In zwei Tagen geht es los. Klamotten sind schon gebunkert. Ich wollte erst für 4 Wochen Wäsche mitnehmen. Der Berg war aber riesig und hätte die 20kg-Grenze für das Gepäck gesprengt. Also habe ich die Menge halbiert. Ich muß in Oosaka einen Waschtag einlegen.

Vielleicht sollte ich mir eine Satz Wanderschuhe kaufen. Mit den Straßentretern könnten die Tagesausflüge anstregend werden. Nichts wäre schlimmer als am zweiten Tagen blasen zu haben und dann bis zum Ende der Reise nicht mehr laufen zu können. Das fällt mir natürlich wieder rechtzeitig ein. Übermorgen geht es los, morgen ist Sonntag. Mit anderen Worten: Einkauf auf den letzten Drücker. Schuhekaufen und Männer paßt eh nicht zusammen, also mache ich es kurz: Innenstadt, Globetrotter.

Da hatte ich ja vorgestern den „Reisekoffer“ gekauft. Halbhoch sollten sie sein, damit man im schweren Terrain nicht so leicht umknickt. Habe ich schweres Terrain? In Tokyo sicherlich nicht. Aber Nagano ist in den Alpen. Sicher ist sicher. Welche Kategorie? Man kann der Verkäufer fragen stellen. Kategorie A fällt raus, die sind für Mädchen; D irgendwie auch. Das sind ja Kampftreter für die Mongolei im Winter. Bleiben B oder C. Der Trend ist zwar „Mehr Power“, aber der C-Schuh sieht (zu) solide aus. Und auf Gletschern werde ich bestimmt nicht unterwegs sein; höchsten Geröll, wenn überhaupt.

Schuhklassen
Schuhklassen

Also B. Oder doch nicht? Die Bezeichnung „leicht Trekking-Touren“ klingt nicht nach einem Schuh für Männer. BC das klingt schon nach was: anspruchsvolles Trekking, harte Wanderungen, Hochgebirge; Geröll und Klettersteige. Ja, das ist ein Männerschuh; Adjektive, die gefallen. Kann auch sein, daß ich gerade das Opfer von Werbetextern werden. Aber das Prinzip „mehr Power“ spricht ebenfalls für BC, da noch mehr Power dann doch über das Ziel hinaus schießt. Es wird das Modell Himalaya.

Nicht gerade billig, aber besser als Blasen am Fuß. Moment… Die Dinger sind neu. Auf einmal scheint die Idee nicht mehr so gut. Jetzt ist es zu spät. Sie sind bezahlt. Das nächste Problem ist das Gewicht. 800g pro Schuh! Das klingt erst schwer, wenn man ausrechnet, daß die Schuhe 12% des Maximalgewichts für den Koffer ausmachen. Zum Glück werden die Klamotten, die man trägt nicht gewogen.

Heute kamen die Flugtickets für den Flug von Hamburg nach Frankfut. Wie??? Bis eben dachte ich, daß ich die Flugtickets schon habe. Das war aber nur der Flug ab Frankfurt. Ich bin kurz vor einem Herzinfarkt. Heute ist Freitgag. Viel später hätten die Dinger nicht kommen dürfen. Ich hätte sonst in Hamburg gestanden ohne Flugtickets. Das wäre ja was geworden. Jetzt brauche ich erst einmal ein paar Minuten.

Ich habe immer noch keine Rückmeldung vom Hotel Edoya, ob sie den ersten Tag gecancelt haben. Wenn das schief geht, besteht Gefahr, daß sie alle Nächte stornieren. Egal. Nach dem Schock von eben will ich nicht darüber nachdenken. Selbst wenn das schief geht, bin ich schon mal in Tokyo. Alles andere ist egal.

Aber halt. Ich brauche noch Geld. Kann ja schlecht mit Euro bezahlen. Ein Anruf bei der Bank: Sie haben noch 7000 yen. Nicht viel, aber ich nehme, was ich kriegen kann. Dummerweise, bin ich erst um 18:02 in der Stadt. Zu spät. Und nun? Auf zur Reisebank. Die haben mehr als genug. Ich hole 45000 yen. Wow. Nur 1000er-Scheine. Trotzdem sind es nur 350€.

Mit dem Rucksack von gestern und den Klamotten habe ich schon 1600€ ausgegeben und noch keinen Fuß in Japan. Die Hotels sind auch noch nicht bezahlt, nur gebucht. Ich glaube das wird sehr teuer.

Geld. Vielleicht sollte ich Geld mitnehmen. Aber woher nehmen. Rufe bei der Deutschen Bank an. Sie haben noch 7000en. Mehr kriegen sie auch nicht mehr rein. Egal. Ich nehme, was ich kriegen kann. Auf in die Stadt.

