Ise / Meoto-Iwa

Es regnet. Es ist der 3. Regentag in Japan. Das macht bisher 1 Tag pro Woche. Ziemlich gute Statistik. Und an einem der beiden Regentage war mit Nara sogar ein volles Programm absolviert worden. Welche Entscheidung ist für heute die richtige? Ein weiterer Tag in Kyoto oder auf Ise? Eigentlich ist es keine Wahl. Ise. Auch in der Hoffnung, daß während der Zugfahrt der Regen aufhört.

Die Fahrt wird dauern. Ich muß erst mit dem Shinkansen nach Nagoya und dort umsteigen in eine Bummelbahn. Trotzdem wird die Fahrzeit kürzer sein, als von Oosaka aus. Wenn man mal außer Acht läßt, daß der Shinkansen gerade abfährt und ich 30Minuten warten muß. Dafür habe ich dann sofort Anschlaßin Nagoya. Ich bin um 12:15 am Bahnhof Ise. Es regnet immer noch.

Der Geku, der äußere Schrein, ist knapp 900m entfernt. Die Strecke laufe ich. Der Weg dorthin ist recht einfach. Einzig auffällig sind die großen modernen Steinlaternen auf dem Fußweg. Gleich am Eingang steht ein eine rote Bühne mitten in einem Teich. Dies ist auch der Beginn eines Waldes. Der Schrein steht inmitten des Waldes. Die Bäume sind echt groß; kerzengerade und groß. Die wichtigen Gebäude sind von einem Zaun umgeben. Ab dem Zaun ist das Fotografieren verboten.

Einmalig ist jedoch, daß es nebem dem Schreingebäude eine leere Fläche gibt. Sie hat die gleiche Fläche wie das Gebäude. Man sieht sogar den Grundriß. Die Kieselsteine sind zweifarbig. Alle 20 Jahre wird ein neues Gebäude auf der leeren Fläche gebaut und das alte dann abgerissen. Es ist ein Symbol, daß nichts für die Ewigkeit ist. Sehr philosophisch; und praktisch. Alle 20 Jahre müßte man die Holzbauten eh renovieren.

Auch die langen Giebelbalken mit den goldenen Ende fallen auf. Auch die goldenen Tragbalken sind einzigartig. Nach Handbuch liegt es daran, daß es kaum chinesischen Einfluß in der Architektur gibt. Stimmt. Dieses ganze Verspielte – ich sage nur Chinarestaurant – fehlt.

Bis zum Naiku sind es 6km. Es gibt einen Pilgerweg. Laufen oder den Bus nehmen? Genug Zeit wäre. Es hat zwar aufgehört zu regnen, das Wetter motiviert aber nicht wirklich. Durch Zufall komme ich mit einer Lehrerin aus Oosaka ins Gespräch. Sie empfiehlt den Bus. Na dann…

Am Naiku angekommen steht man vor einer Brücke über einen Fluß. Es hat wieder angefangen zu regnen. Auch dieser Schrein liegt im Wald. Zuerst geht es aber einen breiten Schotterweg entlang. Rechts eine Rassenfläche; im Hintergrund sieht man einen Berg. Die Spitze verschwindet im Regen. Wir treffen auf eine Japanerin in Begleitung eines Schweizers. Er arbeitet für das Team Sauber. Stimmt. Nächste Woche ist das Formel-1-Rennen in Suzuka. Das liegt unterhalb von Nagoya, also ganz in der Nähe. Zu viert geht es weiter zu den Schreingebäuden im Wald. Auch hier gibt es wieder die leere Fläche neben den Schreinbauten. Das zentrale Heiligtum ist von einem hohen Zaun umgeben. Der Durchgang ist durch einen Vorhang blickdicht gemacht. Neben dem Durchgang ein Wachhäuschen. Allein der Versuch die Kamera in Stellung zu bringen, ruft die Wächter auf den Plan. Gut, wenn man die Situation aus ein paar Metern bebachtet und andere in Falle treten läßt, bevor man es selbst probiert.

Das Team Sauber will weiter zu den vermählten Felsen. Keine Ahnung was das ist. Hab ich im Reisefüher überlesen. Soll aber im Shinto ein wichtiger Ort sein. Sie haben ein Auto. Das macht es einfach. Ich nutze die Chance. Ich frage mich zwar, warum ich die Tageskarte gekauft habe. Die Autofahrt an sich ist ereignislos. Witzig ist das Navi. Ein japanisches Navi klingt so komisch. Der Regen hört wieder auf.

Nach 15 Minuten Fahrt erreichen wir Meoto-Iwa, so der japanische Name. Die vermählten Felsen sind zwei Felsen, die mit einem Seil verbunden sind. Ehrlich gesagt, hatte ich was Größeres erwartet. Die Felsen sind klein. Es sind eher größere Steine. Viele Japaner fahren hierher, um zu sehen, wie die Sonne hinter den Felsen aufgeht. Warum, keine Ahnung. So ein Kracher kann der Anblick nicht sein. Sonnenaufgang auf dem Fuji, ok. Das kann ich verstehen. Hier? Für mich fällt es unter die Rubrik: Ich war hier.

Eisnchub: Vielleicht muß man Shintoist sein, um die Bedeutung von Meoto-iwa zu würdigen. Ise ist der höchste Schrein des Shinto. Er ist so etwas wie der Vatikan oder Mekka. Und um in diesem Vergleich zu bleiben: Der Kaaba kann ich auch nichts abgewinnen.

