{"id":5198,"date":"2004-10-17T21:57:55","date_gmt":"2004-10-17T19:57:55","guid":{"rendered":"http:\/\/seidenpriester.wordpress.com\/?p=5198"},"modified":"2019-05-30T11:49:04","modified_gmt":"2019-05-30T10:49:04","slug":"nikko-geldautomat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/?p=5198","title":{"rendered":"Nikko \/ Geldautomat"},"content":{"rendered":"<p>Heute ist der letzte Urlaubstag in Japan. Ich habe meine gesamte Liste abgegrast. Gut, den ein oder anderen Tempel oder Schrein hab ich verpa\u00dft. Komplett offen ist aber Nikko.<\/p>\n<h3><strong>Anreise<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Davon abgeshen, da\u00df ich viel zu sp\u00e4t aufstehe und zu lange am Fr\u00fchst\u00fcckstisch sitze, kommt der n\u00e4chste Schock am Bahnhof. Der schnelleste Weg ab Ueno ist der Shinkansen. Der kostet aber 6000yen. Bei allem was recht ist. Nein. Plan B w\u00e4re der normale Zug. (Nennt man die eigentlich Kansen? &#8222;Shin&#8220; hei\u00dft \u00fcbersetzt neu.) Der Preis ist immer noch hoch, aber f\u00fcr mich ok. Der Haken kommt w\u00e4hrend der Fahrt. 100 Minuten f\u00e4hrt die Bahn nach Utsunomiya, wo ich umsteigen mu\u00df. 100 Minuten durch ein H\u00e4usermeer, das nicht zu enden scheint. 100 Minuten ist L\u00fcbeck-Hamburg hin und zur\u00fcck. Hier ist es Tokyo. Einfach nur Tokyo. Haus an Haus. Erst kurz vor dem Ziel nimmt die Bebauungsdichte ab. Eine gr\u00f6\u00dfere L\u00fccke gab es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Utsunomiya dann 50 Minuten Wartezeit. Der Anschlu\u00dfzug ist gerade weg. Ich h\u00e4tte ich gekriegt, wenn ich sofort zum anderen Bahnsteig gegangen w\u00e4re. Meine Laune sinkt. Die Fahrzeit sind noch einmal 45 Minuten. Fazit: 195 Minuten von A nach B. Darauf erst einmal Karre und ein Bier. &#8211; Karree ist eine komisch Kombination. Am besten Beschreibt es sich als deutsches paniertes Schnitzschnitzel, mit indischer brauner Curryso\u00dfe (daher der Name) und japanischem Reis. Man kann es essen. Es ist billg, macht definitiv satt. Und es gibt viele Variationen. Langweilig wird es nicht. Aber Vorsicht. Das rote als Garnitur ist eingelegter Ingwer.<\/p>\n<h3><strong>Nikko<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach weiteren 45 Minuten mit dem Zug der Nikko-Line bin ich endlich am Ziel; um exakt zu sein fehlen noch 2km Fu\u00dfmarsch. Es ist bereits 14 Uhr. Mir bleiben gerade einmal 2,5 Stunden. Und ich brauche Filmmaterial. Gestern in Hakone ging der vorletzte Film drauf. Ich habe nur noch 20 Bilder \u00fcbrig. Wo finde ich auf die schnelle ein Fotogesch\u00e4ft. Ich frage eine Gruppe junger Japaner. Sie haben Negativmaterial mit. Ich kaufe ihnen drei 24er-Filme zu je 300yen ab. Das sollte reichen. Los.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stra\u00dfe geht immer geradeaus und leicht bergauf. Auf beiden Seiten gibt es ein Gesch\u00e4fte und Kneipen. Wenn ich mehr Zeit h\u00e4tte, w\u00e4re es eine richtige sch\u00f6ne Stra\u00dfe. Jetzt aber nervt sie ein wenig. Die Stra\u00dfe endet an einer T-Kreuzung. Links steht die rote heilige Br\u00fccke <strong>Shinkyo<\/strong>. Betreten kann man sie nicht. Sie ist abgesperrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite der Stra\u00dfe warten Stufen. War