{"id":5200,"date":"2004-10-18T23:03:44","date_gmt":"2004-10-18T21:03:44","guid":{"rendered":"http:\/\/seidenpriester.wordpress.com\/?p=5200"},"modified":"2019-05-30T11:45:57","modified_gmt":"2019-05-30T10:45:57","slug":"ruckflug-kulturschock","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/?p=5200","title":{"rendered":"R\u00fcckflug \/ Kulturschock"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>R\u00fcckflug<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>6:45 Uhr<\/strong> .. Der Wecker klingelt. Damit ist der letzte Tag des Urlaubs angebrochen. Was bleibt ist die R\u00fcckreise. Ich wei\u00df jetzt schon, da\u00df es nicht die einzige Reise war. Es wird noch eine weitere geben. F\u00fcr dieses Mal aber ist Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7:00 Uhr<\/strong> .. Fr\u00fchst\u00fcck. Zum Gl\u00fcck habe ich gestern noch einmal auf das Flugticket geschaut. Sonst h\u00e4tte ich den Flieger verpa\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>7:40 Uhr<\/strong> .. Check-out und das Taxi ordern. Das dauert nicht mal 5 Minuten. Als ob der Taxifahrer schon vor der T\u00fcr stand. Ein \u00e4lterer Herr, der beim ersten Versuch mein Barrel anzuheben scheitert. Japp. 25kg sind das schon. Und unhandlich sind sie auch. Dennoch l\u00e4\u00dft er sich es nicht nehmen ,die Tasche f\u00fcr mich einzuladen. Den Service w\u00fcrde ich zu gerne in Deutschland sehen. Da mu\u00df man ja noch selber den Kofferraum \u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die T\u00fcr schwingt auf. Ich steige ein. Taxifahren in Japan ist und bleibt eine andere Welt. Man sitzt hinten bequem mit automatischer T\u00fcr und vorne f\u00e4hrt ein Chaffeur. Nicht so ein verlumpter Taxifahrer mit Jeans und Stoppelbart. Anzughose, Hemd, Weste, Handschuhe. Aber ich hatte das glaube ich schon einmal geschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8:00\u00a0 Uhr<\/strong> .. Ich stehe vor dem Keisei Ueno Eki. Praktisch. Der Zug f\u00e4hrt in 20 Minuten. Ich hab Gl\u00fcck, denn ich habe mich gar nicht um die Abfahrzeiten gek\u00fcmmert. Die Z\u00fcge fahren zwar regelm\u00e4\u00dfig, verpa\u00dft man aber den Express und nimmt den Nachfolgenden local sind schnell 40 Minuten weg. Das hatte ich nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>8:2<\/strong><strong>0\u00a0 Uhr<\/strong> .. Deer Zug f\u00e4hrt los. Bis hierher hat alles geklappt. Aber was wird mit dem Kamidana. Darf ich ein zweites Gep\u00e4ckst\u00fcck mitnehmen. Wenn nicht, was dann? Abwarten. Drau\u00dfen zieht Tokyo vorbei. Das H\u00e4usermeer wird d\u00fcnner. Wir kreuzen Fl\u00fcsse. Zu\u00a0 beiden Seiten wieder \u00dcberflutungsfl\u00e4chen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9:15 Uhr ..<\/strong> Vom Bahnsteig geht es in Richtung Flughafenhalle. Ein Sicherheitscheck ist direkt am Ende des Bahnsteigs. Kein Problem. So weit, so gut. Narita Airport. Der Kreis schlie\u00dft sich. Ich gehe in Richtung Check-in. Mein Kamidana zieht viele Blicke auf sich. 2 Stunden bis zum Boarding. Angesichts der Schlange am Check-in und der am Sicherheitscheck sicherlich nicht zu gro\u00dfz\u00fcgig gerechnet. Mit dem n\u00e4chsten Zug w\u00e4ren 40 Minuten weniger auf der Uhr. Ich habe das Gef\u00fchl, m\u00e4chtig Gl\u00fcck gehabt zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9:30 Uhr<\/strong> .. An der mobilen R\u00f6ntgenstation gibt es Probleme. Mein Barrel wird gescannt danach das Kamidana. Der n\u00e4chste Satz ist &#8222;Excuse me, your passport and your ticket please.