{"id":5096,"date":"2004-10-03T20:36:42","date_gmt":"2004-10-03T18:36:42","guid":{"rendered":"http:\/\/seidenpriester.wordpress.com\/?p=5096"},"modified":"2019-05-30T11:50:34","modified_gmt":"2019-05-30T10:50:34","slug":"okayama-seto-ohashi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/?p=5096","title":{"rendered":"Okayama \/ Seto-Ohashi"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Heute ist schon die Abreise aus Hiroshima. In Restrospektive w\u00e4re ein Hotel auf Miyajima die bessere Option gewesen. Das n\u00e4chste Mal. Ich verlasse die Stadt aber nicht ohne vorher beim Schrein vorbeizuschauen. Die Buden stehen noch und sind ge\u00f6ffnet. Es sind kleine Zeltbauten, diein ihrer Form an Bush\u00e4uschen erinnern. Der Tisch ist ein Tapeziertisch. So professionelle Buden wie in Deutschland sucht man vergebens. Dadurch wird etwas famili\u00e4rer und auch etwas provisorisch. Ich kenne die Buden ja schon aus Mozu. Ich bleibe bei meinem Urteil: Es wirkt einfacher und schlichter und dadurch erfrischend anders. Nebenan ein Flohmarkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Direkt am Schrein steht eine B\u00fchne. Auftritt hat gerade eine optisch und musikalisch durchgekrachte Girliegruppe in Schulm\u00e4dchenuniform.\u00a0 So etwas kann es nur in Japan geben. Zielgruppe scheinen M\u00e4dchen unter 14 Jahre zu sein. ich hoffe es zumindest. Die Alternative w\u00e4ren Mit-40er mit einem Lolita-Uniform-Fetisch (was in Japan eine nicht ganz abwegige These w\u00e4re). Yeiks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was danach kommt, ist noch schr\u00e4ger. Oh ja, das ist wirklich m\u00f6glich. Ich wei\u00df nicht was das ist, aber es wirkt der fleischgewordene Anime. 3 M\u00e4dels in bunten Kost\u00fcmen und noch schrillerer Stimme. Wenn man durch den Sucher der Kamera auf die B\u00fchne zoomt ist das wie ein LSD-Trip. Ich halte Abstand. Die Melodie erinnert an ein Anime-Intro. Ich vermute es ist auch eines. Zur\u00fcck zum Hotel, bevor meine Ohren bluten. Check-out.<\/p>\n<h3><strong>Okayama<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Shinkansen, p\u00fcnktlich wie immer, geht es an Shinkurashiki vorbei eine Station weiter nach Okayama. Die Tasche verschwindet in einem Coin Locker. Bis zum Garten und der Burg sind es 1,5km. Wieder einmal kurz genug f\u00fcr einen Fu\u00dfmarsch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erster Stop ist die Burg <strong>Okayama-jo<\/strong>. Die erste Burg in schwarz. Nagoya, Oosaka und Himeji waren wei\u00df. Diese hier ist mit schwarzem Holz verkleidet. Sie hat auch den Beinamen Kr\u00e4henburg. Ein sch\u00f6ner Konstrast sind die wei\u00dfen und goldenen Verzierungen. Auf eine Besichtigung verzichte ich. Bei einem Eintrittspreis von 800yen bin ich pl\u00f6tzlich geizig. Die Burg ist auch die kleinste, die ich bisher gesehen habe. Unterhalb der Burg auf der anderen Seite des Flusses ist ein japanischer Garten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Garten ist der <strong>Koraku-en<\/strong>. Einer der drei ber\u00fchmtesten G\u00e4rten in Japans. Eine Br\u00fccke f\u00fchrt direkt von der Burg r\u00fcber. Der Garten ist schon angelegt. Er hat sehr gro\u00dfe Rasenfl\u00e4chen. Im Vergleich mit Hiroshima wirkt er dadurch sehr westlich. Aber auch japanische Elemente sind vertreten. Es gibt einen gro\u00dfen Teich mit bewachsenen Inseln und auch eine Berglandschaft. Zudem gibt es einen Teeh\u00fctte und einen Pavillion. Im Park genie\u00dfe ich auch meine zweites Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Seto O-Hashi<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg zur\u00fcck zum Bahnhof kommt mir eine Schnappsidee: Kaffee und Kuchen auf Shikoku. Von Okayama aus fahren Z\u00fcge \u00fcber die Seto-O-Hashi nach Shikoku. Die Br\u00fccke ist irre lang. 13,1km. Sie besteht aus 2 H\u00e4ngebr\u00fccken und 2 Schr\u00e4gseilbr\u00fccken. Dazwischen