Das „Team Sauber“ bringt mich und die Lehrerin zurück nach Ise. Ich bekomme noch eine Einladung. Sollte ich zum Rennen in Suzuka sein, soll ich kurz anrufen. Jetzt fange ich wirklich an zu überlegen. Nächste Woche bin ich schon in Naruko, oder nach in Nagano? Ich muß das prüfen. Die Lehrerin will mit dem Kintestu fahren und so bleibe alleine am JR-Bahnhof zurück.

Der Zug ist gerade wieder weg. So bleibt Zeit, etwas zu essen. Nahe am Bahnhof gibt es eine kleine Garküche. Ich bestelle Udon. Lecker. Um 18 Uhr ist dann Abfahrt. Die Rückfahrt dauert aus irgendwelchen Gründen länger als geplant. Keine Ahnung wieso. Ich sitze erst um 20:34 im Shinkansen. Ein Stunde später erreiche ich Kyoto. Nach einer kleinen Runde durch die Shoppingstraße und einem Stop bei McD ist Feierabend. Nicht jedoch ohne zuvor noch einmal weiter Richtung Norden zu gehen. Hier ist ein Park. Ein dunkler Spot umgeben von der großen hell erleuchteten Stadt. Es ist aber nicht wie in Ueno. Irgendetwas fehlt. Nur was?

Randnotiz:

  • Fazit: Nicht viel gesehen, aber den Regentag genutzt und einen Punkt von meiner Liste abgehakt.
  • Formel 1 in Suzuka ist zwar nicht Teil des Plan, klingt aber spannend.
  • Das erst Kanji in Geku ist das gleiche wie in Gaijin (Ausländer). Gai-jin meint also“äußerer Mensch“ oder einfach Mensch von außen.

Kyoto / die großen Tempel

Das Fürhstück ist japanisch. Abgesehen davon, daß Fisch am Morgen überhaupt nicht mein Ding ist, war es recht lecker. Der heutige Tage ist voll gepackt mit knapp 12 Stops. Es gilt also, keine Zeit zu verlieren. Da es nur 3 U-Bahnen gibt und ich keine Ahnung von dem Liniennetz der Busse habe, werde ich alles zu Fuß erlaufen. Schlimmer als Tokyo kann es nicht werden.

Als allererstes geht es zum Nishi Hogan-ji. Es ist einer der beiden riesigen Tempel hier in Kyoto. Er liegt fast am Bahnhof. Dort angekommen muß ich feststellen, daß die Haupthalle komplett eingerüstet ist. In Japan sind Gerüste anders. Es gibt eigentlich immer einen kompletten Sichtschutz. Die ganze Baustelle ist formlich eingepackt. In diesem Fall haben die eine riesige Halle um das Tempelgebäude gebaut. Komplett mit Dach und allem. Die Hauthalle ist erst 2005 wieder zugänglich.

Vorbei am Kyoto Tower vor dem Bahnhof geht es zum östlichen Tempel. Der Tower ist wieder mal ein Fernsehturm, allerdings nicht vom Modell Eiffelturm. Es ist aus Beton gebaut, hat aber eine Aussichtsplattform; eine Konstante bezüglich Funktürme in Japan.

Die Haupthalle des Higashi Hogan-ji ist auch eingerüstet. Ich habe aber auch gar kein Glück. Aber die Halle kommt mir bekannt vor. Hier bin ich gestern Abend dran vorbei gelaufen. Hatte gar nicht realisiert, daß es der Tempel ist. Zumindest habe ich eine Menge Filmmaterial gespart und bin vor meinem Zeitplan.

Weiter geht es zum Shosei-en, einen japanischen Garten. Er ist sehr schon ruhig. Kyoto wirkt bisher bei weitem nicht so hektisch wie Tokyo, dennoch hebt sich der Garten wohltuend von der „Welt da draußen“ ab. Ich bin erstaunt wie viele verschiedene Moose es hier gibt. Der Park ist von einem Teich dominiert. Verschiedene Wege und etliche Brücken bieten tolle Perspektiven. Mit der Zeit im Nacken kommt aber nicht wirklich Entspannung auf.

Weiter geht es zum nächsten Tempel, dem Sanjusangen-do. Die Halle ist uralt und irre lang. Im inneren steht eine große Kannon-Statue. Links und rechts daneben 1000 kleine. Es ist einfach imposant. Im inneren der Halle ist es dunkel; alles wirkt etwas angestaubt. Aber die Statuen ziehen einen in den Bann.

Gleich daneben ist der Chishaku-in. Ebenfalls ein Tempel. Der Kontrast könnte aber nicht unterschiedlicher sein. Am Sanjusan waren es dunkle Holzer und weiße Wände; alles sehr zurückhaltend. Der Chishaku-in ist bunt. Draußen  hängen bunte große Fahnen von der Dachkante der Haupthalle. Das Holz ist hell und mit Gold verziert. Was für ein Postkartenmotiv. Der Tempelgarten ist von Sen no Rikyu angelegt, einem der wichtigen Teemeister. Ich kenne den Namen aus den Büchern „Ritual der Stille“ und „Chado – Der Teeweg“. Wer sich etwas mit der Thematik auskennt wird nicht enttäuscht. Der Garten strahlt die Ruhe des Zen aus. Der richtige Zeitpunkt für eine kurze Pause. Die brauche ich jetzt und der Garten lädt förmlich dazu ein.