&#8220; Nicht gut. Nach kurzer Beratung mit dem Kollegen: &#8222;Please follow&#8220;. Noch weniger gut. Die haben noch meine Pa\u00df. Auf geht es. Wohin? Polizeistation? War das mit dem Kamidana doch keine gute Idee? Ich werde nerv\u00f6s.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eskortiert von der Polizei geht es durch die Halle. Jetzt sind definitiv alle Blicke auf mich gerichtet. Ich hingegen habe immer noch keine Idee, was da schief gegangen ist. Wir gehen am check-in von ANA vorbei. Das w\u00e4re meine Schlange gewesen. Sie ist lang. Wenn jetzt noch Formalit\u00e4ten mit der Polizei folgen wird es verdammt knapp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Polizei macht einen Rechtsschwenk. Wir stehen vor dem First Class Check-in. Wie jetzt? Pa\u00df und Tickets habe ich noch nicht zur\u00fcck. Aber daf\u00fcr wird das Gep\u00e4ck eingecheckt. Der Karton mit dem Kamidana bekommt etliche Aufkleber &#8222;Vorsicht, zerbrechlich&#8220;. Wieder ein &#8222;Plase follow&#8220;. Sch\u00f6n und gut. Jetzt ist mein Gep\u00e4ck weg, aber ich bin immer noch in der Polizeieskorte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht zum Sicherheitscheck. Die Polizisten bilden eine Schneise. Ich folge einfach. Dann gehe ich durch den Metallscanner. Kein Problem. So langsam ahne was hier l\u00e4uft. Auf der anderen Seite bekomme ich meine Papiere. Man w\u00fcnscht mir eine gute Reise. Beide Polizisten verbeugen sich japanisch. Wir sind alle Blicke auf mich gerichtet. Ich bedanke mich. Auf Englisch. Mir sind selbst die einfachsten japanischen Worte entfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war einfach. Sollte ich jetzt immer ein Kamidana kaufen? Bis zum Boarding sind es noch \u00fcber eine Stunde. Der Zeitplan geht voll auf. Ich mu\u00df noch durch eine weitere Pa\u00dfkontrolle. Hier wird das Visum ausgestempelt. Der Abschnitt mit den R\u00fcckflugdaten, der seit Reisebeginn im Pa\u00df klebte wird abgetrennt. Zur\u00fcck bleibt der Aufkleber mit dem Barcode. Im Duty Free belaste ich die Mastercard ein letztes Mal mir knapp 40\u20ac f\u00fcr Souveniers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>11:10 Uhr<\/strong> .. Boarding. Dieses mal habe ich keinen Einzelplatz. Der Sitz in der Mitte der 3er-Reihe ist auch belegt. Damit ist es etwas beengter als auf dem Hinflug. Der Fensterplatz ist sch\u00f6n, aber ich glaube beim n\u00e4chsten Mal versuche ich einen Platz am Gang zu kriegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>11:35 Uhr<\/strong> .. Abflug bei bestem Sonnenschein. Leider liegt der Fuji auf der anderen Seite. beim n\u00e4chsten Mal brauch ich einen Platz auf der anderen Seite des Flugzeugs. Der Taifun 23 ist im Anmarsch, aner noch weit weg. Bestes Wetter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war Japan. Es geht \u00fcber die japanischen Alpen. Auf dem Hinflug war alles gr\u00fcn. Jetzt hat der Herbst Einzug gehalten. Die Bergspitzen sind bereits rot-gelb verf\u00e4rbt. Die T\u00e4ler noch gr\u00fcn. Die Farben wirken wie im Schulatlas. Dann kommen die Wolken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war Japan !