gibt es Stahlfachwerkbr\u00fccken und Viadukte. Die Br\u00fccke geht nicht in einem Schwung r\u00fcber, sondern macht ein Inselkopping. Die Br\u00fccke hat zwei Ebenen, wobei die Bahngleise in der unteren liegen. Es ist also ein 13km lange Fahrt durch Stahltr\u00e4ger\u00a0 zu allen Seiten. Die Seto-Br\u00fccke ist zudem die weltl\u00e4ngste Br\u00fccke mit 2 Fahrebenen. Diesen Rekord will ich mitnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Local f\u00e4hrt mit knapp 60km\/h. Die ganze Reise dauert also eine Viertelstunde. Unter dem Zug die Inlandsee, um den Zug herum rauschen die Stahltr\u00e4ger vorbei. Dann kommt Shikoku in Sichtweite. Allerdings ist das Erste, was man sieht ein Industriehafen. \u00dcberall Gastanks. Jede Menge Schiffsverkehr unterhalb der Br\u00fccke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schankt die Br\u00fccke oder bin ich das? Der Zug schwankt in einem Tempo, das nicht zum Zug pa\u00dft. Es mu\u00df die Br\u00fccke sein. Hoffe ich zumindest. Ein Erdbeben w\u00e4re jetzt echt bl\u00f6d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der ersten Station in Shikoku steige ich aus und versuche in Richtung Wasser zu kommen. Ohne Karte von dieser Region verliere ich die Orientierung. Zur\u00fcck zum Bahnhof. Wir streichen das Foto von der Br\u00fccke und gehen gleich zum Kaffee \u00fcber. Um 16:20 geht es zur\u00fcck nach Okayama und dann mit dem Shinkansen weiter. Wie schon in Hiroshima stelle ich mich einfach auf den Bahnsteig und warte. Man braucht nicht unbedingt ein Ticket, wenn man den JRP hat. Das Ticket ist f\u00fcr einen Sitzplatz. Es gibt aber immer mehrere Waggons die als &#8222;unreserved&#8220; markiert sind. Hier gilt: Wer zuerst einsteigt, sitzt. Bis jetzt klappt das ganz gut.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Great Seto Bridge  \u702c\u6238\u5927\u6a4b  Honshu~Shikoku\" width=\"810\" height=\"456\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/jNXLw84O-oQ?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erreiche Kyoto in Dunkelheit. Ich habe einiges \u00fcber den Bahnhof gelesen. Aber die zentrale Bereich ist wirklich riesig. Hoch, um genauer zu sein. Mein Herren. Jetzt aber zum Ryokan. Ich habe die Strecke untersch\u00e4tzt. Meine Herren. Die Karte hat keinen Ma\u00dfstab zum Ryokan. B\u00f6ser Schnitzer. Die letzte U-Bahnstation war Go-jo, also 5. Das Ryokan hat irgendetwas mit 3. Ein paar Stra\u00dfen sind es noch. Doch die U-Bahn? Ich sehe die Preise. Nein Danke. Nicht f\u00fcr zwei Stationen. Weiter. Alle paar Meter sattel ich den schwere Tasche um. Shin-jo. Oh Mann. Aber wir kommen dichter. Weiter und immer weiter. Jetzt stehe ich an der gro\u00dfen Querstra\u00dfe. Zu weit. Verdammt. Also zur\u00fcck und in die Seitenstra\u00dfen. Das hier ist ein typisches Innenstadt-Wohngebiet. Keine lesbaren Buchstaben mehr. Auch die Stra\u00dfenschilder sind in Kanji. Es hilft nichts. Ich mu\u00df mich durchfragen. Noch ein paar Kurven, dann stehe ich vor der T\u00fcr. Es ist ein Wohnhaus wie jedes andere hier auch. Nur ein kleines Schild weist es als Ryokan aus. In England f\u00e4llt das sicherlich unter B&amp;B.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich \u00f6ffne die T\u00fcr und sage &#8222;sumimasen&#8220;. Das ist nie verkehrt. Der Ryokanbetreiber kommt zur Haust\u00fcr in Begleitung seiner Frau. Beide begr\u00fc\u00dfen mich durch eine Verbeugung auf dem Fu\u00dfboden. Auweia. Etikette. Keine Ahnung wie ich darauf reagieren soll. Zum Gl\u00fcck federn die beiden gleich wieder in die Vertikale und bitten mich herein. Wow. Wirklich japanisch. Bei dem Ryokan habe ich ein goldenes H\u00e4ndchen gehabt. Mein Zimmer ist im ersten Stock. ich vermute es war fr\u00fcher ein Kinderzimmer. Die Decke ist nicht sehr hoch (zumindest f\u00fcr meine 180cm etwas zu flach). Ein einfacher Raum mit Tatami. Es gef\u00e4llt mir