{"id":5193,"date":"2004-10-15T23:41:09","date_gmt":"2004-10-15T21:41:09","guid":{"rendered":"http:\/\/seidenpriester.wordpress.com\/?p=5193"},"modified":"2019-05-30T11:49:15","modified_gmt":"2019-05-30T10:49:15","slug":"kawaguchi-shinjuku-jazz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/?p=5193","title":{"rendered":"Kawaguchi \/ Shinjuku Jazz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Um das gleich vorweg zu nehmen: dieser Tag war voll daneben. Versucht niemals mit dem Zug \u00fcber Gotemba in Richtung Fuji zu reisen. Geht lieber zu Fu\u00df. Der heute Tag markiert die untere Kante dieser Reise. Selbst die Irrfahrt nach Matsushima war dagegen gut. Dabei fing allse so gut an; auch das Finale hatte es f\u00fcr sich. Nur die Zeit dazwischen &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wetter ist gut, 20 Grad und Sonne. Heute geht es zum Fuji. (Leider habe ich die Reiseroute nicht notiert. Ich glaube ich bin mit dem Local nach Kouzu gefahren, nachdem man mir sagte, da\u00df der Shinkansen vorbeif\u00e4hrt, aber an den entscheidenden Bahnh\u00f6fen nicht h\u00e4lt.) Nach dem Umsteigen in einen anderen Zug mit einer halben Stunde Wartezeit auf einem Bahnhof im Nirgendwo, gelange ich nach Gotemba. Nach Karte bin ich jetzt am Fu\u00df des Fuji. Soweit so gut. Der Fuji ist viel gr\u00f6\u00dfer geworden, wirkt aber immer noch weit weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von hier f\u00e4hrt nur ein Bus zu Fuji. Also los. Der Bus f\u00e4hrt und f\u00e4hrt. Meine Laune sinkt immer tiefer, die Preisanzeige im Bus steigt und steigt. Nach Karte sind es h\u00f6chsten 20km. Was kann da schon so lange dauern. Aber dieser Bus zuckelt durch die Gegend. Ich gehe nach vorne und Frage, ob ich im richtigen Bus sitze. Ja doch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Endlich Yamanakako, der erste der f\u00fcnf Fujiseen. Um nicht v\u00f6llig zu explodieren fange ich ein Gespr\u00e4ch mit dem Australier hinter mir an. Auch er hatte sich die Anreise anders vorgestellt. Im Gegensatz zu mir ist er aber erstaunlich gelassen. Dann endlich, nach einer nun insgesamt 5-st\u00fcndigen Odyssee erreiche ich Kawaguchi. Es ist 14 Uhr. Dichter an den Fuji komme ich nicht mehr. Jetzt verstehe ich auch seine Gelassenheit. Er ist Backpacker. Er verschiebt den Fuji einfach auf morgen oder \u00fcbermorgen. Zuerst steuern wir die Tourizentrale an. Er sucht ein Hostel, ich einen Weg zur\u00fcrck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt der Schlag ins Gesicht. Es gibt eine Busverbindung ab Shinjuku. Arghhh. Der Bus f\u00e4hrt \u00fcber die Autobahn und braucht 2 Stunden. Ich dreh durch. Jetzt brauche ich ein Bier. Schnell. Runter zum See. Auch er hat Hunger. Kurz vor dem Ufer gabelt sich die Stra\u00dfe. Hier steht ein paar kleine Restaurants; Gark\u00fcchen trifft es eher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir entscheiden uns f\u00fcr eine. Ob es die beste Wahl war&#8230; Der Laden ist klein und schon etwas runtergerockt. Aber was solls. Bier und Soba. Etwas salzig. Hugh. Das ist das Problem wenn man die Karte nicht lesen kann. Auch die Toilette ist eine \u00dcberraschung. Es Keine Sch\u00fcssel. Ein japnisches Stehklo. (Loch im Boden). Super. Heute hat sich alles gegen mich verschoren. Pinkeln geht noch. F\u00fcr Rest ben\u00f6tige ich wohl ein Handbuch wenn nicht gar einen