<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste freie Blick ist Ru\u00dfland. Alles voller Schnee. Berge. Dann so eine Art Tafelberge. Die Steilh\u00e4nge gl\u00e4nzen. Keine B\u00e4ume. Das f\u00e4llt mir jetzt erst auf: In Japan waren alle Berge (mit Ausnahme des Fuji) bis zur Spitze bewaldet. Selbst in Shoga Kogen. Sp\u00e4ter sehe ich noch Gegenden mit weniger Bergen, daf\u00fcr mehr B\u00e4umen. Dann folgt Flachland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin zwar m\u00fcde, aber schlafen kann ich nicht. Die 11 Stunden werden lang. Das Filmangebot is bei weitem nicht so gut wie auf dem Hinflug. Zum Gl\u00fcck haben wir Oktober und sie haben die DVDs gewechselt. Aber die Filme laufen in Endlosschleife. Immer beginne ich in der Mitte und schaue den Anfang erst, wenn die n\u00e4chste Runde beginnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fotografisch ist nicht viel los. Negativmaterial ist geladen, ein paar Bilder sind \u00fcbrig. Einen neuen Film breche ich nicht mehr an. Kurz vor der Landung, wir m\u00fcssen schon \u00fcber Deutschland, oder zumindest Polen sein, sehe ich eine Aureole. Fote. In der Mitte der Schatten des Flugzeugs. Ich sehe auch den Kondestreifen als Schatten auf der Wolkendecke unter uns. An der Schattenspitze die Aureole.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir fliegen durch ein Cirrusgebiet. \u00dcber die Tragfl\u00e4chen streifen Wolken. Es bildet sich ein leichter Regenbogen. Noch ein Foto. Der n\u00e4chste Blick auf Land ist dann der Landeanflug auf Frankfurt. Deutschland sieht von oben ganz anders aus. Die St\u00e4dte liegen irgendwie als kleine Inseln. In Japan folgten sie fast immer den Flu\u00dfl\u00e4ufen. Es fehlen die blauen D\u00e4cher. Zwischen den H\u00e4usern ist so viel Platz. Platz f\u00fcr ein weiteres Haus. Erst jetzt wird mir die Packungsdichte Japans bewu\u00dft.<\/p>\n<h3><strong>Kulturschock<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin wieder in Deutschland. Ich habe jetzt 4 Wochen auf den viel zitierten Kulturschock gewartet. Erst in Deutschland setzt er ein. Es gibt diesen Spruch, da\u00df man erst merkt, was man hat, wenn es vorloren ist. So \u00e4hnlich ergeht es mir. Nach vier Wochen in einer anderen Kultur fallen wir die Eigenarten von Deutschland auf.\u00a0 Und Deutschland schneidet nicht gut ab. Eine 4 minus h\u00f6chtens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das geht los mit diesem Beamten an der Pa\u00dfkontrolle. Unfreundlich wie sonst was. Am liebsten w\u00fcrde ich ihm das Kaugummi aus dem Gesicht hauen. In Japan w\u00e4re so ein Benehmen bestimmt ein K\u00fcndigungsgrund. An der Kaffeecke geht das weiter. Ich erwarte ja kein &#8222;Guten Tag&#8220; oder &#8222;Danke f\u00fcr ihren Besuch&#8220;, aber der Typ mu\u00df seine Unlust auf Arbeit nicht an mir auslassen. Wenn man nicht wei\u00df wo man ist, wei\u00df man es sp\u00e4tenstens jetzt: in der Servicew\u00fcste Deutschland. Das Personal in Japan hat genau so wenig Lust auf Arbeit wie hier, aber dort lassen sie es sich nicht anmerken. Einkaufen und Kneipenbesuche sind immer angenehm und spannend. Hier in Detuschland vergeht mir schon nach 5 Minuten die Lust.