr nach Toba und zurück nach Nagoya schaffe. Auf den ersten Blick ist Toba eine etwas runtergerockte Hafenstadt, die wohl nur von und wegen der Perleninsel lebt. Auf den zweiten Blick übrigens auch. Ich buche eine Schiffsreise. Ganz nett, aber Matsushima hat mehr zu bieten. Anschließend besuche ich die Perleninsel mit dem Museum. Ein Globus ganz aus Perlen. Den Wert will ich gar nicht wissen. Ein Pagode aus Gold und Perlen. Dann folgt die Vorführung der Perlentaucherinnen. Nur sieht man nicht viel. Sie tauchen ab und mit einer Auster in der Hand wieder auf.

Es folgt der Heimweg mit Abendessen. Das einzige, was ich finde, ist ein Resto, das die beste Zeit hinter sich hat. Udon, Bier, Sake – letzteren auch gegen den aufkommenden Frust über diesen Reiseabschnitt. Dann geht es mit dem Local zurück nach Nagoya.

Dort erst einmal Onsen, entspannend und frustlindernd. Anschließend begebe ich mich ins nächste Resto. Ich finde eines. Das Gericht ist jetzt nicht originell: Ka-bo-na-ra. Das muß ich wohl kaum übersetzen. Saulecker ist es aber. Damit schließt der Nagoyapart. Morgen geht es mit Zwischenstop in Gifu nach Hida-Takayama.


Fazit und Tip: Wer nicht nach Perlen tauchen will, kann Toba auslassen. Lohnt nicht. Die vermählten Felsen, hier ist auch nicht viel mehr los, sollte man besuchen, bevor man Ise ansteuert; alleine wegen der Zuganbindung. Der Schrein schließt vermutlich gegen 16:30 Uhr. Danach kann man in der erwähnten Straße vortrefflich shoppen und abendessen, bevor man einen späten Zug zurück nach Nagoya nimmt. — Erst Felsen dan Ise.