{"id":5189,"date":"2004-10-13T22:19:58","date_gmt":"2004-10-13T20:19:58","guid":{"rendered":"http:\/\/seidenpriester.wordpress.com\/?p=5189"},"modified":"2019-05-30T11:49:21","modified_gmt":"2019-05-30T10:49:21","slug":"jigokudani-naruko-gorge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/?p=5189","title":{"rendered":"Jigokudani \/ Naruko Gorge"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Wetter ist tr\u00fcb. Es sieht nach Regen aus. Zeit f\u00fcr ein ausgiebiges, gem\u00fctliches Fr\u00fchst\u00fcck. Ich nehme den Bus um 10:45 zum <strong>Kankentusen<\/strong>, einem Gysier. Der Bus f\u00e4hrt ein St\u00fcck durch Naruko und dann auf die andere Seite des Flusses. Es geht den Berg hinauf an einem Stausee vorbei. Ich merke mir die Strecke so gut es geht. Aber ich glaube, zum zur\u00fccklaufen wird es zu weit.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Jigokudani<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Gysier steige ich aus. Nach dem obligatorischen Eintritt geht es durch ein Wohnhaus (!) in den Garten. Hier ist der Gysier. Nach dem Schild ist das Wasser 100-120\u00b0C hei\u00dft, die Font\u00e4ne etwa 18m hoch und erscheint etwas alle 10 Minuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einem grummeln k\u00fcndigt sich das Spektakel an. Binnen einer Sekunde schie\u00dft der Gysier nach oben. Wirklich beeindruckend. Das ganze dauert gef\u00fchlt nicht einmal 2 Minuten. Ich warte auf die n\u00e4chste Runde. Zu viel Filmmaterial darf ich aber auch nicht verbraten. Mit ist das Diamaterial bereits ausgegangen. Ich hab die Negativfilme gelanden, die als Notreserve mit im Koffer waren. Und ich habe noch eine Woche Japan nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleich neben dem Gysier liegt das <strong>Jigokudani<\/strong>, ein schmales kleines Tal.\u00dcbersetzt solle es kalte H\u00f6lle hei\u00dfen. Der Weg f\u00fchrt einen Flu\u00dflauf entlang. Herrliches klares Bergwasser. Schwefelgeruch. Daher der Name. Ich wandere los. Zu meiner linken ist eine Felswand, rechts der Flu\u00df. Ich sehe, wie Wasser aus dem Fels quillt. \u00dcberall gibt es kleine Quellen. Man ein Fels, mal blubbt das Wasser aus dem Boden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wow. Das Wasser sit kochend hei\u00df. Ich habe den Fehler gemacht und das Quellwasser direkt am Fels angefa\u00dft. Hei\u00df. Selbst der Fels ist warm. Ich dachte, das kommt von der Sonne. Ich habe mich wohl geirrt. Das hier sind hei\u00dfe Quellen. Wasser, das in Shibu direkt in die Badeh\u00e4user gelenkt wurde. Bei genauerem Hinschauen dampfen die kleinen Pf\u00fctzen; eine brodelt sogar. Ich dachte, da\u00df w\u00e4re ein Effekt der Quelle. Nein. Es ist die Temperatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Weg f\u00fchrt etwas 500m am Flu\u00df entlang, wechselt an einem Holzweg die Flu\u00dfseite. \u00dcberall quellen, manche haben sogar eine kleine Font\u00e4ne. Dann ist der befestige Weg zu Ende. Ich sehe einen eta 3m hohen Wasserfall. Der Flu\u00df hat seine Quelle also irgendwo weiter oben. Ob ich da rauf komme? Immerhin gibt es auf der Karte einen gestrichelten Weg. Die meinen doch nicht dieses Nichts von Trampelpfad. Ich taste mich vorsichtig weiter. Es ist rutschig. Ich gehe weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin alleine, habe meine Ruhe. Alle Japaner habe an der Holzbr\u00fccke umgedreht, wo der Weg zu Ende war. Jetzt ist auch der Trampelpfad zu Ende. 50m bevor die Felswand beginnt. Ich sehe Reste von einem Pfad. Rauf geht vielleicht noch, aber nachher wieder runter; ohne Ausr\u00fcstung zu riskant. Ich drehe um, nachdem ich die Ruhe aufgesaugt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Bushaltestelle erwarten mich 30 Minuten Wartezeit. In der Zeit schaffe ich mindestens 2 Stationen. Das spart Geld. Wie in der Tokyo-U-Bahn steigt der Fahrpreis mit jeder Station. Leider habe ich keine Uhr und wo\u00a0 ist die n\u00e4chste Haltestelle. Lieber warten. Eine echte Geduldsprobe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck in Naruko geht es nach einer Mittagspause um 14:30 Uh mit einem anderen Bus in Richtung Naruko Schlucht. Sie ist etwa 2,5km lang. Also sollte es nur eine Stunde dauern.