{"id":5140,"date":"2004-10-06T22:39:59","date_gmt":"2004-10-06T20:39:59","guid":{"rendered":"http:\/\/seidenpriester.wordpress.com\/?p=5140"},"modified":"2019-05-30T11:49:58","modified_gmt":"2019-05-30T10:49:58","slug":"kyoto","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/?p=5140","title":{"rendered":"Kyoto \/ Tag 2"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Fr\u00fchst\u00fcck war wieder super. Ach ja, hatte gestern vergessen zu erw\u00e4hnen, da\u00df der Ryokan-Chef auf Westfutter umgestellt hat. Er hatte beim ersten Fr\u00fchst\u00fcck wohl gemerkt, da\u00df die japanische Version nicht so ganz mein Fall ist. Er entschuldigt sich wie gestern schon, da\u00df es nicht ganz so umfangreich ist wie er es sonst seinen G\u00e4sten anbietet. Mir reicht es: Br\u00f6tchen, R\u00fchrei, Salat, Kaffee, Fr\u00fcchte (geschmacklich eine Mischung aus Apfel und Pfirsich, mu\u00df den Namen rauskriegen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Station heute wird das Nijo-jo. Auf halber Strecke mu\u00df ich eine von vielen Ampeln benutzen. Ich habe gr\u00fcn. Aber von links kommt die Feuerwehr mit Sonderrechten. Blaulicht w\u00e4re nicht das richtige Wort. In Japan haben Sonderrechtfahrzeuge ein rotes Rundumlicht. Ich bleibe stehen und &#8230; die Feuerwehr bremst und h\u00e4lt an. Wie jetzt? Ich winke den L\u00f6schzug durch. Warum halten die an? \u00dcber Lautsprecher h\u00f6re ich noch ein Dankeschon und der Fahrer des zweiten Fahrzeugs macht die Geste f\u00fcr &#8222;Entschuldigung&#8220;. Die spinnen die Japaner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <strong>Nijo-jo<\/strong> rangiert als Burg, ist aber eher ein gro\u00dfes Samuraihaus. Es war ein Wohnschlo\u00df und Regierungssitz. Im inneren gibt es viele Korridore und Zimmer mit Tatamimatten. Sehr ger\u00e4umig und sehr edel. Schwere Holzbalken, Papierschiebet\u00fcren. Das besondere ist aber der Fu\u00dfboden. Wenn ich das richtig gelesen habe, hei\u00dft er Nachtigallengang. Wenn ihn entlang geht, twitschert er. Besser gesagt, das Holz quietscht. Die Holzbalken sind besonders gelagert und gegeneinander verspannt. Keine Chance unbemerkt die G\u00e4nge entlang zu schreiten. Ich habe es probiert. Schuhe darf man eh nicht tragen. Aber selbst auf Socken gelingt es nicht. Sp\u00e4tenstens der vierte Schritt quietscht. Ein bessere Alarmanlage gibt es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter geht es zum Kaiserpalast. Die Parkanlage ist nach westlichem Vorbild, hat aber auch japanische Elemente. Es ist der Park in dem ich gestern Nacht noch kurz unterwegs war. Auf das Palastgel\u00e4nde kommt man nur mit Anmeldung und mit Eskorte. Mal sehen. Auf zum Palastamt. Es gibt nur eine F\u00fchrung um 14 Uhr. Hm. Es ist 11:45. Das durchkreuzt meine Pl\u00e4ne f\u00fcr heute. Aber die Chance sausen zu lassen w\u00e4re noch d\u00e4mlicher. In Kyoto und dann den Palast nicht besuchen. Der Plan wird ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf zum goldenen Pavillion. Da die Zeit dr\u00e4ngt, also probiere ich den Bus. Klappt ganz gut. Leider gibt es keinen Plan f\u00fcr das Busnetz. Aber das Zeiche f\u00fcr Gold (Kin) kann ich lesen. Bleibt nur noch die Frage, wo ich aussteigen mu\u00df. Ich steige eine Station zu fr\u00fch aus. Unterwegs hake ich dann schnell noch den Kitano-Schrein und den Hirano-Schrein ab. Der erste ist ganz nett.