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das Bodenpersonal auf dem Rollfeld wirkt schlaksig. Keine eindeutigen Gesten. Keine wei\u00dfen Handschuhe. Kurz: ohne Pepp. Und Termial A ist eine Raucherzone. Wie ekelig. Auch das f\u00e4llt jetzt erst so richtig auf: Japan ist eine rauchfreie Zone. Fast \u00fcberall ist das Rauchen verboten. Ich habe mich in vier Wochen daran gew\u00f6hnt ohne es zu merken. Jetzt wieder im Nebel stehen &#8230; am liebsten w\u00fcrde ich duschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erfreulich ist, da\u00df es auf \u00f6ffentlichen Toiletten wieder Seife und Handt\u00fccher gibt. Und man\u00a0 versteht wieder, was andere sagen. Ob die Rolltreppen jetzt ein Vor- oder Nachteil sind, kann ich noch nicht sagen. Sie reden nicht. In Japan wurde man auf alles m\u00f6gliche aufmerksam gemacht: Die Rolltreppe beginnt, die Rolltreppe endet, Vorsicht Stufe, &#8230; Hier ist Ruhe. Ich genie\u00dfe es, mal nicht von der Technik angebabbelt zu werden. Noch w\u00e4hrend ich genie\u00dfe falle fast auf die Nase. Die Rolltreppe ist zu Ende. Das bl\u00f6de Ding hatte ja auch mal was sagen k\u00f6nnen &#8230; Ups. Daran habe ich mich also auch gew\u00f6hnt gehabt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann \u00fcberall klingelnde Handys und Leute die fast ins Handy br\u00fcllen. Jungs, die machen das elektronisch, der andere h\u00f6rt euch schon. Urgs. Das ist also der Kulturschock. Ekelig. Und um es vorweg zu nehmen: Deutsche Stra\u00dfen sind dreckig: Kaugummiflecken, Zigarettenkippen, M\u00fcll. Von den Tretminen ganz zu schweigen. Auch das wird mir erst nach der R\u00fcckkehr so richtig bewu\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich \u00fcberlege, da\u00df jeder Japaner die gleiche Erfahrung macht. Am leibsten w\u00fcrde ich mich bei allen Entschuldigen. Einziger Lichtblick ist, da\u00df es l\u00e4nger hell bleibt. Sommerzeit sei dank.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>18:40 Uhr<\/strong> .. Boarding f\u00fcr den Flug nach Hamburg. Der Flug selbst ist ereignislos. Es geht in den Landeanflug. Wolken. Ein paar Turbulenzen. Dann der Blick auf Hamburg. Wirkt irgendwie klein. Keine Lichter bis zum Horizont.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>20:05 Uhr<\/strong> .. Mit dem Koffer und dem Kamidana geht es zum Zoll. Den Durchgang f\u00fcr &#8222;Nichts zu verzollen&#8220; will ich nicht riskieren. Also den roten Ausgang. Sonst ist am Ende noch das Kamidana weg. Von dem Whiskey und dem Sake reden wir mal gar nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Was ist das?&#8220; &#8222;Ein Kamidana.&#8220; &#8222;Was ist das?&#8220; &#8222;Ein shintoschrein f\u00fcr Zuhause&#8220; Was?&#8220; Ein Hausaltar.&#8220; &#8222;Was?&#8220; &#8222;Ein Souvernier aus Holz&#8220; &#8222;Zollfrei, sonst noch was?&#8220; Nach dieser Konversation habe ich den Sake gar nicht erw\u00e4hnt. Sake wird immerhin gebraut. Ist als so rein technisch ein Bier. Aber diese Spitzfindigkeiten wollte ich jetzt nicht diskutieren. Der Junge war mit dem Kamidana schon \u00fcberfordert. Fazit: Ein Kamidana im Gep\u00e4ck ist immer unhandlich, aber von Vorteil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>20:10 Uhr<\/strong> .. Ich gehe durch die Schranke in die Lobby. Der famili\u00e4re Abholservice ist schon da. Es geht nach Hause. Nicht ohne zuvor einen Stop beim Griechen gemacht zu haben. Denn das hat mir in Japan gefehlt und ist ein Plus f\u00fcr Detuschland: gro\u00dfe Portionen und viel Fleisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckflug 6:45 Uhr .. Der Wecker klingelt. Damit ist der letzte Tag des Urlaubs angebrochen. Was bleibt ist die R\u00fcckreise. Ich wei\u00df jetzt schon, da\u00df es nicht die einzige Reise war. Es wird noch eine weitere geben. F\u00fcr dieses Mal aber ist Ende. 7:00 Uhr .. Fr\u00fchst\u00fcck. 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