Es ist schon spät. Daher gibt es nur ein kurzes Hallo am Myoho und Nishi-Otane Tempel. Rechts den Hügel hinauf am Hokoku-ryo soll das Grab von Hideyoshi sein. Eigentlich sollte hier auch eine Pagode stehen. Aber wo ist sie? Nur logisch, daß es eine Treppe gibt. 313 Stufen. Das geht echt in die Beine. Und dann? Noch eine Treppe. 176 weitere Stufen. Oben angekommen gibt es außer ein paar Steinen nicht viel zu sehen. Die Aussicht ist durch Bäume blockiert. OK, ich war hier. Weiter im Text. 489 Stufen abwärts. Das geht noch mal in die Beine. Wenn ich jetzt wegrutsche, schaffe ich die Strecke in unter 10 Sekunden. Sehr ungesund.

Nächstes Ziel ist der Kiyomizu-dera. [Nachtrag: An dieser Stelle mache ich den bescheuersten Fehler überhaupt. Leider merke ich das erst bei der Auswertung. Der Kiyomizu ist der Tempel mit der Terasse auf dem Stützpfeilern. Ein Foto ist fast in jedem Reiseführer zu finden. Ich Idiot besichtige die Halle und die Terasse nicht und begnüge mich mit der Außenansicht. Was für ein Fehler].

Ich befürchte meine Karte ist nicht ganz korrekt. Hier fehlt eine Pagode. Am Grabmal fehlt ein Schrein. [Nachtrag: Und ich habe das mit dem Kiymizu nicht realisiert]. Zurück zur Hauptstraße und dann weiter nach Norden. Der Park und der Chion-ji sollten leicht zu finden sein. Zur Abwechselung geht es mal bergab.

Der Chion-in begrüßt einen mit einem großen Mon. Auch die hallen dahinter können sich sehen lassen. Ich spüre aber, daß mein Bedarf an Tempel so langsam gesättigt ist. Also direkt weiter zum Heian-jingu. Das Torii ist schon von weitem zu sehen. Es steht mitten im Stadtgebiet, überspannt die Straße. Erst zwei Kreuzungen weiter beginnt das Schreingelände. Das Torii fällt richtig auf. Es glüht förmlich orange-rot in der Sonne.

Die Schreingebäude sind in der gleichen Farbe gestrichen. Dazu die weißen Wände. Was für ein Bau. Nachdem ich einen Eintritt gezahlt habe, betrete ich den Garten hinter dem Schreinbegäude. Wow. Ein japapischer Garten. Ich laufe einmal kreuz und quer. Ich würde hier gerne mehr Zeit verbringen, aber einen Punkt habe ich noch auf der Liste.

Auf geht es weiter nach Norden. Hier soll auch ein Bus fahren. Aber die Haltestelle suchen und dann warten. Nein. Es ist schon nach 16 Uhr. Ich habe keine Zeit mehr. Also volle Kraft voraus. Die Strecke ist weiter als vermutet. Ich bin erst um 16:30 Uhr am Eingang. Ich darf aber noch rein. Egentlich ist Schluß. Ich verspreche, schnell zu sein.

Ach ja, ich stehe am Eingang zum Ginkaku-ji, der silberne Pavillion. Schon am Eingang fällt mir dieser weiße grobe Kies auf, in den ein Muster geharkt ist. Ein Weg führt hinter die Gebäude. Der Blick fällt auf eine Sandfläche. Ich vermeide den Begriff Steingarten, da die Steine fehlen. Abgesehen davon ist es wie im Japan-Handbuch: ein große Fläche mit Mustern. Statt einem Stein steht hier ein Kegelstumpf aus weißem Kies. Es ist erstaulich wie ästhetisch Sand sein kein.

Und da steht er dann, der silberne Pavillion. Ich habe das Gebäude gar nicht ernst genommen. Nix Silber. Ein quadratischer Bau aus dunklem Holz; die Wände teilweise aus Holz, teilweise weiß verputzt. Mit den geschwungenen Dächern und der Fensterform im zweiten Stock wirkt es irgendwie chinesisch. Gleich ist 17 uhr und Feierabend, also schnell nolch eine Runde um den Teich herum. Auf der Rückseite des Teiches geht es durch eine Waldgebiet. Gerne hätte ich mehr Zeit.

Jetzt erst einmal etwas Essen. Im Halbdunkel versuche ich den Yoshida-Schrein im Yoshiyama-Park zu finden. Ich finde den Berg. Verlaufen kann man sich nicht. Der Berg ist mitten in der Stadt. Dennoch finde ich den Eingang nicht. Es ist dunkel, keine Lampen und wieder Stufen. Ich habe keine Lust mehr. Feierabend für heute. An der Kyodai vorbei geht es zum Kanal/Fluß. Am Wasser geht es entlang bis zu der Ginza, der Einkaufsstraße. Von hier hangel ich mich zurück zum Ryokan.