ja so klar. In Stein gemei\u00dfelt steht hier &#8222;Weltkulturerbe&#8220;. Ich bin gespannt. Die Stufen rauf; links ab; den Sandweg lang, rechts; weiter den Sandweg lang; am Sanbutsu-do Tempel vorbei im Eilgang zum <strong>Tosho-gu<\/strong>. Er ist so ganz anders als die anderen Schreine. Chinesisch verspielt. Sehr viel Geld. Die Balkenkonstruktion wirkt \u00fcberladen und chaotisch. Das Design ist mit nichts zu vergleichen, was ich in den letzten 4 Wochen gesehen habe. Er ist quasi der volle Kontrast zu Ise-jingu. Und das waren nur die Sch\u00e4tzh\u00e4user.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Hauptgeb\u00e4ude ist ein paar Stufen. Zu beiden Seiten stehen alte, fast verwitterte Steinlaternen. Das H\u00e4uptgeb\u00e4ude ist \u00e4hnlich \u00fcberladen mit Verzierungen. Rechts geht es zum <strong>Grab von Tokugawa Ieyasu.<\/strong> Dazu durschreitet man ein kleines Tor. \u00dcber dem Durchgang ist ein bekanntes Motiv in das Holz geschnitzt: die <strong>schlafene Katze<\/strong> von Nikko. Wie immer verbunden mit Stufen. Das Grab ist wenig spektakul\u00e4r. Es ist eine gro\u00dfe Urne mitten im Wald hinter dem Schrein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Links neben dem Tosho-gu ist der <strong>Nikkofutarasan-jinja<\/strong>. Es hat den gleichen Baustil wie der Tosho-gu. Die Geb\u00e4ude wirken alt. Der Lack ist an vielen Stellen ausgeblichen und br\u00fcchig. Hinzu kommt das Laub, das an vielen Stellen liegt. Herbst hat immer die Wirkung von Verfall. Viel Zeit f\u00fcr eine ausgiebige Besichtigung bleibt nicht. Den Taiyu-in lasse ich ausfallen. Es bleibt nur noch eine Stunde, bevor \u00fcberall die T\u00fcren zu gehen. Es geht den Sandweg zur\u00fcck. Ein kurzer Blick auf die <strong>5-st\u00f6ckige Pagode<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der wohl letzte Stop ist der <strong>Rinno-ji<\/strong>. Er besteht aus 3 gro\u00dfen Geb\u00e4udekomplexen. Das <strong>Sanbutsudo<\/strong> ist eine gro\u00dfe Halle. Sie ist ganz in rot gehalten, die Halle der drei Buddha. Ich riskiere nur einen schnellen Blick hinein. 50m s\u00fcdlich stehen weitere Geb\u00e4ude. Hier befindet sich der <strong>Shoyo-en<\/strong>. Der Garten ist so entspannt. Ich versuche die Stimmung aufzusaugen. Nach 2 Stunden Vollgas gar nicht so einfach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17 Uhr, Feierabend in Japan. Zur\u00fcck zum Bahnhof. Abendessen f\u00e4llt aus. Meine Bargeldreserven sind aufgebraucht. Die Banken in Nikko sind geschlossen. Um 17:30 Uhr stehe ich wieder am JR Bahnhof von Nikko. Auf der R\u00fcckfahrt nach Utsunomiya unterhalte ich mich mit einem Franzosen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Bankautomaten<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 20 Uhr bin ich wieder in Ueno und steuere direkt auf Akihabara zu. Fast alle Gesch\u00e4fte haben gesschlossen. Weiter zur Bank. Geschlossen. Weiter zur Post. Hier sind die Automaten aus. Oder kann ich sie nicht bedienen? Ich sehe einen Klappe die als Nachtschalten beschriftet ist. Ein Klingel. Die Klappe geht auf. Dahinter sitzt ein Japaner. Ich glaube es nicht. Diese Geschichte stimmt also auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">21 Uhr: Ich erkl\u00e4re kurz mein Problem: fliege morgen fr\u00fch zur\u00fcck und brauche Geld f\u00fcr den Zug nach Narita. Das h\u00e4tte ich lassen sollen. Er f\u00e4ngt an zu telefonieren. So wie es aussieht sind alle Automaten aus. Es ist Sonntag. Er telefoniert weiter. W\u00e4hrenddessen reift Plan B. Ich verzichte auf ein Abendessen und stehe morgen eine Stunde fr\u00fcher auf. Nur kriege ich diesen Postbeamten nicht gestoppt. Er l\u00e4uft immer noch im Hilf-dem-Gaijin-Modus. Das ist ja wie in Oosaka.