{"id":4985,"date":"2004-09-22T23:31:44","date_gmt":"2004-09-22T21:31:44","guid":{"rendered":"http:\/\/seidenpriester.wordpress.com\/?p=4985"},"modified":"2019-05-30T11:52:40","modified_gmt":"2019-05-30T10:52:40","slug":"fusmarsch-am-tag-1-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.seidenpriester.de\/?p=4985","title":{"rendered":"Tokyo \/ Fu\u00dfmarsch am Tag 1 (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich mu\u00df nur noch der Meiji Dori folgen. Es geht bergab und es ist nicht mehr so hei\u00df. Aber der Tag hat seinen Tribut gefordert. Ich bin platt. Rechts ein Tempel. Ein letzter Stop auf der Karte bevor ich in Shibuya bin. Die Stra\u00dfe geht jetzt bergab und endet direkt an der Kreuzung mit den beiden gro\u00dfen Bildschirmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Shibuya<\/strong>. Die Kreuzung ist wie im Fernsehen. Zwei riesige Bildschirme. Beide mit Ton. Es ist laut, bunt, chaotisch. Kein Wunder, da\u00df dies zum Inbegriff, zum Wahrzeichen des modernen Tokyo wurde. Shibuya ist ein Amusement District. Kneipen, Cafes, Spielhallen, Rotlichtbezirk. Einzig den Love Hotel Hill finde ich nicht. Oder ich bin dran vorbei ohne es zu merken. \u00dcberall junge Japaner, die mit Handzetteln f\u00fcr Kneipen mit &#8222;Service Charge&#8220; werben. Andere stehen mit gro\u00dfen Fahnen und Megaphon auf der Stra\u00dfe; Sonderangebote bei Elektronladen nebenan. Fast jede Kneipe hat eine CD-Player auf der Stra\u00dfe f\u00fcr Beschallung, also f\u00fcr die Beschallung der Stra\u00dfe. Wow. Es ist laut und so viele Leute. Die Stra\u00dfe ist voll wie in L\u00fcbeck Diskotheken zur Spitzenzeit. Noch lauter und noch heller wird es, wenn man einen Pachinko-Laden passiert. Diese japanische Gl\u00fccksspielvariante wird sich einem Europ\u00e4er nie erschlie\u00dfen. Man wirft kleine Kugeln in ein Ger\u00e4t, dort fallen sie dann runter, kollidieren mit Hindernissen und wenn sie im richtigen Loch verschwinden, gibt es noch mehr kugeln. Ich hatte als Kind so etwa. Aus Holz. Ich wage es nicht hinein zu gehen. Lautst\u00e4rke und Lichteffekte sind kurz vor der Ausl\u00f6sung epileptisher Anf\u00e4lle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles konzentriert sich um den Bahnhof. In Shibuya Eki (Eki = Bahnhof) kreuzen sich mehrere Bahn- und U-Bahn-Linien. Er ist das Zentrum. So wie es aussieht hat Tokyo nicht ein Stadtzentrum, sondern mehrere. Jeder gro\u00dfe Bahnhof bildet ein Zentrum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Publikum ist in Shibuya ist jung. Ich sehe jetzt um 19 Uhr Jugendliche in Schuluniform. Waren die noch nicht zu Hause oder ist das ein Fashion Statement? Ich vermute: Die Freizeit wird in Bahnhofsn\u00e4he verbracht. Dazu die Business Men mit ihren dunklen Anz\u00fcgen und Krawatte. Auf dem Weg nach Hause oder in die Kneipe. So wie es aussieht ist keiner in Tokyo um 19 Uhr zu Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 21 Uhr immer noch das gleiche Bild. Ich trete langsam den R\u00fcckzug an. In der U-Bahn best\u00e4tigt sich meine Beobachtung von gestern: Schlafen, auf seine Schuhe schauen, Manga lesen oder ganz leise und hinter vorgehaltener Hand telefonieren. Es ist ruhig.