auf Anhieb. Sofort kommt mir der Gedanke: So k\u00f6nnte mein Zimmer aussehen, wenn ich in Japan aufgewachsen w\u00e4re. Ein kleiner Fernseher, ein flacher Tisch und der Futon zum Schlafen. Was will man mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Plan f\u00fcr den Abend war: erst essen, dann sch\u00f6n ins Bad. Der Ryokan-Betrieber macht mir jedoch einen Strich durch die Rechnung. Er besteht darauf, da\u00df G\u00e4ste zuerst <strong>das Bad benutzen<\/strong>. An dieser Stelle ist zu erw\u00e4hnen, da\u00df man in Japan erst duscht und dann f\u00fcr ein paar Minuten zur Entspannug in die Badewanne steigt. Das Wasser hat etwa 43 Grad. Das Wasser in der Badewanne wird dabei von allen G\u00e4sten benutzt. Man hat ja vorher ausgiebig geduscht. Die Betreiber des Ryokan baden dann zuletzt. G\u00e4ste habe das Anrecht auf frischen Wasser. Mir w\u00e4re es egal, zumal ich Hunger habe. Aber hier scheint es im das Prinzip zu gehen, das Prinzip Gastfreundschaft in Japan. Und da das Ehepaar den Charme von Gro\u00dfeltern ausstrahlen, hat man auch nicht wirklich Argumente zur Hand. Die Baderegeln gibt es als laminierte Karte mit ins Bad. Ist eigentlich ganz einfach:<\/p>\n<ul>\n<li>Erst duschen und Haare waschen, dann in die Badewanne.<\/li>\n<li>Keine Seife in der Badewanne; auch keine Reste am K\u00f6rper.<\/li>\n<li>Das Wasser nach dem Bad nicht ablassen.<\/li>\n<li>Keine Handt\u00fccher oder Waschlappen in der Badewanne.<\/li>\n<li>Alles ordentlich hinterlassen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist eigentlich ganz simpel. Aber mir werden die Regeln trotzdem erkl\u00e4rt und die besagtge Karte mitgegeben. Entweder glauben Japaner, da\u00df die Regeln kompliziert sind oder sie haben mit Ausl\u00e4ndern nicht immer die optimale Erfahrung gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das Abendessen zieht es mich wieder 100m nordw\u00e4rts auf die Ginza. So wie es aussieht zieht es mich nach dem Motte-Licht-Prinzip immer wieder in diese Gegenden. Leider ist es schon 8:30 Uhr und viele Gesch\u00e4fte haben schon geschlossen. Daher gibt es einen Stop bei M\u00e4cces. Danach noch eine zweite Runde. Pl\u00f6tzlich sehe ich zwischen den ganzen Kaufh\u00e4usern Lampions. Hier steht wirklich ein Tempel, mitten auf der Shopping-Stra\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Randnotiz:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Standardpreis f\u00fcr ein gro\u00dfes Coin-Locker-Fach scheint 600yen zu sein.<\/li>\n<li>Okayama und Kurashiki sind gut f\u00fcr einen Stop beim Hotelwechsel.<br \/>\nBeide Orte hintereinander sind machbar, aber erfordern eine gute Planung.<\/li>\n<li>Fazit: Tag ok. Soll erf\u00fcllt.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist schon die Abreise aus Hiroshima. In Restrospektive w\u00e4re ein Hotel auf Miyajima die bessere Option gewesen. Das n\u00e4chste Mal. Ich verlasse die Stadt aber nicht ohne vorher beim Schrein vorbeizuschauen. Die Buden stehen noch und sind ge\u00f6ffnet. Es sind kleine Zeltbauten, diein ihrer Form an Bush\u00e4uschen erinnern. Der Tisch ist ein Tapeziertisch. So&hellip;<a href=\"http:\/\/www.seidenpriester.de\/?p=5096\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Okayama \/ Seto-Ohashi<\/span> <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13931,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,35,72],"tags":[121,472,473,492,631,632,633,756,757,769,910,918],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5096"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5096"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5096\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/13931"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5096"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5096"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5096"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}