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <strong>Kinkaku-ji<\/strong> ist ein Kracher. Der ganze Pavillion ist vergoldet. Komplett. Von oben bis unten. Er steht direkt am Tempelsee. Dar\u00fcber der blaue Himmel. Was f\u00fcr ein Postkartenmotiv. Der Park ist sehr erholsam und bietet mehrere Perspektiven. Leider dr\u00e4ngt die Zeit. Wie so h\u00e4ufig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin sp\u00e4t dran. Ich schalte einen Gang h\u00f6her. Ich \u00fcberhole sogar eine Gruppe von Sch\u00fclern, die der Sportlehrer durch den Park scheucht. Die Palastwache feuert mich mit &#8222;go go go&#8220; an. Das sind Bonsupunkte. Vielleicht kann ich die irgendwie nutzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <strong>Palast<\/strong> ist wirklich einen Besuch wert. War die richtige Entscheidung. Gro\u00dfe Geb\u00e4ude, m\u00e4chtige Dachkonstruktionen. Vor allem das Zeremonialtor ist gewaltig. Vor die Fenster sind riesige Holzgitter.; sind quasi die japanische Version von Fensterl\u00e4den. Sie werden aber nach oben aufgeklappt und dienen dann als Sonnenschutz. Pfiffige Idee. Einige Nebengeb\u00e4ude sind erst 1911 gebaut. Der Garten hier im Palast w\u00e4re eine Ehrenrunde wert. Aber unsere Gruppe wird von vier Wachleuten eskortiert. Keiner darf die Gruppe verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00e4chster Stop ist der <strong>Ryoan-ji<\/strong>. Er beherbergt den wohl bekanntesten Steingarten der Welt. Es ist der Steingarten. Der Prototyp aller Steing\u00e4rten. Ok, auf dem Weg dorthin habe ich mich kurz im Stra\u00dfengewirr von Kyoto verheddert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tempel ist auf den ersten Blick wie jeder andere auch. Ehrw\u00fcrdige alte Geb\u00e4ude und ein japanischer Tempelgarten. Hinter B\u00e4umen gut versteckt steht ein weiteres Haus. Man betritt es ohne Schuhe. Ist in Japan so \u00fcblich. Es geht durch das Haus zur Verande. Hinter dem Haus ist der Garten. Sand. Wei\u00dfer, grober Sand. Es gibt drei Gruppen von Steinen. Hier sieht man auch etwas Gras und Moos. Der Rest ist Sand. In den Sand sind Muster eingeharkt. Wenn man jetzt wei\u00df, da\u00df der Sand das Meer symbolisiert, dann wird das Muster schnell zu Wellen. Der Garten ist kleiner als ich ihn erwartet habe. Alle Fotos, die man kennt, t\u00e4uschen. Das tut dem Eindruck aber keinen Abbruch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Geb\u00e4ude f\u00e4llt mein Blick auf 11 rote Eimer mit Wasser. Die japanische Version des Feuerl\u00f6schers. Ich kannte die Eimer aus Anime. H\u00e4tte nie gedacht, da\u00df die immer noch im Einsatz sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tag ist eigentlich rum. Mit Gl\u00fcck schaffe ich es noch mal zum Kinkaku, der ist gleich um die Ecke. Ich wollte vorhin schon eine Schale Tee am Pavillion trinken. Leider ist die Teeh\u00fctte schon geschlossen. Verdammt. Die Japaner und ihre \u00d6ffnungszeiten. Damit mu\u00df ich auch den Daitoku-Tempel von der Liste streichen. Jetzt erst mal Pause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg zur U-Bahn verhedder ich mich schon wieder im Stra\u00dfengewirr. Das ist echt nicht mein Tag. Bin jetzt an der\u00a0 Imadegawadori. Wo auch immer die ist. Hier gibt es eine Post. Zeit f\u00fcr Postkarten in die Heimat. 