Erst einmal duschen. Ich will die Diskussion von gestern vermeiden. Gäste duschen zuerst. Nach meinem Bad treffe ich im Flur auf einen Ami. Auch er will noch was Essen. Wir tun uns zusammen. Wir suchen einen Italiener. Den, den er ansteuern wollte, finden wir nicht, also nehmen wir den Nächstenbesten den wir finden. Die Portionen sind kleiner als in Deutschland. Ich werde gerade so satt. Lecker ist es allemal.

Randnotizen

  • In Kyoto kann man die Himmelsrichtungen lernen. Die Stadt ist geteilt in Kita und Minami. Es gibt zwei große Tempel. Nishi und Higashi.
  • Es gibt keine Überlandleitungen in Kyoto. Weder Strom noch Telefon. Keine Einzige.
  • Ich habe zu viele Stops in diesem Tag gepackt.
  • Kyoto ist mindestens 3 Tage. Ohne U-Bahnnetz ist es weitläufig.
  • Ich mag Moos. Flauschig grün und vielfältiger als Rasen.
  • Ich muß beim nächsten Urlaub ein paar Punkte nachholen.
  • Ach ja: HALBZEIT

Okayama / Seto-Ohashi

Heute ist schon die Abreise aus Hiroshima. In Restrospektive wäre ein Hotel auf Miyajima die bessere Option gewesen. Das nächste Mal. Ich verlasse die Stadt aber nicht ohne vorher beim Schrein vorbeizuschauen. Die Buden stehen noch und sind geöffnet. Es sind kleine Zeltbauten, diein ihrer Form an Bushäuschen erinnern. Der Tisch ist ein Tapeziertisch. So professionelle Buden wie in Deutschland sucht man vergebens. Dadurch wird etwas familiärer und auch etwas provisorisch. Ich kenne die Buden ja schon aus Mozu. Ich bleibe bei meinem Urteil: Es wirkt einfacher und schlichter und dadurch erfrischend anders. Nebenan ein Flohmarkt.

Direkt am Schrein steht eine Bühne. Auftritt hat gerade eine optisch und musikalisch durchgekrachte Girliegruppe in Schulmädchenuniform.  So etwas kann es nur in Japan geben. Zielgruppe scheinen Mädchen unter 14 Jahre zu sein. ich hoffe es zumindest. Die Alternative wären Mit-40er mit einem Lolita-Uniform-Fetisch (was in Japan eine nicht ganz abwegige These wäre). Yeiks.

Aber was danach kommt, ist noch schräger. Oh ja, das ist wirklich möglich. Ich weiß nicht was das ist, aber es wirkt der fleischgewordene Anime. 3 Mädels in bunten Kostümen und noch schrillerer Stimme. Wenn man durch den Sucher der Kamera auf die Bühne zoomt ist das wie ein LSD-Trip. Ich halte Abstand. Die Melodie erinnert an ein Anime-Intro. Ich vermute es ist auch eines. Zurück zum Hotel, bevor meine Ohren bluten. Check-out.

Okayama

Mit dem Shinkansen, pünktlich wie immer, geht es an Shinkurashiki vorbei eine Station weiter nach Okayama. Die Tasche verschwindet in einem Coin Locker. Bis zum Garten und der Burg sind es 1,5km. Wieder einmal kurz genug für einen Fußmarsch.

Erster Stop ist die Burg Okayama-jo. Die erste Burg in schwarz. Nagoya, Oosaka und Himeji waren weiß. Diese hier ist mit schwarzem Holz verkleidet. Sie hat auch den Beinamen Krähenburg. Ein schöner Konstrast sind die weißen und goldenen Verzierungen. Auf eine Besichtigung verzichte ich. Bei einem Eintrittspreis von 800yen bin ich plötzlich geizig. Die Burg ist auch die kleinste, die ich bisher gesehen habe. Unterhalb der Burg auf der anderen Seite des Flusses ist ein japanischer Garten.

Der Garten ist der Koraku-en. Einer der drei berühmtesten Gärten in Japans. Eine Brücke führt direkt von der Burg rüber. Der Garten ist schon angelegt. Er hat sehr große Rasenflächen. Im Vergleich mit Hiroshima wirkt er dadurch sehr westlich. Aber auch japanische Elemente sind vertreten. Es gibt einen großen Teich mit bewachsenen Inseln und auch eine Berglandschaft. Zudem gibt es einen Teehütte und einen Pavillion. Im Park genieße ich auch meine zweites Frühstück.

Seto O-Hashi

Auf dem Weg zurück zum Bahnhof kommt mir eine Schnappsidee: Kaffee und Kuchen auf Shikoku. Von Okayama aus fahren Züge über die Seto-O-Hashi nach Shikoku. Die Brücke ist irre lang. 13,1km. Sie besteht aus 2 Hängebrücken und 2 Schrägseilbrücken. Dazwischen gibt es Stahlfachwerkbrücken und Viadukte. Die Brücke geht nicht in einem Schwung rüber, sondern macht ein Inselkopping. Die Brücke hat zwei Ebenen, wobei die Bahngleise in der unteren liegen. Es ist also ein 13km lange Fahrt durch Stahlträger  zu allen Seiten. Die Seto-Brücke ist zudem die weltlängste Brücke mit 2 Fahrebenen. Diesen Rekord will ich mitnehmen.

Der Local fährt mit knapp 60km/h. Die ganze Reise dauert also eine Viertelstunde. Unter dem Zug die Inlandsee, um den Zug herum rauschen die Stahlträger vorbei. Dann kommt Shikoku in Sichtweite. Allerdings ist das Erste, was man sieht ein Industriehafen. Überall Gastanks. Jede Menge Schiffsverkehr unterhalb der Brücke.