Jetzt liegen die ganzen Sachen für die Reise auf einem Haufen: Klamotten, Kameratechnik, Fön, Kleinkram, Bücher, dazu ein DIN A5-Buch. Ich werde jeden Tag protokollieren. Das Wort Reisetagebuch möchte ich vermeiden. Die Reise wird mehr Eindrücke vermitteln, als ich in Fotos festhalten kann. Ich bin gespannt auf den Kulturschock. Wird er einsetzen? Wie ist es mit Vorurteilen und Klischees? Die Anspannung und Vorfreude steigt mit jedem Tag.

[Nachtrag: Ein Glück, daß ich Protokolle geschrieben habe. Ohne sie wären die Reiseblogs nicht möglich gewesen. Um alle daran zu erinnner. 2004 gab es noch kein web 2.0, keine Blogs.]

Ok. Die Sache liegen auf einem Haufen. Aber wie kommt der Haufen nach Japan. Da habe ich die Tage durchgeplant, eine Checkliste für die erwähnten Haufen aufgestellt und total vergessen, daß der Kram in einen Koffer muß. Na zum Glück habe ich das rechtzeitig bemerkt. Grins. Aber wo kriege ich jetzt einen Koffer her? Die Dinger bei Karstadt sehen so altbacken aus. Und sie wiegen. Teilweise 6kg. Das sind 30% meiner Maximallast. Inakzeptabel. Total inakzeptabel. Plan B sind Rucksäcke. Aber diese Outdoor-Allinklusive-Trekking Rücksäcke sind irgendwie auch nicht das, was ich suche. Und sie sind auch nicht mein Stil.

Bei GlobeCamp finde ich eine Art Seesack. Leer wiegt er fast gar nichts, 1,85kg. Er hat Trageschlaufen und kann auch als Rucksack getragen werden. Die Füllmenge von 85l übersteigt zudem jedem Rucksack und fast jeden viele Koffer. Roaar. Tatonka. Paßt zu meiner Kaffeekanne, die mich durch das Studium gebracht hat und durch so manche Astronacht. Gekauft.

[Nachtrag: In Retrospektive fehlen dem Rucksack doch die Rollen. In Kyoto war das Ryokan so weit vom Bahnhof entfernt, daß ich kurz davor war, ein Taxi zu nehmen. In Hiroshima habe ich dann Rollen gekaut. Mehr dazu im Blog. Heute hätte ich wohl einen Trekking- oder Wanderrucksack genommen.]

In einer Woche geht es los. Die Flugtickets sind da. Das JRP auch. Alle Hotels haben die Reservierung bestätigt. Die Reiseroute steht. Ich habe das ganze Wochenende den Plan verfeinert, versucht für Tokyo und Kyoto die optimalen Laufrouten zu finden. Dabei habe ich fast die Reiseführer auswendig gelernt.

Heute war ich nach der Arbeit im Fotogeschäft. Ich habe mich mit Diafilmen und Batterien eingedeckt. Pro Tag (ohne An- und Abreise) habe ich grob 2 Diafilme geplant. Das sind etwa 75 Bilder. Das klingt viel und wenig zugleich: Ich habe hier 35 Patronen im Wert von 160€ auf dem Tisch (bin gespannt wie die Flughafenkontrolle reagiert, wenn sie mein Gepäck scannen)  und darf trotzdem nur alle 10 Minuten ein Foto machen, oder zwei Belichtungsreihen pro Stunde.

Kurz kommt der Gedanke an eine Digitalkamera, aber die Auflösung ist schlecht und der Kontrastumfang erst recht. Negativfilme fallen auch raus, als Astrofotograf war ich noch nie ein Negativ-Fan.

Ich hatte zwar immer noch keine Bestätigung für den Flug, aber irgenwann muß man es riskieren. Ich habe vor ein paar Tagen den JRP bestellt und das Geld überwiesen. Es fühlte sich an wie ein Point of no Return.

JRP Gutschein
JRP Gutschein

Heute kam der JRP, also vielmehr der Gutschein für den JRP, mit der Post. Ein kribbeliges Gefühl. Und auch ein wenig Erleichterung. Fast alle Hotels sind bestätigt und ich habe das Zugticket. Selbst wenn mein Plan den Back runter geht, habe ich ein Zimmer zum Schlafen und komme von A nach B. Wenn ich jetzt davon ausgehe, daß ANA den Flug bestätigt, sind die Eckdaten von diesem Abendteuer:

  • 4 Wochen Japan
  • Abflug am 20. September 2004
  • Rückflug am 18. Oktober 2004
  • Japan Rail Pass für drei Wochen (Rest der Zeit bin ich in Tokyo)

Ach ja, es sind nur noch 10 Tage bis zum Flug.