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\"><strong>Schnappsch\u00fcsse<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier eine Reihe von Dingen, die mir aufgefallen sind. Ich konnte sie irgendwie nicht in den Text einbauen.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><em>Feuerwehrautos<\/em> &#8212; Sind die s\u00fc\u00df. Ich kannte diese kleinen japanischen Mini-Vans, aber da\u00df dieses Prinzip auch auf Feuerwehrautos angewendet wird. Ich bin fast versucht den G\u00fcrtelclip an dem Wagen zu suchen. Staffelfahrzeug. Keine Ahnung wie die alle in das Auto passen.<\/li>\n<li><em>Privatenwagen<\/em> &#8212; gibt es nur in Extremen. Entweder diese Minih\u00fctten oder gro\u00dfe Schlitten. Honda baut was, das auf dem Niveau eines 5er BMW spielt.<\/li>\n<li><em>Motorroller<\/em> &#8212; gro\u00df, Doppelsitz, oft getunt, da\u00df die Heide wackelt.<\/li>\n<li><em>Getr\u00e4nkeautomaten<\/em> &#8212; \u00fcberall. Es mu\u00df hunderte geben in Tokyo. Es ist unglaublich; und ein Segen bei diesem Wetter. Der Preis f\u00fcr eine Flasche liegt bei 100yen bis 150yen, also knapp 1\u20ac. Es gibt alles: Tee, Fruchtsaft, Cola, Engergydrinks. Ich habe bei diesem Wetter bestimmt schon 1000yen getrunken.<\/li>\n<li><em>Tempel<\/em> &#8212; Es gibt kleinste Tempel und Schreine an jeder Ecke. Meist sind sie etwas verteckt zwischen oder hinter 2 modernen (h\u00e4\u00dflichen) H\u00e4usern. Aber sie existieren noch.<\/li>\n<li><em>Raum<\/em> &#8212; Japaner sind Platzsparer. Jeder Quadratmeter wird irgendwie genutzt. Es gibt hier Gesch\u00e4fte, die sind gerade mal gro\u00df genug f\u00fcr den Besitzer. Man kauft durch das offene Fenster.<\/li>\n<li><em>Fu\u00dfwege<\/em> &#8212; sind schmal. Radfahrer nutzen die Fu\u00dfwege. Die H\u00e4user haben keine Vorg\u00e4rten. Die Haust\u00fcr ist quasi auf dem Gehweg.<\/li>\n<li>H\u00e4user &#8212; Viele H\u00e4user haben einen Grundfl\u00e4che von vielleicht 5x5m, sind daf\u00fcr aber mehrere Etagen hoch.<\/li>\n<li>M\u00fcll &#8212; wird mit Schiffen in die Tokyo Bucht gefahren und dort zu neuen Inseln aufgesch\u00fcttet. Das mit Inseln k\u00f6nnte ein Ger\u00fccht sein, das mit den M\u00fcllschiffen stimmt.<\/li>\n<li>Taxi &#8212; Die Taxen haben automatische T\u00fcren. Man steigt hinten ein. Die Sitze haben Bez\u00fcge aus wei\u00dfer Spitze. Sieht aus wie die gute Tischdecke von Oma. Aber das Taxi wirkt dadurch vornehmer. Der Faher tr\u00e4gt Anzug und Handschuhe. Einigen tragen sogar eine Chaffeurm\u00fctze. Aber es gibt so gut wie keine jungen Taxifahrer. Alle scheinen 50+ zu sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fazit: Ich habe die Ma\u00dfst\u00e4be von Tokyo total untersch\u00e4tzt. Das waren 20km. Morgen nehme ich die U-Bahn. Daf\u00fcr, da\u00df ich den ganzen Tag auf Achse war, habe ich wenig gesehen. Morgen mu\u00df ich das optimieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich mu\u00df nur noch der Meiji Dori folgen. Es geht bergab und es ist nicht mehr so hei\u00df. Aber der Tag hat seinen Tribut gefordert. Ich bin platt. Rechts ein Tempel. Ein letzter Stop auf der Karte bevor ich in Shibuya bin. 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