Volkshochschulkurs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von dem Resto sind es nur wenige Meter zur Seilbahn zum Mt Tenjo. Von hier oben hat man eine gute Sicht auf den See und den Fuji. So dicht dran und doch so weit weg. Anschlie\u00dfend begleite ich den Australier zum Hostel. Wir laufen durch die Randbezirke von Kawaguchi. Hier ist nichts los. Im Vergleich zu Tokyo geradezu d\u00fcnn besiedelt. Die Stra\u00dfe zieht sich hin. Die H\u00e4user sehr alt und runtergekommen aus. Ein Eindruck, der sich immer wieder best\u00e4tigt. Dieser Eindruck setzt sich aus mehreren Dingen zusammen. An den H\u00e4usern ist viel aus Metall. Dieses rostet. Die Fenster haben Einfachverglasung. Es fehlen die f\u00fcr Deutschland typischen Vorg\u00e4rten. Alles sieht etwas rumpelig aus. Wenn man das jetzt in die USA packt w\u00fcrde man sagen, schlechte Nachbarschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir laufen noch etwas die Stra\u00dfe entlang. Der Fuji kommt nicht dichter. Wir drehen um. Er steuert nun final das Hostel an, ich gehe zur\u00fcck zum Bahnhof. Da es bis zur Abfahrt des Busses noch ein paar Minuten mehr sind, laufe ich durch Kawaguchi. Hier im Stadtzentrum ist auch nicht viel los. An der Ostsee w\u00fcrde ich sagen Nebensaison. Noch ein paar Fotos vom See und dann Abfahrt.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Shinjuku Jazz<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fahrt \u00fcber Land ist wenig ereignisreich. Pa\u00dft zum Rest des Tages. Gegen 19:30 f\u00e4hrt der Bus auf den Chuo Expressway. Jetzt geht es sehr schnell. Am Horizont erkennt man die Lichter von Tokyo. Sie kommen n\u00e4her und werden immer mehr. Noch kann ich keine bekannten Punkte erkennen. Und das gibt es wohl nur in Japan: Bushaltestellen auf der Autobahn. Der Bus stoppt wirklich mehrmals auf dem Standstreifen, um Leute ein- und austeigen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen 19:50 erkenne ich die Skyline von Shinjuku. Die Twin Tower des Rathauses. Ein Blick zur Seite. Wir sind bereits umgeben von Tokyo. Ein Foto ist leider nicht m\u00f6glich. Die Kamera will mindestens 1 Sekunde. Nicht in einem fahrenden Bus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der letzte Abschnitt der Fahrt beginnt. Die H\u00e4user werden immer h\u00f6her. Die Autobahn f\u00fchrt jetzt mitten hindurch. Ein rot-wei\u00dfes-Lichtband. Immer mehr B\u00fcrot\u00fcrme. Dann geht es von Express runter auf die normale Stra\u00dfenebene. Ein paar Kurven. Dann in eine tiefer gelegene Ebene. Shinjuku. Der Bus h\u00e4lt. Die Fahrt zum Fuji w\u00e4re so einfach gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider kann der Busfahrer den 10000er nicht wechseln. Ein japan\u00fcbliches &#8222;Please wait&#8220; folgt. Er geht ins Geb\u00e4ude und l\u00e4\u00dft mich im Bus zur\u00fcck. Nach etwa 2 Minuten kommt er mit Wechselgeld wieder. Jetzt kann ich bezahlen. Das nenne ich Service.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anschlie\u00dfend geht es durch das Nachtleben. Zuerst verlaufe ich mich im dem G\u00e4ngesystem der U-Bahn. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Irgendwann bin ich wieder auf Stra\u00dfenniveau. Irgendwo. Ein Jazz-Combo spielt Jazz; mitten auf der Stra\u00dfe. Tokyo ist immer wieder f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut. Ich hole mir einen Caramel Macchiato beim Star Bucks ein paar Meter die Stra\u00dfe hinab. Noch auf dem Weg dorthin sehe ich einen Japaner mit Posaune. an mir vorbei laufen. OK. Ich nutze die Gelegenheit, um ein weiteres Souvenir zu kaufen: Eine Tokyo-Starbucks-Becher. Klingt etwas albern, aber irgendwie will ich den haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Becher und Getr\u00e4nk geht es zur\u00fcck zu der Jazz-Combo. Tats\u00e4chlich, der Japaner mit der Posaune steigt gerade in die Session ein. Ich sehe auch einen Schlagzeuger, der gerade aufbaut. Woher hat er das Schlagzeug? Kann mir egal sein. Was hier gerade abl\u00e4uft, kann man nicht planen. Ich nehme das einfach mit. Nachdem der Tag total daneben war, brauche ich das jetzt. Ich sitze auf dem Gehweg mitten in Shinjuku, h\u00f6re Jazz. Es sind etwa 25 Grad. Zumindest der Abend ist gerettet. Nach etwa einer Stunde verlasse ich die Szene. Aufh\u00f6ren, wenn es am Sch\u00f6nsten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00fcckreise zum Hotel. Vor dem Bahnhof stehen 4 Karren, wie ich sie aus den Anime kenne. Sie haben die Gr\u00f6\u00dfe vom Wurst-Maxe-Stand. Neben den Karren stehen Sitzb\u00e4nke; um die Karren herum stehen kleine Hocker. Die Karren sind \u00fcberdacht. Lampions leuchten. Es ist ein Art japanischen Fondue. In der Mitte brodelt eine Suppe. Nach Wunsch der G\u00e4ste, wirft der Koch verschiedene Sachen hinein und fischt sie etwas sp\u00e4ter wieder heraus. Ich traue dem ganzen nicht. Keine Ahnung warum. Ich steuere einen Laden an und bestselle ein Karree. Das ist mir sicherer, vom Geschmack meine ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Weg zur\u00fcck f\u00fchrt mit der Yamanote nach Okachimachi. Es ist bereits 23 Uhr, aber der Bahnsteig ist rappelvoll. In den Z\u00fcgen bekommt man nur mit M\u00fche einen Stehplatz. Dabei f\u00e4hert die Yamanote immer noch im 6-Minuten-Takt. Auf den Stra\u00dfen das gleiche Bild. Hier ist mehr los, als in der L\u00fcbecker Fu\u00dfg\u00e4ngerzone um die Mittagszeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Publikum ist gemischt. Sehr viele Gesch\u00e4ftsleute mit Anzug und Krawatte. Habe ja schon von dem Vorurteil geh\u00f6rt, da\u00df die nach Feierabend mit den Kollegen in einem Izakaya (Kneipe) versacken. Scheint was dran zu sein. Ich sehe auch jugendliche in Schuluniform. Waren die noch nicht zu Hause? Oder ist dies die Best\u00e4tigung f\u00fcr ein weiteres Klischee: Japaner denken in Gruppen und Gruppenzugeh\u00f6rigkeiten. Tragen Sch\u00fcler deshalb bis sp\u00e4t abends die Schuluniform damit sie der Gruppe &#8222;Schulklasse XY der Schule XY&#8220; angeh\u00f6ren? Sie richtig verstehen wird man das wohl nur als Japaner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Randnotizen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Fazit: Der Tag war voll daneben. Zumindest am Fuji gewesen und &#8222;Jazz in Shinjuku&#8220;<\/li>\n<li>Wenn Fuji, dann mit dem Bus ab Shinjuku. Alles andere ist Wahnsinn.<\/li>\n<li>Haltestellen auf der Autobahn.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um das gleich vorweg zu nehmen: dieser Tag war voll daneben. Versucht niemals mit dem Zug \u00fcber Gotemba in Richtung Fuji zu reisen. Geht lieber zu Fu\u00df. Der heute Tag markiert die untere Kante dieser Reise. Selbst die Irrfahrt nach Matsushima war dagegen gut. 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