Schankt die Brücke oder bin ich das? Der Zug schwankt in einem Tempo, das nicht zum Zug paßt. Es muß die Brücke sein. Hoffe ich zumindest. Ein Erdbeben wäre jetzt echt blöd.

An der ersten Station in Shikoku steige ich aus und versuche in Richtung Wasser zu kommen. Ohne Karte von dieser Region verliere ich die Orientierung. Zurück zum Bahnhof. Wir streichen das Foto von der Brücke und gehen gleich zum Kaffee über. Um 16:20 geht es zurück nach Okayama und dann mit dem Shinkansen weiter. Wie schon in Hiroshima stelle ich mich einfach auf den Bahnsteig und warte. Man braucht nicht unbedingt ein Ticket, wenn man den JRP hat. Das Ticket ist für einen Sitzplatz. Es gibt aber immer mehrere Waggons die als „unreserved“ markiert sind. Hier gilt: Wer zuerst einsteigt, sitzt. Bis jetzt klappt das ganz gut.

Ich erreiche Kyoto in Dunkelheit. Ich habe einiges über den Bahnhof gelesen. Aber die zentrale Bereich ist wirklich riesig. Hoch, um genauer zu sein. Mein Herren. Jetzt aber zum Ryokan. Ich habe die Strecke unterschätzt. Meine Herren. Die Karte hat keinen Maßstab zum Ryokan. Böser Schnitzer. Die letzte U-Bahnstation war Go-jo, also 5. Das Ryokan hat irgendetwas mit 3. Ein paar Straßen sind es noch. Doch die U-Bahn? Ich sehe die Preise. Nein Danke. Nicht für zwei Stationen. Weiter. Alle paar Meter sattel ich den schwere Tasche um. Shin-jo. Oh Mann. Aber wir kommen dichter. Weiter und immer weiter. Jetzt stehe ich an der großen Querstraße. Zu weit. Verdammt. Also zurück und in die Seitenstraßen. Das hier ist ein typisches Innenstadt-Wohngebiet. Keine lesbaren Buchstaben mehr. Auch die Straßenschilder sind in Kanji. Es hilft nichts. Ich muß mich durchfragen. Noch ein paar Kurven, dann stehe ich vor der Tür. Es ist ein Wohnhaus wie jedes andere hier auch. Nur ein kleines Schild weist es als Ryokan aus. In England fällt das sicherlich unter B&B.

Ich öffne die Tür und sage „sumimasen“. Das ist nie verkehrt. Der Ryokanbetreiber kommt zur Haustür in Begleitung seiner Frau. Beide begrüßen mich durch eine Verbeugung auf dem Fußboden. Auweia. Etikette. Keine Ahnung wie ich darauf reagieren soll. Zum Glück federn die beiden gleich wieder in die Vertikale und bitten mich herein. Wow. Wirklich japanisch. Bei dem Ryokan habe ich ein goldenes Händchen gehabt. Mein Zimmer ist im ersten Stock. ich vermute es war früher ein Kinderzimmer. Die Decke ist nicht sehr hoch (zumindest für meine 180cm etwas zu flach). Ein einfacher Raum mit Tatami. Es gefällt mir auf Anhieb. Sofort kommt mir der Gedanke: So könnte mein Zimmer aussehen, wenn ich in Japan aufgewachsen wäre. Ein kleiner Fernseher, ein flacher Tisch und der Futon zum Schlafen. Was will man mehr.

Mein Plan für den Abend war: erst essen, dann schön ins Bad. Der Ryokan-Betrieber macht mir jedoch einen Strich durch die Rechnung. Er besteht darauf, daß Gäste zuerst das Bad benutzen. An dieser Stelle ist zu erwähnen, daß man in Japan erst duscht und dann für ein paar Minuten zur Entspannug in die Badewanne steigt. Das Wasser hat etwa 43 Grad. Das Wasser in der Badewanne wird dabei von allen Gästen benutzt. Man hat ja vorher ausgiebig geduscht. Die Betreiber des Ryokan baden dann zuletzt. Gäste habe das Anrecht auf frischen Wasser. Mir wäre es egal, zumal ich Hunger habe. Aber hier scheint es im das Prinzip zu gehen, das Prinzip Gastfreundschaft in Japan. Und da das Ehepaar den Charme von Großeltern ausstrahlen, hat man auch nicht wirklich Argumente zur Hand. Die Baderegeln gibt es als laminierte Karte mit ins Bad. Ist eigentlich ganz einfach:

  • Erst duschen und Haare waschen, dann in die Badewanne.
  • Keine Seife in der Badewanne; auch keine Reste am Körper.
  • Das Wasser nach dem Bad nicht ablassen.
  • Keine Handtücher oder Waschlappen in der Badewanne.
  • Alles ordentlich hinterlassen.

Ist eigentlich ganz simpel. Aber mir werden die Regeln trotzdem erklärt und die besagtge Karte mitgegeben. Entweder glauben Japaner, daß die Regeln kompliziert sind oder sie haben mit Ausländern nicht immer die optimale Erfahrung gemacht.