70yen (53 cent). Unglaublich wie billig das ist. Zwei Stra\u00dfen sp\u00e4ter bin ich am Park beim Kaiserpalast. Jetzt kann ich mir die U-Bahn auch sparen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Yanagibabadori &#8211; das ist ein Name &#8211; sehe ich die <strong>&#8222;Whisky-Bar Seven &amp; Seven&#8220;<\/strong>. Jetzt habe ich Urlaub. Der Laden ist klein &#8211; wie so oft in Japan. Platz f\u00fcr vielleicht 10 G\u00e4ste. Die H\u00e4lfte der Pl\u00e4tze ist am Tresen, wo ich Platz nehme. Hinter dem Tresen der Barkeeper, ein \u00e4lterer Japaner. Wie aus dem Handbuch: nach hinten gegelte Haare, schwarze Hose, wei\u00dfes Hemd mit Fliege, dazu ein Weste. Ich bestelle einen Suntory Royal. Einer der etwa 40 Whisky, die hinter dem Barkeeper im Regal stehen. Das ist mal ne Whiskybar. Warum finde ich die Bar erst heute? Es kommt wegen der Sprachbarriere nur ein kurzes Gespr\u00e4ch zustande.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 19 Uhr starte ich zum Ryokan. Duschen, dann was essen und eventuell noch einmal hierher? Die Bar ist echt der Kn\u00fcller. Die dunklen H\u00f6lzer, einfach die gesamte Atomsph\u00e4re. Das ist Urlaub. Das habe ich gesucht. Auf der Ginza kaufe ich noch schnell eine Dose mit Gyokoro-Tee. Wenn ich schon im Tempel keinen bekommen habe, dann hier. Im Ryokan folgt dann das japanische Bad: erst duschen, dann im hei\u00dfen Wasser entspannen. An diese Tradition kann man sich echt gew\u00f6hnen. Noch w\u00e4hrend des Bades \u00fcberlege ich, wie ich das in Deutschland realisieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Dinner gibt es Okonomiyaki. Die Zutaten sind anders als in Hiroshima. Die Nudeln fehlen und der Geschmack ist etwas anders. Dann zur\u00fcck zum Seven &amp; Seven. Die Bar ist gut besucht. 6 G\u00e4ste, also die halbe Bar. Als ich eintrete, werde ich verwunder angeschaut. Alle denken wohl, da\u00df ich mich verirrt habe. Ich werde vom Barkeeper als Doitsujin vorgestellt und schon beginnt die Konversation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bestelle einen Singapore Sling. Der Barkeeper versteht sein Handwerk. Es macht Spa\u00df ihm zuzuschauen. Er bietet keine Show. Dennoch ist jeder Handgriff kunstvoll und pr\u00e4zise, so ohne Schn\u00f6rkel. Ich sage mal frech: Die Teezeremonie f\u00fcr Cocktails. Gut, der Vergleich hinkt gewaltig. Zum Abschlu\u00df noch eine Jamesson-Whiskey als Hommage an meine Irland-Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 23:02 stehe vor dem Ryokan. Die T\u00fcr ist zu. Schei\u00dfe. M\u00fcssen die Japaner das immer so genau nehmen. Die sind ja schlimmer als wir Deutschen. Was tun. Ich mu\u00df klingeln. Der Betreiber \u00f6ffnet die T\u00fcr. Ich entschuldige mich mehrfach f\u00fcr diesen Fehler.<\/p>\n<p><strong>Randnotiz:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Fazit: Ein gelungener Tag; den Palast besichtigt; Highlight war des Seven &amp; Seven.<\/li>\n<li>Beide H\u00e4nde mit den Handfl\u00e4chen zueinander auf H\u00f6he des Kopfes ist &#8222;Bitte&#8220;.<\/li>\n<li>Nur eine Hand ist eine &#8222;Bitte um Entschuldigung&#8220; \/ &#8222;Sorry&#8220;<\/li>\n<li>Es gibt die roten Eimer mit L\u00f6schwasser wirklich.<\/li>\n<li>Die Feuerwehr h\u00e4lt an, auch wenn sie Vorfahrt hat.<\/li>\n<li>Ich will ein Kamidana und ein japanisches Badezimmer.<\/li>\n<li>Der Barkeeper erinnerte mich etwas an den Butler aus &#8222;Hart aber Herzlich&#8220;.<\/li>\n<li>Das mit der Sperrstunde (Curfew) mu\u00df ich beim n\u00e4chsten Urlaub umgehen.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Fr\u00fchst\u00fcck war wieder super. 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