<\/p>\n<h3><strong>Naruko Gorge<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Treppe f\u00fchrt hinab in die Schlucht. Endlich mal Stufen abw\u00e4rts. Wie tief mag die Schlucht sein? 60m, 70m? Die Felswand ist teils steil, teils schr\u00e4g, so da\u00df B\u00e4umen wachsen k\u00f6nnen. Alle paar Meter sieht die Schlucht anders aus. Unten in der Schlucht pl\u00e4tschert der Flu\u00df. Er hat diese Landschaft \u00fcber Jahrtausende geformt. Harmlos sieht er aus. Weiter hinten nimmt der Flu\u00df Fahrt auf; Stromschnellen mit Wirbeln und Strudeln. Was f\u00fcr eine Dynamik, die nur eine zig Meter sp\u00e4ter wieder in einen ruhigen Flu\u00df wechselt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie mag das erst aussehen, wenn der Herbst hier die Bl\u00e4tter verf\u00e4rbt. Es k\u00f6nnte ein Postkartenmotiv werden, da\u00df Matsushima in den Schatten stellt. Kiefern sind hat immergr\u00fcn. Die Laubb\u00e4ume hier k\u00f6nnten die Schlucht in ein Farbenmeer verwandeln. Hier und jetzt hat die Verf\u00e4rbung gerade erst begonnen. Ich bin zwei Wochen zu fr\u00fch. Was aber an dem langen Sommer hier in Japan liegt. Der hat mir die beiden Taifuns beschert und verweigert mir nun die volle Herbstpracht. Ein Vorteil sind die h\u00f6heren Temperaturen. Ich will also nicht meckern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Wasser ist glasklar und eiskalt. Hier und da rinnt Wasser aus dem Fels hinab. Es gibt auch zwei nette kleine Wasserf\u00e4lle. Ich habe die Wanderzeit g\u00fcnstig gew\u00e4hlt. Ich bin alleine. Nur Weg selbst erinnert an Zivilistation. Wieder habe ich meine Ruhe. Ein paar Mal wechselt der Weg die Uferseite. Auf halber Strecke gibt es ein kleines Kloh\u00e4uschen. Aber keinen M\u00fclleimer. Meine Theorie freilebender M\u00fclleimer scheint sich zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz vor dem Ende Schlucht steht eine Bretterbude, die wie ganz Naruko schon bessere Tage gesehen hat. Betreiben wird die H\u00fctte von einem japanischen Ehepaar samt Hund. Lohnt sich das, hier einen Snackshop zu betreiben? Ich kaufe ein Bier. Der Mann murmelt irgendwas mit &#8222;american&#8220;. Dem Tonfall nach war es nicht nett. Fast reflexartig erw\u00e4hne ich &#8222;doitsu jin&#8220;. Er zuckt zusammen und entschuldigt sich (zumindest der Gesten nach). Da ist er wieder der Deutschland-Bonus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Treppe, die Schlucht ist zu Ende. Um 17:10 Uhr bin ich wieder am Ryokan. Zeigt f\u00fcr Onsen. Es ist noch hell. Das Rotenburo sieht jetzt ganz anders aus. Der Garten ist kleiner als gestern abend vermutet. Der Bambussichtgschutz ist wirklich kurz vor den Gleisen. Baden bei Tageslicht ist bei weitem nicht so sch\u00f6n als wie bei Nacht. Also kurze Pause, dann wieder das riesige Abendessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kurz in das Indoor-Onsen. Auch hier hier liegt der Duft von Zedernholz in der Luft. Es ist aber bei weitem nicht so toll wie das Rotenburo. Mit Sake bewaffnet geht es zur\u00fcck zum Rotenburo. Ich genehmige extrem entspannede 30 Minuten. Dann eine Pause und etwas sp\u00e4ter noch einmal 30 Minuten. An der freien Luft vertrage ich die Wassertemperatur recht gut. Ich sitze einfach da. Genie\u00dfe ein paar Schluck Sake und lasse den Tag und den gesamten Urlaub Revue passieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Randnotiz:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Fazit: Gysier, Jigokudani und die Schlucht, dazu das Rotenburo. In der Gesamtwertung rutscht der Tag als Ganzen mindestens vor auf Platz 3.<\/li>\n<li>Es gibt keine frei lebenden M\u00fclleimer in Japan.<\/li>\n<li>Doitsujin ist immer eine gute Idee in Japan. Der Detschland-Bonus.<\/li>\n<li>Die Stimmung kann man im Japanischen an Tonfall erkennen. Auch ohne W\u00f6rterbuch.<\/li>\n<li>42 Grad Wasser und 42 Grad Sake sollte man nicht kombinieren; egal wie sinnvoll das auf den ersten Blick erscheint.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wetter ist tr\u00fcb. Es sieht nach Regen aus. Zeit f\u00fcr ein ausgiebiges, gem\u00fctliches Fr\u00fchst\u00fcck. Ich nehme den Bus um 10:45 zum Kankentusen, einem Gysier. 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