Für das Abendessen zieht es mich wieder 100m nordwärts auf die Ginza. So wie es aussieht zieht es mich nach dem Motte-Licht-Prinzip immer wieder in diese Gegenden. Leider ist es schon 8:30 Uhr und viele Geschäfte haben schon geschlossen. Daher gibt es einen Stop bei Mäcces. Danach noch eine zweite Runde. Plötzlich sehe ich zwischen den ganzen Kaufhäusern Lampions. Hier steht wirklich ein Tempel, mitten auf der Shopping-Straße.

Randnotiz:

  • Der Standardpreis für ein großes Coin-Locker-Fach scheint 600yen zu sein.
  • Okayama und Kurashiki sind gut für einen Stop beim Hotelwechsel.
    Beide Orte hintereinander sind machbar, aber erfordern eine gute Planung.
  • Fazit: Tag ok. Soll erfüllt.

Kurashiki / I Robot

Heute ist ein Reservetag. Da ich Hiroshima und Miyajima eingentlich komplett durch habe bleibt die Farge was tun. In meiner Liste findet sich der Ort Kurashiki. Mit Shinkansen und umsteigen sind es etwa 90 Minuten fahrt. Zuvor wird erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Ich hatte bisher nicht erwähnt, daß das Restaurant des Hotels den Namen „Berge“ hat. Auch sonst gibt es sehr viel Deutsches. An der Wand hängen Zitate und Gedichte von Geothe und Schiller.

In Kurashiki sind es etwa 1km von Bahnhof zur Altstadt. Es fährt auch ein Bus, aber die Strecke kann man nun wirklich laufen. Ich biege nach links ab. Bis hierher war die Stadt wie jede andere Stadt in Japan auch. Das ändert sich mit der Kurve. Hier quasi in zweiter Reihe stehen alte japanische Häuser mit weißen Wänden und schwarzen Holzbalken. Die Straße ist geplastert und es gibt keinen Durchgangsverkehr. Auf der anderen Straßenseite fließt ein Fluß. Am Ufer stehen Birken. Was für eine Kombination von Farben: blauer Himmel, das grün der Birken, die weißen Häuser. Es sei erwähnt, daß das grün der Bäume ganz hell ist, so wie bei uns im Frühling. Eine weitere Straße und Häuser sind auch auf der anderen Seite des Flusses. Mehrere Brücken verbinden beide Seiten.

Die Häuser sind Keramikläden oder Restaurants. Diese Gegend ist für ihre Keramik (Bizen) und Buchweizennudeln bekannt. Ich kaufe zwei Teebecher. Wer hat schon echte Bizen-Keramik? Dazu noch zwei Tatamiuntersetzer.

Hinter dem Altstadtviertel steht der Achi Schrein. Wie so oft auf einem Hügel, vor den die Japaner Stufen gesetzt haben. Ich muß sagen, man gewöhnt sich dran. Das Schreingelände ist von Bäumen umgeben. Ich merke einen Abnutzungseffekt. Will sagen, der Schrein haut mich nicht vom Hocker, obwohl er sehr hübsch ist.

Es wird Zeit für die Mittagspause. Ich wähle eines der Restaurants am Fluß. Es gibt eine Brühe mit Fleisch. Ich vergleich sie mit Hühnerbrühe, deren Geschmack einem bekannt ist. Nun etwas Japan dazu. Immer noch lecker und so schön anders. Die Sobanudeln kommen auf einem kleinen Holzrost. Argh. Kalt. Das hatte ich vergessen. Ich hatte es im Reiseführer gelesen. Die Nudeln werden im Sommer kalt serviert. Immerhin sind es Buchweizennudeln. Die haben einen anderen Geschmack. Trotzdem, kalt? Jetzt ist es zu spät.

Während ich die Suppe schlürfe und die Nudeln runterwolfe, schaue ich dem Koch bei der Arbeit zu. Die Nudeln sind handgefertigt. Der Teig wird zuerst geknetet, dann flach ausgerollt. Sehr flach. Eine Ladung Mehl hinzu, dann wird der lange Teig gefaltet, wieder flach gerollt und wieder gefaltet. Wie die Lagen eines Katana entstehen so mehrer Lagen Nudelteig, die durch das Mehl nicht verkleben. Dann kommt ein sehr großes Messer und ein Holzblock zum Einsatz. Zuerst werden die Ende abgetrennt, danach der Teigblock in 2mm breite Streifen geschnitten. Jeder Streifen hat geschätzt 32 Lagen. Mit einem Schnitt entstehen so 32 Nudeln mit rechteckigem Querschnitt. Man ist der Junge schnell. tack-tack-tack-tack. hunderte Nudeln innerhalb von Sekunden. Der Holzblock dient als Anschlag für das Messer. Die Finger will man bei dem Tempo nicht in der Nähe haben.

Danach noch ein abschließender Rundgang und der Rückweg. Es ist erstaunlich, wie die Zeit vergangen ist. Ich hatte mir aber auch Zeit gelassen. Zurück in Hiroshima kaufe ich jetzt erst einmal das Shogibrett und einen Satz Steine.

I Robot

Für den Abend war das Schreinfest geplant. Das war aber schon um 17 Uhr zu Ende. Ups. Und nun? Erst mal ins Hotel etwas Wärmeres anziehen. Es sind nur noch 22 Grad. Arschkalt. Kein Witz. Nach 10 Tagen bei knapp 30 Grad zieht man sich einen Pullover an. Auf dem Weg aus dem Hotel hinaus kollidiere ich mit einer Hochzeitsgesellschaft, die im 3. OG gefeiert haben. Benahe werden ich von dem Mob mit in den Reisebus gespült. Ich schaffe es gerade noch so.