<\/p>\n<p>Ich verklicker ihm, da\u00df einfach morgen wieder komme. Das Hotel Edoya ist dicht bei. Kein Problem. Dennoch will er mir ein Taxi rufen. Auf Kosten der Post. Habe ja kein Geld. Nach ein paar Minuten kriege ich das gestoppt. Nur raus aus der Post.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck beim Hotel finde ich den Portier in Hektik vor. Der Typ von der Post hat angerufen und eine weitere Welle in den Teppich geschlagen. Der Portier, \u00fcber 60, spricht kein Englisch. Er hat sich mit mehreren W\u00f6rterb\u00fcchern bewaffnet, um mir zu helfen. Ich komme aus der Nummer einfach nicht raus. Wieder vergehen Minuten bevor ich glaube, die Sache im Griff zu haben. Weit gefehlt. Ich soll in der Lobby warten, der Hotelchef kommt. Arghhhh.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30 Minuten sp\u00e4ter ist der Chef da. Ich erkl\u00e4re das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis. Er k\u00fcrzt die Sache ab. Er zieht meine Kreditkarte durch, bucht 3000yen aus der Hotelbar drauf und zahlt mir das Geld aus. Es kann so einfach sein. Jetzt habe ich Geld f\u00fcr das Bahnticket, kann ausschlafen und Abendessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein letztes Mal in die Nacht hinaus nach Ueno. Ich laufe etwas herum und steuere einen kleinen Laden an. Keine Ahnung was es ist, aber es ist lecker. Weiter. N\u00e4chster Stop ist der Laden First Kitchen. Dort bestelle ich eine Art Hamburger mit H\u00e4nchen, Okonomiyakiso\u00dfe und Kohl. Ebenfalls unglaublich lecker. Allerdings sind die Chili-Pommes unglaublich scharf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letzter Stop ist das Hotelonsen. Edoya hat auch eines. Auf dem Dach im 7. Stock. Die Wassertemperatur ist gerade richtig. Schon merkw\u00fcrdig mitten im Tokyo unter freiem Himmel in einem Onsen zu sitzen. Dabei ist v\u00f6llig egal, ob es Thermalwasser ist oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachtrag: Zum Gl\u00fcck schaue ich noch einmal auf das Flugticket. 11:40 Abflug. Ich habe mich um drei Stunden verzettelt. Das w\u00e4re beinahe schief gegangen.<\/p>\n<p>abendessen<\/p>\n<p>hotel onsen<\/p>\n<p>argh flug geht schon um 11:40<\/p>\n<h3><strong>Randnotizen<\/strong><\/h3>\n<ul>\n<li>Fazit: Nach Fuji vorgestern die zweitschlimmiste Anreise. Zum Gl\u00fcck konnte ich einen Crashkurs in Nikko machen habe dennoch nur die H\u00e4lfte gesehen.<\/li>\n<li>Nikko ist Pflichtprogramm und eine Reise wert; in meinem Fall eine zweite.<\/li>\n<li>Ich habe die drei Affen und die Halle des schlafenden Drachen verpa\u00dft.<\/li>\n<li>Sonntags sind die Geldautomaten aus.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist der letzte Urlaubstag in Japan. 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