Ich schlendere planlos durch die Partyzone von Hiroshima. Und lerne eine wichtige Sache: Japan ist dreidimensional. Nur weil im Erdgeschoß ein Cafe ist, muß das nicht für den ersten Stock gelten. Was in einem Gebäude gestapelt ist, kann kunterbunt gemischt sein: Unten Restaurant, Mitte Hostessenbar, Oben Modegeschäft. Und gleich nebenan, ein Kino. Im 4.OG. Völlig unscheinbar. Ich habe es nur durch das Plaket bemerkt. Es läuft I-Robot. Warum nicht. Die Karte ist schnell gekauft. Als ich im Saal sitze fällt mir ein Detail auf: In welcher Sprache ist der Film? Schnell noch mal raus. Ich frage am Schalter nach. Wie so viele Kinofilme ist er in Englisch mit Untertiteln. Glück gehabt.

Nach dem Kino geht es noch ins KoHiKan. Während ich den Bericht schreibe, läuft im Fernseher ER. In Japanisch. Klingt total schräg. Fazit: Ein gelungener Tag, auch wenn er etwas unausgelastet war. Kurashiki hat bei mir wieder so richtig Urlaubsstimmer verursacht.

Miyajima / Iwakuni

Das Wetter ist wieder bombig. Superblauer Himmel und knapp 30 Grad. Mehr geht nicht. Mit Zug und Fährüberfahrt bin ich etwas über eine Stunde unterwegs und damit vor der Flut am Schrein. Das Torii wird dann maximal im Wasser stehen. Im Zug treffe ich einen Tschechen. Er reist mit dem Lonely Planet Reiseführer. Der ist eher was für Backpacker. Sein Ziel ist nicht der Schrein, sondern der 530m hohe Berg der Insel. Mit der Fähre nähern wir uns dem Torii. Dahinter sieht man den Schrein. Das Boot fährt am Torii vorbei und biegt dann ab zum Anleger.

Der Weg zu Schrein ist Urlaub pur.  Sonne, blauen Himmel und die Temperaturen hatte ich schon erwähnt. Jetzt kommen Wasser, ein Strand und Palmen hinzu. Die Promenade ist autofrei. Rehe laufen frei herum (wie in Nara). Vom Wasser aus haben wir das Torii schon gesehen, jetzt taucht es orangerot zwischen den Bäumen auf. Was für ein Anblick.

Der Schrein ist geschlossen. Enttäuschung. Aber wir sehen die Schäden durch den Taifun. Am Honden fehlt das halbe Dach. Trümmer und Abdeckplanen überall. Was ich bisher nicht wußte ist, daß auch der Schrein im Wasser steht. Wirklich ärgerlich, daß der Zutritt gesperrt ist. Warum nicht ersatzweise auf den Berg?

Der Weg führt durch die Stadt auf die andere Seite der kleinen Bucht, in der der Schrein liegt. Hier gibt es sogar einen kleinen Strand. Die Farbe des Sandes ist wie in Travemünde. In Kamakura war der Sand eher grau wie an der Nordsee. Die Straße endet in einem kleinen Park, dahinter der Wald und der Berg.  Stufen. Warum sind es in Japan immer Stufen? Ich fange erst gar nicht zu zählen. Zunächst kommen wir gut voran. Die Steigung ist mäßig. Links von uns ist ein kleiner Bachlauf. Dann sehen wir die Auswirkungen des Taifuns: umgeknickte Bäume, ein Erdrutsch hat den Weg unter sich begraben, etwas weiter oben fehlt der Weg. Wir klettern über die Bäume. Nicht ganz ungefährlich. Der Hang ist sehr steil, der Baum ist naß und rutschig. An der Stelle, wo der Weg fehlt, bleiben uns nur 20cm zwischen Wand und Abgrund. Wir überlegen umzudrehen. Ehrgeiz siegt.

Auf 2/3 des Weges gehen uns die Getränke aus. Wir haben die Anstrengung unterschätzt und auch die Hitze. Obwohl wir im Schatten des Waldes unterwegs sind, ist es heiß. Dazu kommt die Luftfeuchtigkeit. Der Wald dampft richtig. Der Weg hat die ganze Zeit Steigung und Stufen zugleich, also so etwas wie schräge Stufen. Die Länge der Stufen paßt so gar nicht zu meiner Schrittlänge. Ich versuche ständig drei kleine, oder 2 große Schritte zu machen. Beides gelingt irgendwie nicht. Es ist anstrengend.

Wir hören ein „Konnich wa“. An uns vorbei stürmt förmlich eine Oma mit zwei Wanderstöcken. Wie überlegen kurz, wie sie es an den Hindernissen vorbeigeschafft hat. Dann fällt uns auf, daß wir gerade von einer Rentnerin abgehängt werden. Jetzt aber los. Ehrgeiz. Machen wir es kurz: Wir haben sie bis zum Gipfel nicht eingeholt. Respekt.

Plötzlich sind die Bäume zu Ende. Sonne pur. Und der Blick nach unten. Wir sind etwas um den Berg herumgelaufen. Das da hinten am Horizont müßte… Shikoku ist es nicht. Aber irgendeine Insel in der Inlandsee. Aber wir sind noch nicht am Gipfel. Das sind noch ein paar … Stufen. Hier oben gibt es eine Aussichtsplattform. Man kann sogar auf Miyajima  blicken, der Schrein. Sogar das Torii im Wasser ist zu sehen. Orange in Blau. Welch ein Farbkontrast. Und so klein. 530m hat der Berg. Das Torii steht im Wasser. Da ist die Rechnung einfach. Blickwinkel etwa 45°. Soweit weg ist das Torii gat nicht. 750m Luftlinie und etwa 2 Stunden Fußmarsch.

Der Aussichtspunkt hat einen kleinen Shop. 200yen pro Dose. Im Tal waren es noch 120yen. Die Höheninflation beträgt damit 15yen/100m. Und es gibt keinen Mülleimer. Nur ein Schild, daß uns darauf hinweist, daß wir alles selbst ins Tal tragen dürfen. Natürlich sehr höflich formuliert: „All you can leave are your footprints. Everything else you have to take back with you“.

Für den Abstieg wählen wir den anderen Weg, der auf der Karte eingezeichnet ist. in der Hoffnung, daß er nicht so stark beschädigt ist. Noch während der Planung sehen wir ein paar Europäer. Deutsche. Da ist man auf einer Insel auf einem einsamen Berg in der hintersten Ecke von Japan und man trifft, Deutsche. Unser Glück, sie haben den Weg genommen. Er ist passierbar. Super. Wir raten ihnen von unserem Weg ab. Der Rückweg beginnt mit einer Überraschung. An einer Weggabelung steht ein Schild: Seilbahn rechts, Wanderweg links. Bitte? Es gibt eine Seilbahn? Nicht darüber nachdenken. Auch auf diesem Schild wieder japanischer Humor: „10 min walk (7 if run a little) to Ropeway station“.

Dieser Weg sit wirklich einfacher. Am Ende läuft er parallel, mal links und mal rechts, zum Fluß, den wir bei Aufstieg gehört haben. Gegen 15 Uhr sind wir wieder im Tal. Hier an der Fähre trennen sich unsere Wege. Er will weiter nach Kyoto. Ich nach Iwakuni. Zudem will ich um bei Ebbe noch einmal hierher zurück.

Iwakuni

Der Zug von Hiroshima nach Miyajima fährt weiter nach Iwakuni. Es ist also sehr einfach. Von der JR Station fährt ein Bus zur Kintai-Brücke, die Ziel meiner Reise ist. Die Brücke ist von besonderer Art und sieht ziemlich neu aus. Es ist eine Bogenbrücke. Genauer gesagt sind es mehrere Bögen. Die Benutzung kostet 300yen. Egal. Die Bbenutzung ist ungewohnt. Man läuft auf den Bögen. Es gibt keine Stufen. Soweit ich das sehen kann ist sie vollständig aus Holz gebaut.

Auf der anderen Uferseite gibt es so etwas wie einen Park. Ich vermute es sind die Reste einer Samurai-Residenz oder eines Tempels. Oben auf dem Berg steht die Burg. Aber für die ist keine Zeit. Ich mußte hetzen, um vor 17 Uhr dort zu sein. Ich gehe zurück über die Brücke und schaue sie mir von unten an. Es ist wirklich ein beeindruckender Bau.

zurück in Miyajima

Nach diesem kleinen Abstecher geht es zurück nach Miyajima. Es ist bereits nach 18 Uhr und die Dämmerung ist in vollem Gange. Wenn ich Fotos mache, dann werden es wohl Nachtaufnahmen. Das Tori ist jetzt angestrahlt und glüht förmlich orange-rot. Ich laufe um das die Schreinanalage herum auf die andere Seite. Hier stehen Steinlaternen mit elektrischer Beleuchtung. Von hier hat man den Blick auf das Torii und über das Wasser auf das Festland.

Ich laufe etwas durch die Stadt. Ein Bach plätschert beruhigend neben der Straße, die grillen zirpen, die Temperaturen sind angenehm. Der Weg ist durch kleine, bodennahe Lampen ausgeleuchtet. Sie wirken wie große Teelichter. Fotografieren kann ich die Stimmung eh nicht, also genieße ich. Die Geschäfte haben noch geöffnet. Das ist Urlaub. Ich nehme eine der letzten Fähren um 19:30. Auf der Landseite steuere ich ein Resto an. Es wird Zeit für Abendessen. Der Zug Zug fährt um 20:45 Uhr. Eigentlich wollte ich noch einen Abstecher in das Nachtleben von Hiroshima machen, aber dafür bin ich zu müde.

Fazit: Der Tag steht nach dem Schreinfest auf Platz 2. Auch wenn ich den Schrein nicht besuchen konnte, war die Bergtour super.

Randnotizen:

  • Miyajima ist eine zweite Reise wert.
  • Bei Ebbe und bei Flut besuchen; über Nacht bleiben.
  • Spinnen scheinen einen Deal mit Japanern zu haben. Alle Netze hingen auf 1,75m. Japaner passen unterdurch, Europäer nicht.
  • Die Flut ist schnell. Jede Welle, die ans Ufer läuft, ist einen Schritt weiter.
  • In Japan kosten sogar Brücken Eintritt.